Bookmarks: Salad for President

Kunst geht durch den Magen

Eine New Yorker Künstlerin und Fotografin besucht andere Kreative, macht mit ihnen Salat und dokumentiert die Begegnung. Das Ergebnis: eine bunte und charmante Mischung aus Rezeptbuch, Home-Story-Bildband und Slow-Food-Manifest.
Kunst geht durch den Magen

Fotografie von Julia Sherman im Stil von William Wegman, der auch ein Rezept beisteuerte.

Was ist drin?

Mehr als ein gemischter Salat: In der Tradition von Künstlern wie Gordon Matta-Clark, der in den siebziger Jahren das Restaurant "FOOD" in SoHo startete, oder Rirkrit Tiravanija, der gern auf seinen Ausstellungen kocht, entdeckte auch die Brooklyner Fotografin, Künstlerin und Köchin Julia Sherman die Verbindung zwischen gutem, gesunden Essen und guten Gesprächen.

Nur dass Sherman mit Vorliebe Salate aus ihrem eigenen Garten zaubert – und gern Zeit mit Kreativen in der Küche verbringt, um mit ihnen beim Kochen über die Arbeit, Essen und das Leben zu philosophieren.

Die These?

Die einfachen Dinge im Leben sind die wertvollsten.

Die Autorin:

Das Atelier als kreativer Ort wurde Sherman zu eng. Nachdem sie mit einem Orden von benediktinischen Nonnen gelebt hatte und die Frauen bei der landwirtschaftlichen Arbeit und beim Zubereiten ihrer Speisen erlebt hatte, beschloss sie, dass ihr Garten und ihre Küche Teil ihrer Kunst werden müssen. 2012 startete Sherman den Blog "Salad for President". Künstlerfreunde teilten Rezepte mit ihr. Schließlich begann Sherman, mit Malern, Architekten, Designern und Musikern zu kochen. Ihre Besuche hielt sie mit Fotos fest.

Das Zitat:

Stammt von der New Yorker Performance-Künstlerin Laurie Anderson: "Ein Salat ist eine Komposition. Ich bin vollkommen zufrieden damit, Autos, Wolken oder Salate als Kunstwerke zu betrachten."

Wer braucht das?

Alle, denen grüner Salat mit Balsamico-Vinaigrette zum Hals heraushängt. Wie wäre es zur Abwechslung mit papierdünn geschnittenen Selleriewurzel-Scheiben mit Anchovis-Kapern-Dressing oder gegrillten Pfirsichen mit Basilikum?

Kleine Häuser, große Ideen
Vom traditionellen, spartanischen Häuschen bis hin zu stylischen Künstlerateliers und Wohnhäusern – begrenzte Quadratmeterzahlen setzen der Kreativität keine Grenzen. Ein Buch über die aufregendsten Umsetzungen der »Tiny Houses«

Das gefällt:

Die Begegnungen mit den Kreativen – darunter die Künstler Tauba Auerbach (Rosenkohl-Salat mit Apfel und Mandeln), William Wegman (Apfel-Toast mit pochierten Feigen) oder Laurie Anderson (Auberginen-Dip mit Kräutersalat). Die Interviews sind lesenswert. Dies ist mehr als ein Kochbuch: Sherman setzt ihre Leser mit wirklich interessanten Menschen an einen Tisch.

Kunst geht durch den Magen
Cover von Julia Shermans "Salad for President. A Cookbook Inspired by Artists", Abrams Books, 272 Seiten

Das ätzt die Kritikerin:

Es nerven die oft ellenlangen, aufgeblasenen Titel der Gerichte – damit auch jeder versteht, was für eine hohe Kunst das Kochen ist. Handelt es sich bei dem Buch um ein persönliches Tagebuch, ein Kochbuch, ein Manifest für gesundes Essen oder einen Home-Story-Bildband? Festlegen will sich Julia Sherman nicht. So ist ihr kulinarisches Projekt ein bisschen von allem und wirkt halbgar. Was aber gleichzeitig den Charme des Buches ausmacht.

Coffee-Table-Factor (von 1 "Vorsicht Taschenbuch!" bis 5 "Sumo: So groß wie Helmut Newtons dickste Bände"):

Note 3. Kein Coffee-Table-Hingucker, sondern ein Buch, das in die Küche, an einen Ort voller Leben gehört.

Gewicht: 1,3 Kilogramm.

Eine Prise Porno
Lust auf ein ganzes gebackenes Kamel (gefüllt), auf Kaktus-Omelett oder feministisches Popcorn? Ein kreatives Kochbuch zeigt auf sehr amüsante Weise, was auf den Tisch kommt, wenn Künstler und Schriftsteller zum Kochlöffel greifen