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Immer nah dran

Thomas Billhardt, 76, Starfotograf der politischen DDR-Reportage, zeigt eine Retrospektive seiner Arbeiten.
Immer nah dran:Bilder des Starfotografen der politischen DDR-Reportage

Thomas Billhardt: Fidel Castro bei einem Staatsbesuch in der DDR. Erschienen im Band "Thomas Billhardt – Fotografie", mit einem Essay von Steffen Lüddemann, 49,95 €, Edition Braus, Berlin 2013

Was ist drin?

Fotos in Schwarzweiß und Farbe aus Kriegsgebieten und Elendsvierteln rund um den Globus wechseln mit Reportagen aus dem sozialistischen Arbeitsalltag der DDR, von Staatsbesuchen, Aufmärschen und Militärparaden.

Was ist die These?

Als junger Mann glaubte Thomas Billhardt, er könnte mit seinen Fotos aus Krisengebieten die Welt verändern, heißt es im einführenden Essay von Stefan Lüddemann. Inzwischen sieht Billhardt die Dinge nüchterner: "Es ist überhaupt nicht möglich, etwas zu verändern."

Die schönste Seite?

Seite 163: Fidel Castro ist zu Besuch in der DDR, fährt in offener Staatskarosse, stehend neben dem schmächtig wirkenden Erich Honecker. Das Foto mutet an wie eine Collage, Fidel wie reingeklebt in eine nicht zu ihm passen wollende Umgebung.

Der Autor

Thomas Billhardt, geboren 1937 in Chemnitz, absolvierte zunächst eine dreijährige Lehre im Fotostudio seiner Mutter, um schließlich an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zu studieren. Billhardt, herausragender Vertreter der politischen DDR-Fotografie, machte seine teils zu Ikonen avancierten Bilder in den Krisengebieten der Welt. Berühmt wurde er über die DDR hinaus durch seine Fotos aus dem Vietnam-Krieg, die in internationalen Magazinen wie "Life", "Paris Match", "Stern" und "Spiegel" veröffentlicht wurden. Trotzdem kehrte er auch nach dem Mauerbau 1961 immer wieder in die DDR zurück.

Das Zitat

1967 in Hanoi:"Billhardt erinnert sich noch heute an diesen Augenblick, als er aus der Dusche heraussprang, sich den Stahlhelm aufsetzte und sich im Spiegel ansah: nackt, mit einem Stahlhelm auf dem Kopf. Dann zog er sich hastig Hose und T-Shirt an, schnappte sich die Kamera und rannte auf die Straße hinaus."

Wer braucht das?

Wer insbesondere die Zeit des Kalten Krieges noch mal aus Ost-Perspektive sehen möchte, kommt hier mit den wichtigsten Fotos entscheidender Momente ganz auf seine Kosten.

Das gefällt

Billhardt folgt seinem großen Vorbild Robert Capa und dessen Credo: "Wenn ein Foto nicht gut ist, dann warst du nicht nah genug dran!".

Was ätzt die Kritikerin?

Die Bilderklärungen könnten etwas detaillierter und den Fotos genauer zugeordnet sein.

Coffee-table-Faktor

Auf dem Titel eine Ikone aus dem Vietnam-Krieg: Ein Liebespaar promeniert in einem Park mit geschultertem Gewehr und aufgestecktem Bajonett - neugierig macht das allemal. 4+

Gewicht

Für einen Bildband ein Durchschnittsgewicht - 1750 Gramm.

Thomas Billhardt: Fotografie.

Mit einem Essay von Stefan Lüddemann. Edition Braus. 256 Seiten, etwa 500 Abb. 49,95 Euro
Fotografie. target="_blank">http://www.editionbraus.de/Neuerscheinungen/Thomas-Billhardt-Fotografie::145.html