Bookmarks: Die ungesehene Kunst Frida Kahlos

Verborgene Werke

Frida Kahlo gilt als eine der berühmtesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Umso erstaunlicher ist es, dass ein Großteil der Bilder eigentlich nie in der Öffentlichkeit zu sehen ist. Ein Bildband schaut nun auf diese unzugänglichen Werke der mexikanischen Künstlerin.
Verborgene Werke

Frida Kahlo: "Gedanken an den Tod", 1943, Öl auf Leinwand, 44,5 x 37 cm

Was ist drin?

All die Werke Frida Kahlos, die man sonst im Original nicht zu Gesicht bekommt, weil sie in unbekannten oder unzugänglichen Privatsammlungen verschwunden sind, weil sie zerstört oder so fragil sind, dass sie nicht mehr oder nur noch selten gezeigt werden können. In neun Kapiteln arbeitet die Autorin chronologisch das Leben und Schaffen der mexikanischen Malerin anhand dieser ungesehenen Bilder, Skulpturen, Skizzen und Briefe auf.

Verborgene Werke

Frida Kahlo: "Strohflügel", 1938, Maße und Verbleib unbekannt

Angefangen mit einer Stickerei noch aus Schulzeiten der Künstlerin über das verschwundene und nur noch fotografisch dokumentierte Bild "Der verwundete Tisch“ bis hin zu Zeichnungen und Kritzeleien aus ihrem letzten Lebensjahr eröffnet das Buch eine neue und frische Perspektive auf das bereits viel besprochene Leben und Werk Frida Kahlos.

Die These?

Nur weil man die Werke nicht physisch sehen kann, heißt es nicht, dass sie für das Gesamtwerk Frida Kahlos nicht von Bedeutung wären. Von den insgesamt 270 Einträgen, die der Catalogue Raisonné der Künstlerin umfasst, werden fast 125 Werke nie auf Ausstellungen gezeigt. Das Buch rückt die Werke in den Fokus, die sonst wegen Unerreichbarkeit eher vernachlässigt werden und verschafft den Bildern so die verdiente Aufmerksamkeit.

Schönste Seite?

Seite 182. Selten war ein farbenfrohes Früchtestillleben so von einer persönlichen Leidensgeschichte durchdrungen wie das Bild "Es lebe das Leben" von 1951-1954.

Verborgene Werke

Frida Kahlo: "Es lebe das Leben", 1951-54, Öl auf Hartfaser, 39 x 65 cm, Privatsammlung

Die Autorin:

Helga Prignitz-Poda, Kuratorin von bereits fünf Frida-Kahlo-Retrospektiven, weiß nur zu gut um die Problematik der Unzugänglichkeit einiger Werke. Die Kunsthistorikerin und Lateinamerikanistin  veröffentlichte bereits 1988 einen Werkkatalog der mexikanischen Malerin. In ihrem Buch berichtet sie von ihrer Erfahrung im Umgang mit Leihgebern und hartnäckigen Privatsammlern.

Das Zitat:

„[…] wenn ich denn der Farbabbildung trauen kann, denn das Bild habe ich, wie viele in diesem Buch, noch nie gesehen.“ - Helga Prignitz-Poda

Verborgene Werke

Cover von "Frida Kahlo. Verschollene, zerstörte und kaum gezeigte Bilder"

Wer braucht das?

Als Denkanstoß: alle unbeugsamen Sammler, die sich bisher weigern ihre Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und natürlich alle unbeugsamen Fans von Frida Kahlo.

Das gefällt:

Die Werke sind eingebettet in einer schön erzählten Lebensgeschichte Frida Kahlos. Die Autorin gibt Deutungsansätze mit auf den Weg, ohne ins allzu wissenschaftliche abzudriften. Helga Prignitz-Poda bindet auch die Provenienz der Werke stets mit ein, sodass man als Leser nicht nur einen guten Überblick über die ungesehenen Werke bekommt, sondern auch ein Verständnis dafür, welche detektivischen Herausforderungen hinter dem Beruf des Kurators steckt.

Das ätzt die Kritikerin:

Ungesehen heißt nicht gleich unbekannt – man muss davon ausgehen, dass man auch auf alte Bekannte trifft. Einige der Werke zählen zu den bedeutendsten und meistbesprochenen Bildern der Malerin, zum Beispiel "Meine Geburt“, "Die Zwei Fridas“ oder "Der verletzte Hirsch“. Die Autorin macht dies jedoch immer von vornherein klar.

Coffee-Table-Factor (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände"):

Frida gehört auf jeden anständigen Kaffeetisch: 4

Gewicht: 1,5 kg

Helga Prignitz-Poda: "Frida Kahlo. Verschollene, zerstörte und kaum gezeigte Bilder"

224 Seiten, 150 farbige Abbildungen, 30 s/w Abbildungen, Prestel Verlag, 49,95 Euro

Bücher
Die Serie »Bookmarks« präsentiert die besten Künstlerbücher sowie Büchern zu zeitgenössischer Kunst, Fotografie, Architektur und Kunstgeschichte.