Eduardo Souto de Moura - Bookmarks

Immer dasselbe Haus

Der portugiesische Architekt und Pritzker-Preisträger Eduardo Souto de Moura outet sich in einem Gespräch als glühender Thomas-Bernhard-Verehrer und erzählt, wie ihn der wunderbare alte Grantler und Nestbeschmutzer inspiriert hat.
Thomas Bernhard der Architektur:Der Pritzker-Preisträger Eduardo Souto de Moura

Für seine Bauten wurde er mit dem Nobelpreis der Architektur, dem Pritzker-Preis ausgezeichnet: das Paula Rego Museum in Cascais, Portugal, von Eduardo Souto de Moura

Was ist drin?

In einem ausführlichen Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Brigitte Labs-Ehlert erläutert der Architekt Eduardo Souto de Moura Hintergründe und Ansprüche seiner Arbeit des Entwerfens und Bauens.

Er rekurriert dabei auf Texte von Thomas Bernhard (1931 bis 1989), die sich passagenweise auch mit Baukunst beschäftigen.

Was ist die These?

Wenn der Architekt Souto de Moura Schriftsteller wäre, wäre er Thomas Bernhard.

Die schönste Seite?

Seite 54 zeigt ein weißes Wohnhaus von strenger bauhausartiger Schlichtheit, umgeben von einem naturbelassenen Garten mitten in der Serra da Arrábida bei Setúbal, südöstlich von Lissabon (Planung 1994, Ausführung 2002).

Die Autoren

Eduardo Souto de Moura, geboren 1952 in Porto, gilt als einer der herausragendsten Vertreter der zeitgenössischen portugiesischen Architektur. Einer seiner Lehrer war der international bekannte Stararchitekt Álvaro Siza Vieira, ebenfalls Pritzker-Preisträger (1992). Seit 1991 ist Souto Moura Professor an der Escola Superior de Belas Artes in Porto, war Gastprofessor in Paris, Cambridge (Harvard), Dublin, Zürich und Lausanne. Zu seinen Werken zählen unter anderen der portugiesische Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover und die Casa da Histórias – Paula Rego (2005/09) in Cascais bei Lissabon (zu Paula Rego siehe art 1/2007), ein auffälliger Bau aus rotem Sichtbeton – wobei die Malerin selbst den Architekten für ihr Museum auswählte. Aber auch im historischen Zentrum von Salzburg hat Souto Moura gebaut, der Stadt, in der sein literarisches Alter Ego Thomas Bernhard viele Jahre gelebt und gearbeitet hat.

Das Gespräch mit Souto de Moura führte Brigite Labs-Ehlert, geboren 1951, Intendantin des Literaturfestivals "Wege durch das Land" in Ostwestfalen Lippe. Sie traf den Architekten im Sommer 2012 in seinem Atelier in Porto.

Das Zitat

"Die Themen sind naturgemäß immer dieselben, das ist offensichtlich. Jeder von uns hat sein eigenes Thema und darin bewegt er sich.’ (Thomas Bernhard)

"Es gibt Schriftsteller, die ihr ganzes Leben lang immer dasselbe Buch schreiben. Es gibt Schriftsteller, deren Bücher eigentlich Autobiographien sind. Es gibt Architekten, die ihr ganzes Leben damit verbringen, immer dasselbe Haus zu entwerfen. Es gibt Architekten, die ihr ganzes Leben damit verbringen, auf denselben Kunden zu warten: auf sich selbst."

Wer braucht das?

Architekturaffine Thomas-Bernhard- und Portugal-Fans.

Das gefällt

Schön, dass auch die portugiesische Originalversion des Gesprächs in dem Band abgedruckt ist. So fällt aber unter anderem auch auf, dass in der deutschen Übersetzung Thomas Bernhard eine Sekretärin hatte, im Originaltext war es ein Sekretär.

Was ätzt die Kritikerin?

Biografische Hinweise auf den Architekten und seine Interviewerin würden die schöne Edition abrunden.

Coffee-table-Faktor

3 (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände") Das elegante Grau des schmucklosen Leineneinbands macht sich gut auf dem Beistelltischchen, ist aber kein Hingucker.

Gewicht

Eher ein Leichtgewicht: 580 Gramm.

Eduardo Souto de Moura: Ein Haus braucht ein Zentrum

Übersetzung aus dem Portugiesischen ins Deutsche von Ruth Katharina Kopp, aus dem Portugiesischen ins Englische von Christian Schmidt. Wege zur Architektur 8. Herausgegeben von Franz Schneider Brakel. 136 Seiten, zahlreiche SW-Abb. 15 Euro, zu bestellen bei "Wege durch das Land" in Detmold,
Tel. 0 52 31/30 80 20

info@wege-durch-das-land.de