Meisterinnen des Lichts - Bookmarks

Der weibliche Blick

Frauen sehen die Welt mit anderen Augen – und bilden sie anders ab. Der im Prestel Verlag erschienene Fotoband "Meisterinnen des Lichts" zeigt Arbeiten von 55 Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten, darunter so berühmte Vertreterinnen wie Gisèle Freund, Eve Arnold, Candida Höfer oder Nan Goldin.
Der weibliche Blick:Ein Fotoband zeigt Arbeiten von 55 Fotografinnen

Viviane Sassen: "Menthe", aus der Serie "Flamboya", 2007

Was ist drin?

Der Fotoband versammelt Aufnahmen von 55 Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten und fünf Kontinenten.

Neben vielen bekannten Namen wie zum Beispiel Gisèle Freund, Eve Arnold, Candida Höfer, Nan Goldin, Claude Cahun, Inge Morath oder Cindy Sherman, deren Arbeiten teils schon zu den Ikonen der Fotogeschichte gehören, gibt es auch jüngere, weniger bekannte Fotokünstlerinnen zu entdecken. Dazu gehören etwa die 1970 in Cuxhaven geborene Jessica Backhaus, bei der zunächst unbedeutende Alltagsansichten zu poetischen Farbkompositionen werden, oder die 1972 geborene Japanerin Rinko Kawauchi (siehe art 11/2013) mit der "klaren und doch so sinnlichen Bildsprache ihrer fotografischen Haikus" (Tim Holthöfer).

Was ist die These?

Frauen sehen anders. Anhand dieser kleinen "Weltgeschichte der Fotografie aus weiblicher Sicht" (so der Verlag) soll deutlich werden, dass Fotografinnen anders und mit anderen Resultaten arbeiten als ihre männlichen Kollegen.

Die schönste Seite?

Seite 14: "US Actress Marilyn Monroe, Nevada, USA, 1960". Eve Arnold fotografierte die Schauspielerin während einer Drehpause ihres letzten Films "Misfits": In einem dunklen See schwimmend, schaut Marilyn Monroe verschmitzt lächelnd in die Kamera – ganz natürlich und ohne Pose.

Der Autor

Boris Friedewald, geboren 1969 in Bochum, studierte Kunstgeschichte, Pädagogik und Theaterwissenschaften in Bochum und Berlin. Er lebt und arbeitet als Kunsthistoriker, Autor und Dramaturg in Berlin. Ebenfalls beim Prestel Verlag von ihm erschienen sind die Bücher: "Bauhaus" (2009) und "Paul Klee – sein Leben, seine Kunst" (2011).

Das Zitat

"Von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit will dieses Buch erzählen. Von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Frauen, die fotografiert haben und fotografieren. Ihren Lebenswegen, ihren Blicken und ihren Bildern. 55 Frauen von Anbeginn der Fotografie bis heute. Eine Vielheit, die ohne Frage auch Lücken aufweist – wie überall, wenn eine Auswahl aus einer Menge getroffen werden muss. Es sind Frauen, die mit ihren Blicken und Werken Menschen verstören, provozieren, berühren und begeistern. Dafür sind sie berühmt. Es sind Meisterinnen des Lichts."

Wer braucht das?

Alle Fotojunkies, die sich vom anderen Blick der Fotografinnen überzeugen wollen.

Das gefällt

Das Buch liefert eine gelungene Auswahl sehr bekannter und weniger bekannter Aufnahmen mit angenehm ausführlichen, informativen Bildunterschriften.

Was ätzt die Kritikerin?

Manch einem Foto wäre ein größeres Format zu gönnen gewesen, so zum Beispiel der faszinierenden Aufnahme einer jungen mongolischen Reiterin, zusammen mit ihrem Pferd in der weiten Steppe liegend (Eve Arnold, Seite 15).

Coffee-table-Faktor

4 (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände"). Sehr dekorativ – eine New-York-Ansicht auf dem Cover macht sich immer gut – zu sehen ist die Fotografin Margaret Bourke-White mit ihrer Kamera hoch oben auf dem Chrysler Building, fotografiert 1935 von Oscar Graubner.

Gewicht

1300 Gramm.

Boris Friedewald: Meisterinnen des Lichts

Prestel Verlag, 240 Seiten, 230 farbige Abb., 34,95 Euro
http://www.randomhouse.de/Buch/Meisterinnen-des-Lichts-Grosse-Fotografinnen-aus-zwei-Jahrhunderten/Boris-Friedewald/e395159.rhd