Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Ara-Loops, der Street-Art-Elite, Traumprotokollen und ohnmächtigen Frauen.

Düsseldorf: Ara-Loops

Was ist bunt, hat Federn und dreht sich ununterbrochen um die eigene Achse? In den Video-Loops der niederländischen Künstlerin Marijke van Warmerdam ist dies ein Papagei der Gattung Ara.

Nahezu hypnotisierend wirken die sportlichen Einlagen des Vogels, sobald sie Teil einer Endlosschleife werden. Mit ihrer Einzelausstellung "Nahebei in der Ferne" lädt Warmerdam die Besucher dazu ein, Altbekanntes neu zu sehen.

Warmerdams Arbeiten lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters nicht auf große Geschichten, sondern auf kleine, oft leicht übersehbare Details: das Lichtspiel einer Jalousie, ein tanzender Hut im Wind, ein schmelzender Milchtropfen im Wasserglas. Durch Veränderungen des Blickwinkels, des Maßstabs und, wie in ihren Video-Loops, der Struktur löst Warmerdam Gegenstände und Handlungen aus ihrem alltäglichen Kontext und setzt sie in ein neues, überraschendes Licht. Die Kunsthalle Düsseldorf stellt Warmerdams Werke ab dem 1. Februar aus.

Die Ausstellung "Marijke van Warmerdam – Nahebei in der Ferne" ist vom 1. Februar bis 16. März 2014 in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen.

München: Street-Art-Elite vs. Machtelite

Am 31. Januar beginnt die 50. Münchner Sicherheitskonferenz – eine Veranstaltung, die jährlich Politiker, Militärs und Rüstungslobbyisten an einen Tisch bringt. Kriegsgegner hingehen müssen draußen bleiben. Für viele ist die Bezeichnung „Sicherheitskonferenz“ deshalb eine Provokation. So auch für den Münchner Verein Positive-Propaganda, der anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Konferenz die Gruppenausstellung "50 Years of Hell" initiiert.

Gezeigt werden sozialkritische Arbeiten der Street-Art-Künstler Carlos Aires, Mark Jenkins und Nikita Kadan. Sie gehören zu den bekanntesten ihrer Zunft und beziehen mit ihren Werken Stellung gegen die paradoxen Sicherheitsverhandlungen der internationalen Machtelite. Ihre Arbeiten sind interventionistisch, direkt und teils sarkastisch: "Winning is everything", zu deutsch "Gewinnen ist alles", nennt sich zum Beispiel eine Arbeit des Amerikaners Mark Jenkins, in der sich die Tape-Skulptur eines entstellten Kriegsveterinärs über einen vermeintlichen Sieg freut.

Die Ausstellung "50 Years of Hell – Kunstelite vs. Machtelite" ist vom 3. Februar bis 28. März 2014 im Artspace des Münchner Vereins Positive-Propaganda zu sehen.

Berlin: Traumprotokolle

Die deutsche Schauspielerin Hanna Schygulla wurde bekannt durch ihre Rollen in Fassbinder-Filmen wie "Die Ehre der Maria Braun" (1978) und "Lili Marleen" (1980). Bis heute hat sie in über 60 Filmen mitgespielt. Was viele nicht wissen, ist, dass sie in den Siebzigern auch selbst zur Kamera gegriffen hat – entstanden sind ihre "Traumprotokolle", bisher unveröffentlichte, tagebuchartige Videominiaturen.

Die "Traumprotokolle", so auch der Name von Schygullas Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste, geben Einblick in die innere Gefühlswelt der Schauspielerin. Mit einfachsten Mitteln stellte sie Träume und wahre Begebenheiten vor laufender Kamera nach. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung auch neuere Arbeiten wie die Videoinstallation "Hanna Hannah" (2006/2007), in der sich Schygulla im Gedenken an die Jüdin Hannah, nach der ihre Mutter sie benannte, in das Labyrinth des Holocaust-Mahnmals begibt.

Die Ausstellung "Hanna Schygulla – Traumprotokolle" ist vom 1. Februar bis 30. März 2014 in der Berliner Akademie der Künste zu sehen.

Chemnitz: Farbintensive Kunst

Die deutsche Malerin Ida Kerkovius (1879 bis 1970) ist bekannt für ihre vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen und ihre prägnante, farbintensive Bildsprache. Ungeachtet des Gebiets ihrer Kunst – ob Teppich- und Bildweberei, Glasmalerei oder klassische Ölmalerei – Kerkovius liebte es bunt. "Meine Welt ist die Farbe, in ihr kann sich meine Phantasie ganz entfalten", sagte sie einst. Heute zählt sie zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Mit der Ausstellung "Ida Kerkovius – Meine Welt ist die Farbe" bekommt sie nun nach Langem ihre erste große Einzelausstellung. Die Kunstsammlungen Chemnitz stellen ab dem 2. Februar insgesamt 26 Werke Kerkovius’ aus.

Die Ausstellung "Ida Kerkovius – Meine Welt ist die Farbe" ist vom 2. Februar bis 27. April 2014 im den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.

Hamburg: Ohnmächtige Frauen

Zombies, Monster oder Todesangst – was auch immer die Frauen in der Serie "Ohnmacht #1 – #60" von Cordula Ditz dazu bringt, ihr Bewusstsein zu verlieren, sieht der Betrachter nicht. Die Hamburger Künstlerin entreißt die Ohnmächtigen nämlich ihrem narrativen Zusammenhang und platziert sie auf einem leeren, schwarzen Hintergrund. Ihre Arbeitsgrundlage ist dabei found footage (gefundenes Material) aus alten Horror- und Zombiefilmen.

Der Titel "Ohnmacht" ist gewollt doppeldeutig: Er steht nicht nur für den Bewusstseinsverlust, sondern auch für die Machtlosigkeit, die mit der Opferrolle von Frauen in Horror- und Monsterfilmen verbunden ist. Mit dieser Arbeit nimmt die Künstlerin Bezug zur Kulturgeschichte des Frauenbildes in der Film- und Kunstgeschichte. Diese und andere ihrer Arbeiten stellt die Hamburger Galerie Conradi ab dem 1. Februar aus.

Die Ausstellung "Cordula Ditz – A Bankrupt Heart" ist vom 1. Februar bis 15. März 1014 in der Hamburger Galerie Conradi zu sehen.