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Im eigenen Auftrag

Über drei Jahrzehnte hat der Fotokünstler Peter Wolf die Fotografie-Werkstatt der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste geleitet, nun fasst ein Band im modo Verlag sein fotografisches Oeuvre zusammen.
Klassisch gut:Sehenswerter Fotoband des Karlsruher Peter Wolf

Pe Wolf: "Mann ohne Kopf", 1974, Silbergelatineabzug, 38 x 45 cm

Was ist drin?

Der vorliegende Band, anlässlich einer Werkschau von Pe Wolf in der Städtischen Galerie Karlsruhe erschienen, präsentiert Arbeiten aus allen Schaffensphasen des Fotokünstlers.

Zu sehen sind Akte, Porträts seiner Studenten, Stillleben, auf Reisen entstandene Landschaften, Architekturfotos und Straßenszenen. Trotz der klassischen Sujets haben Wolfs Fotos etwas Experimentelles: Wolf spielt mit dem Licht, mit Bildfragmenten, die er später wieder zu einem Ganzen zusammenfügt, er schafft mit Diptychen und Triptychen fiktive Vorher- und Nachhereffekte oder wählt extreme Bildausschnitte, die gegenständliche Motive abstrakt wirken lassen.

Was ist die These?

Entscheidend bei der Fotografie ist die Momenthaftigkeit. Wolf zeigt das zum Beispiel anhand von Diptychen und Triptychen mit gleichen, aber doch um Details veränderten Bildmotiven.

Die schönste Seite?

Seite 149: Ein Tulpenstrauß, der im Gegenlicht aufgenommen nur als Silhouette vor einem alten Fenster zu erkennen ist, daneben zwei Äpfel, die lange Schatten werfen – ein simples, aber atmosphärisch starkes Stillleben.

Der Autor

Peter Wolf, geboren 1944 in Weikersdorf/Mähren, Tschechien, hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert und war von 1971 bis 2009 dort Leiter der Werkstatt für Fotografie. Wolf fotografierte stets "im eigenen Auftrag", wie er betont, weder für die Industrie noch für Werbeagenturen, und die Fotos, die er aus dem Ausland mitbrachte, sind auf privaten Reisen entstanden. Er lebt und arbeitet in Karlsruhe.

Das Zitat

"Das fotografische Oeuvre von Peter Wolf umfasst etliche Aufnahmen, in denen das Meer vorkommt. Bezogen auf die Dunkelkammer als Ort, an dem sich in der analogen Fotografie durch Licht veränderliche chemische Substanzen zu habhaften Bildern formieren – bezogen auf diese heute beinahe alchimistisch anmutende Klause, ließe sich auch sagen: Wolf hat Fotos gefertigt, in denen das Meer aus dem Entwicklerbad auftaucht. Diese Aufnahmen bilden zwar nicht, wie sonst oft bei Wolf, eine eigene Werkgruppe, doch zeigt sich die See als wiederkehrendes Sujet. Da ist etwa die Upper Bay vor dem New Yorker Stadtbezirk Manhatten, dessen Silhouette mit den inzwischen zerstörten Twin Towers hinten im Bild zu erkennen ist. Da ist eine Hafenbucht in der Bretagne, aufgenommen durch das halb geöffnete Fenster eines Hotelzimmers, und da ist das Mittelmeer, das die Küste der griechischen Insel Lesbos umspühlt." (Michael Hübl)

Wer braucht das?

Alle, die die klassischen Formen der Fotografie lieben – insbesondere in Schwarzweiß – und sich immer wieder gern durch neue Fotos inspirieren lassen.

Das gefällt

Der Band zeigt eine interessante Auswahl aus dem vier Jahrzehnte umspannenden fotografischen Werk von Pe Wolf.

Was ätzt die Kritikerin?

Eine biografische Notiz über den Fotografen hätte das Buch abgerundet.

Coffee-table-Faktor

3 (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände") Handlicher, schlichter Ganzleinenband in Schwarzweiß, auf dem Deckel ein kleines, ebenfalls schwarzweißes Foto eines kopflosen Mannes, der in der linken Hand einen tragbaren Fernseher hält, auf dessen Bildschirm ein (sein?) Gesicht zu sehen ist – ein Buch, das zum Blättern einlädt.

Gewicht

Mit 780 Gramm fast handtaschentauglich.

Pe Wolf: Fotografie. Ohne Auftrag

Mit einem Text von Michael Hübl. modo Verlag, 244 Seiten, 238 Duotone- und Farbabbildungen, 22,50 Euro.



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