Julius Dörner - Starter

Recycling-Kunst

Julius Dörner verarbeitet Fundstücke vom Sperrmüll zu abstrakten Kompositionen und erinnert dabei subtil an verblasste Moden, das Lebensgefühl vergangener Epochen oder ein ehemaliges DDR-Kaufhaus.
Recycling-Kunst

Erinnert an die gerasterte Fassade des ehemaligen Centrum-Warenhauses in Dresden: Julius Dörner, "Die Wand", Detail, 2013, Pressspan, Konstruktionsholz, 240 x 735 x 18 cm

Die einen gehen zum Baumarkt, die anderen zum Künstlerbedarf. Julius Dörner findet sein Arbeitsmaterial auf der Straße, beim Sperrmüll, in Abrisshäusern, manchmal auch in Wohnungen von Freunden.

Der gebürtige Hamburger hat eine Leidenschaft für ausrangiertes Mobiliar, für übertünchte Türen, Läden, Balken und Latten, aber auch für alte Lampenschirme und Brotboxen, für Großmutters Glasschälchen oder angestaubte Filmspulen.

Dörner macht auf den ersten Blick Konkrete Kunst. Die Fundstücke verwandeln sich in seinen reliefartigen Objekten in nüchterne Rechtecke, Linien und Rundformen, die er mit Gespür für Farbkontraste, Rhythmus und Spannung zu abstrakten Kompositionen zusammensetzt. Die einzelnen Elemente dieser ausgetüftelten Konstruktionen stellen selbstbewusst die Spuren ihrer Vergangenheit zur Schau, sie erinnern an alte Moden und an das Lebensgefühl vergangener Epochen. Das authentische Material steckt voller Konnotationen und speichert die Alltagskultur ganzer Generationen.

Erinnerungen an vergangene Zeiten

Das Recyceln ist bei Julius Dörner ökologisch motiviert – und der Verzicht auf werthaltige Materialien ist ein Bekenntnis gegen einen traditionellen Kunstbegriff. Während er sich in den ersten Jahren seines Studiums vor allem für die subjektive Lebenswelt seiner Generation interessierte, die in einem Crossover von IKEA- und Trödel-Mobiliar lebt, entwickelt er inzwischen neutrale Ausstellungssituationen. So baut er neue Räume, bei denen er sich wiederum am Vorhandenen bedient und zum Beispiel auf die gerasterte Fassade des ehemaligen Centrum-Warenhauses in Dresden bezieht. Julius Dörner formt die kantigen Wandelemente nach und baut aus ihnen neue Innenräume, die kühl und nüchtern wirken – und doch Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken. Davon kann man sich in seiner nächsten Ausstellung (22. Oktober bis 21. November) in der Galerie Smudajescheck/Kunstraum van Treeck in München überzeugen.

Julius Dörner

Geboren: 1987, Hamburg.

Wohnort: Berlin.

Ausbildung: Universität der Künste Berlin: Evison/Konrad/Pernice.

Initialzündung: An so etwas glaube ich nicht.

Galerie: Smudajescheck, Ulm.

Höhepunkt: Die Geburt meiner Tochter letztes Jahr.

Tiefpunkt: Jeden Tag einer, und damit kann ich ganz gut leben.

Helden: Dieter Roth, Kurt Schwitters, Philip Roth.

Credo: Jeder Mensch hat Raum verdient, und es ist nicht nur Aufgabe der Kunst, diesen zu nutzen, aufzuzeigen, zu gestalten oder zu teilen, sondern die aller.

Ein Rat, der ihnen geholfen hätte: Nicht jeder hat Sinn für Humor.

Warum Künstler? Diese Frage höre ich nie auf, mir zu stellen, und Antworten 
gibt's viele, Geld gehört nicht dazu.

http://www.juliusdoerner.de

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