Buch zu Paläo-Kunst

In einem Land vor unserer Zeit

Mal blutrünstiger Drache, mal freundlich lächelnde Echse - so mancher Dinosaurier hat im Laufe seiner Darstellung allerlei Imagewechsel erfahren. Einen Überblick zur Kunst im Paläontologie-Bereich gibt ein umfassender Bildband.
In einem Land vor unserer Zeit

Alexei Petrovich Bystrow: "Inostrancevia, devouring a Pareiasaurus", 1933

Sie verschwanden vor rund 66 Millionen Jahren - und tauchten im 19. Jahrhundert wieder auf: Nach der Entdeckung und Beschreibung erster Dino-Fossilien bevölkerten die Saurier bald auch Gemälde und Zeichnungen. Einen Überblick des künstlerischen Schaffens von 1830 bis 1990 zu paläontologischen Funden bietet der großformatige Bildband "Paläo-Art".

Das Bild, das sich Menschen von ausgestorbenen Tieren machten, sei das von Illustrationen vermittelte, heißt es im Vorwort des Künstlers Walton Ford. Angefertigt würden sie vor allem für naturhistorische Museen und Institute, Enzyklopädien, Studien in Fachmagazinen und Kinderbücher. "Der Übergang zwischen Unterhaltung und Wissensvermittlung, zwischen Kitsch und wissenschaftlicher Darstellung ist oft fließend."

Alte Darstellungen werden heute als falsch und obsolet eingestuft

Mit all den Spielzeugen, Büchern und Stickern werde inzwischen als gegeben angesehen, dass Saurier tatsächlich so aussahen wie heutzutage meist dargestellt, so Ford. Tatsächlich aber verändere sich das als wahrscheinlich angenommene Abbild mit neuen Erkenntnissen immer wieder. Frühere Darstellungen wiederum würden heute als falsch und damit komplett obsolet eingestuft - ihrem künstlerischen Wert werde das nicht gerecht.

Beschrieben wird, wie schwierig es war, einzelne der vorgestellten Bilder aufzuspüren. Aufgenommen wurden neben Zeichnungen, Ölgemälden und Lithographien auch Mosaike, Keramiken, Sammelkarten und Fresken. Zwei Jahrhunderte Paläo-Art seien dargestellt - aus der Epoche, in der solche Illustrationen noch nicht am Computer erstellt wurden.

Zwischen Fantasie und Wissenschaft

Die Kunstkritikerin Zoë Lescaze geht auf viele der Werke und vor allem die jeweiligen Künstler ausführlich ein. Der Geologe Henry Thomas De la Beche war demnach der erste Paläo-Künstler: Er schuf 1830 eine Darstellung prähistorischer Reptilien, die sich unter Wasser bekämpfen ("Duria antiquior"). 34 Tiere sind gezeigt - etwa die Hälfte damit beschäftigt, sich über ein anderes herzumachen.

In einem Land vor unserer Zeit

Lescaze geht auf die Anfänge der Suche nach Saurier-Fossilien ein und verdeutlicht, dass Illustrationen immer im Kontext der jeweiligen Zeit zu sehen sind. Lange Zeit seien Urzeitwesen als Monster dargestellt worden - als Drachen, Sphinx, Hydra oder Harpie zum Beispiel. In dieser Tradition sei Iguanodon - ein großer, pflanzenfressender Dinosaurier - zunächst als blutrünstiger, kannibalistischer Drache dargestellt worden. Spätere Illustrationen hätten ihn als schelmische, übergroße Echse oder freundlichen, schuppigen Elefanten gezeigt.

»110 Prozent Hund«
Im Braunschweig ist eine Kreidezeichnung als bisher unbekannte Skizze von Rembrandt identifiziert worden. Das Werk befand sich bereits seit Jahrhunderten im Bestand des Museums
Kunstbuch
Besprechungen und Kritiken aus unserer Serie »Bookmarks« mit den besten Büchern zu Kunst und Kunstgeschichte und den schönsten Künstlerbüchern.