Hélène de Beauvoir - Bookmarks

Feministin war ich schon lange vor meiner Schwester

Simone de Beauvoir (1908 bis 1986), die französische Schriftstellerin Philosophin und Feministin, ist weltberühmt. Ihre jüngere Schwester Hélène de Beauvoir (1910 bis 2001), eine Malerin, kennen heute nur noch wenige. Die von Karin Sagner herausgegebene Autobiografie "Souvenirs – Ich habe immer getan was, ich wollte" ist ein Versuch, die Künstlerin aus dem Schatten der übermächtigen Schwester hervortreten zu lassen.
Kleine Schwester:Erinnerungen der Malerin Hélène de Beauvoir

Künstlerin im Schatten ihrer berühmten Schwester: Hélène de Beauvoir in in ihrem Mailänder Atelier, um 1955

Was ist drin?

Neben vielen Familienfotos, Gruppenbildern mit mehr und weniger bedeutenden Zeitgenossen sowie etlichen Abbildungen der Werke von Hélène de Beauvoir, sind es hauptsächlich die Erinnerungen der Künstlerin, die den Band füllen.

Von den ersten Kindertagen an bis zum Tod der von ihr bewunderten großen Schwester erzählt sie von ihrem Familienleben, ihrer künstlerischen Arbeit, ihrem Freiheitsdrang und von der innigen Beziehung zu Simone de Beauvoir. Auf die posthum veröffentlichten Briefe der bekannten Schwester, in denen diese sich als gar nicht nett erweist und unter anderem über Hélénes Kunst herzieht, geht diese allerdings mit keinen Wort ein.

Was ist die These?

Hélène de Beauvoirs Erinnerungen sind so aufschlussreich, dass sie nicht nur sie selbst vor dem Vergessen bewahren, sondern auch neue Erkenntnissen über ihre Schwester Simone vermitteln sollen.

Die schönste Seite?

Seite 106. Zwei Schwarzweiß-Schnappschüsse zeigen, wie sich Hélène und Simone de Beauvoir zusammen mit Jean-Paul Sartre 1929 an einer Schießbude auf einem Rummelplatz amüsieren.

Die Herausgeberin

Karin Sagner, 1955 geboren, hat Kunstgeschichte und Germanistik studiert, war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und arbeitet heute als freie Autorin und Kuratorin. Ihr Spezialgebiet ist die französische und deutsche Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

Das Zitat

"Ohne mir dessen bewusst zu sein, war meine Lebenseinstellung die einer Feministin. Und Feministin war ich schon lange vor meiner Schwester."

Wer braucht das?

Alle, die sich für die intellektuelle und künstlerische Avantgarde des letzten Jahrhunderts interessieren.

Das gefällt?

Gut lesbare Texte mit viel Zeitkolorit.

Was ätzt die Kritikerin?

Auf etliche Details aus dem Familienleben mit Mama Françoise und Papa Georges Bertrand de Beauvoir hätte man gut verzichten können.

Coffe-Table-Faktor?

Null! Solide aber langweilig aufgemachtes Buch, dessen schwarzweißes Coverfoto Hélène de Beauvoir in Seitenansicht an der Staffelei zeigt.

Gewicht

600 Gramm


"Souvenirs – Ich habe immer getan, was ich wollte", Karin Sagner (Hrsg.), Elisabeth Sandmann Verlag, 288 Seiten, zirka 80 Abbildungen, 24,95 Euro

Mehr zur Kunst von Hélène de Beauvoir bietet der reich bebilderte Band "Die Malerin Hélène de Beauvoir", herausgegeben auch von Karin Sagner, erschienen im Hirmer Verlag, Preis 34,90 Euro