Contacts - Bookmarks

Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.

Ein kleiner Band möchte Karriere-Beschleuniger, Telefonstreichvorlage, politisches Statement und Kunstobjekt sein. Dafür versammelt "Contacts" über 250 Visitenkarten von wichtigen Akteuren der Kunst- und Kulturszene.
Kontake, Kontakte, Kontakte:250 Visitenkarten von Akteuren der Kunstszene

Das Buch im Brieftaschenformat ist prall gefüllt mit Kontakten

Was ist drin?

Kontakte, Kontakte, Kontakte. Aufgeteilt in die Kapitel Kunst, Kultur, Medien und Politik enthält das Büchlein im Brieftaschenformat über 250 Visitenkarten von Entscheidern und Multiplikatoren aus dem Kunst- und Kulturbetrieb.

Die Auswahl der Museumsdirektoren, Kuratoren, Botschafter, Chefredakteure, Medien-Manager und Galeristen folgt dabei keiner strengen Logik, sondern vermittelt eher den Charme eines privaten Zettelkastens.

Was ist die These?

"Die richtigen Kontakte sind Karriere-Beschleuniger und Türöffner", heißt es in der kurzen Einleitung. Das Buch soll dem Leser helfen, diese Kontakte aufzubauen. Die Macher verstehen das Objekt aber gleichsam als Kunstprojekt, politisches Statement und Telefonstreich-Vorlage.

Die schönste Seite?

In der Rubrik Kunst findet sich die Visitenkarte des Brutally Early Club mit handschriftlich hinzugefügter Telefonnummer und Email-Adresse des Kurators Hans-Ulrich Obrist. Unser Schnell-Test ergab: Die Nummer existiert noch, allerdings meldete sich nur der Anrufbeantworter einer Assistentin.

Der Autor:

Der Band ist im kleinen Leipziger International Neighborhood Verlag erschienen. Als Herausgeber wird die geheimnisvolle "edition a&a" erwähnt. Wir lehnen uns nicht weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass der anonyme Autor beruflich mit Kunst, Kultur und Medien zu tun hat.

Das Zitat:

Immer wieder schön: "Beziehungen schaden nur dem, der keine hat." Außerdem die Aufforderung: "Verfasst keine Massenmailings, sprecht die Menschen persönlich an und schreibt deren Namen richtig."

Wer braucht das?

Das Buch ist ein perfektes Geschenk für urbane Paper Lover, erfolglose Kunststudenten, Grafikdesigner und Kunstbuch-Nerds – also für halb Berlin. Der praktische Nutzen des potentiellen Sammelobjektes ist dabei zweitrangig. Viele der Telefonnummern und Adressen würde man wohl auch über eine kurze Internetrecherche herausbekommen.

Das gefällt:

Die Sammlung ist eine wunderbare Hommage an die ausklingende Ära der analogen Visitenkarte. Die unaufdringliche, konsequente Gestaltung betont vorzüglich den Inhalt und die Funktion des kompakten Buches. Der Preis ist erfreulich niedrig.

Was ätzt der Kritiker?

Der Band wirkt etwas blass: Dem Variantenreichtum der Visitenkarten hätte man mit farbigem Druck stärker Ausdruck verleihen können – wahrscheinlich eine Kostenfrage.
Und: Tatsächlich sind einige Kontakte veraltet. Die Herausgeber des Buches sind sich der Problematik aber bewusst und fordern die Leser auf, mit Korrekturen und eigenen Kontakten an einer überarbeiteten Fassung mitzuwirken. Scans von interessanten Visitenkarten können an den Verlag geschickt werden. Einsendern winken Freiexemplare der zweiten Ausgabe.


Coffee-table-Faktor:

Eine 4 (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände"). Auch wenn das Buch winzig und optisch wenig repräsentativ ist, können sich Besitzer als subversive Insider der Kunstszene zu erkennen geben.

Gewicht

160 Gramm.

"Contacts"

Herausgeber: edition a&a, Erschienen im International Neighborhood Verlag, Leipzig, 5,90 Euro
http://www.international-neighborhood.de/de/books/contacts/
andreas@international-neighborhood.de