Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf gar keinen Fall verpassen sollten. Diese Woche mit Peitschen in Göttingen, Schulterpolstern und Kalligrafie in Berlin, Feuerlöschern in Hamburg und Erleuchtungen in Bremen.

Berlin: Aatifi – News from Afghanistan

Können Sie sich noch daran erinnern, wie es war, als man als Kind auf Buchstaben geguckt hat und außer lustigen Strichen und Punkten nichts erkennen konnte? Der Künstler Aatifi weiß es noch ganz genau, denn dieses Erlebnis hat ihn dazu gebracht, sich mit Kalligrafie zu beschäftigen. Heute haben seine bunten Bilder nur noch im weiteren Sinne mit Buchstaben zu tun, die er über die Zeit immer weiter abwandelte. Jetzt nutzt er ihre Linien und Kurven, um Räumlichkeit und Dynamik in seine Gemälde und Grafiken zu bringen. Zeitgenössische afghanische Kunst umgeben von 14 Jahrhunderten islamischer Kulturgeschichte des Pergamonmuseums: eine spannende Mischung, die ein arabisches Ausrufungszeichen verdient hat.

Für Kalligraphen und Typewriter.

Die Ausstellung ist vom 3. Juli bis zum 18. Oktober 2015 im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen.

Bremen: Enlight my Space – Kunst nach 1990

In den letzten 25 Jahren ist viel passiert. Zum Beispiel ist Deutschland nicht mehr geteilt und die Stadt Tschernobyl kennt jeder. Solche Ereignisse lassen die Kunst alles andere als kalt, weshalb die Bremer Ausstellung ihren Titel von Pipilotti Rists gleichnamiger Arbeit "Enlight my Space" übernommen hat. Die beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern äußere Einflüsse die Menschen prägen und damit ihr Leben nachhaltig verändern. Zu sehen gibt es Installationen, Malerein und Objekte von Katharina Grosse, Olafur Eliasson oder Dan Flavin, bei denen man schnell selbst zum Kunstwerk wird.

Für Hobbyhistoriker und Erleuchtete.

Die Ausstellung ist vom 4. Juli bis zum 11. Oktober 2015 in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Göttingen: Julius von Bismarck – Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer

Physik ist für viele Leute erst richtig verständlich, wenn ihnen etwas herunterfällt. Man kann beispielsweise Rotation aber auch nutzen, um Kunst zu machen. Julius von Bismarck wurde 2008 mit seiner Foto manipulierenden Erfindung "Image Fulgurator" bekannt. Er befasst sich mit dem Zusammenhang von Mensch und Natur, wie der Mensch in sie eingreift und damit, wie das Monster, das Gewohnheit heißt, die Menschen davon abhält, spannende Dinge in der Welt wahrzunehmen. Um das zu ändern baut er Statuen auspeitschende Apparate, deren Einsatz er überall in der Welt mit Fotos dokumentiert, oder lässt eine mexikanische Landschaft weiß streichen, um sie hinterher wieder so zu bemalen, wie sie vorher aussah. Die Message dahinter: Nichts ist selbstverständlich.

Für Karussel-Fahrer und Fans von Fifty Shades of Grey.

Die Ausstellung ist vom 5. Juli bis zum 23. August im Kunstverein Göttingen zu sehen.

Berlin: Fashion Stories

In Sachen Modefotografie hat man ja schon einiges gesehen: Von sinnlosen Stereotypen über mittelmäßige Motive, die man kurz anguckt und wieder vergisst, bis hin zu geistreichen Kampagnen, die die Modegeschichte auf den Kopf stellten. Letzteres konnten manche Jahrzehnte besser als andere. Eine dieser Zeiträume waren fraglos die achtziger und neunziger Jahre in London, in denen besonders zwei unabhängige Magazine als Sprachrohr einer Generation von Post-Punkt-Kreativen den Modejournalismus umkrempelten. Gemeint sind i-D und The Face. Niemals dem Mainstream folgend legten sie großen Wert auf Styling und Fotografie, machten sich durch kleine Auflagen und exklusive Verkäufe rar und wurden dadurch zum künstlerischen Medium. Die Ausstellung zeigt originale Zeitschriften zum Anfassen im Ausstellungsraum von Wolfgang Tillmans.

Für Schulterpolster-Fans, Buffalo-Träger und Grunge-Looker.

Die Ausstellung ist vom 2. Juli bis zum 1. August im Between Bridges in Berlin zu sehen.

Hamburg: Niclas Castello

Rot, schwer, und man kann damit Feuer löschen: Das sind die ersten Assoziationen, die man zu einem Feuerlöscher hat. Ansonsten ist es eher ein unscheinbares Gerät, das in kleinen Nischen versteckt ist, einen an unschöne Dinge denken lässt und hoffentlich niemals zum Einsatz kommt. "Vollkommen unterbewertet", muss sich Niclas Castello, Freund von Damien Hirst, gedacht haben. Er nimmt die tragbaren Retter aus ihrem normalen Kontext heraus, fügt eine Prise Neo-Pop-Kunst hinzu und verwandelt sie in Tribute an die Kunstepochen des Dada und Surrealismus. Kein Grund also, einen goldenen Schmollmund zu ziehen – auch unscheinbaren Gegenständen gebührt, völlig zurecht, ein bisschen Ruhm.

Für Modezaren und Popartisten.

Die Ausstellung ist ab dem 1. Juli in der Galerie Schimming in Hamburg zu sehen.