Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit dem Minimalismus der Sechziger, Männern im Matsch und dem Abenteuer Finanzindustrie

Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim: Grenzfotografie

Grenzgänge sind meist waghalsig und gefährlich. Gleichzeitig können sie aber auch lediglich den Gang entlang einer Grenze wie dem Gartenzaun bedeuten.

Das "5. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg" behandelt unter dem Titel "Grenzgänge. Magnum: Trans-Territories" die unterschiedlichen Grenzgänge von Magnum-Fotografen des letzten halben Jahrhunderts. Erstmals öffnete die Foto-Agentur ihr Archiv dafür so umfassend: Mehr als 1 000 Exponate stellen die drei beteiligten Museen aus. Darunter die Fotografien des Magnum-Gründers Robert Capa in Mannheim, als er die Alliierten 1944 bei ihrer Landung in der Normandie und dem anschließenden Vordringen in das geschlagene Deutschland begleitete.

Mit Eve Arnold und Steve McCurry geht es nach Afghanistan, während Elliot Erwitt dem Besucher das Leben der amerikanischen Mittelklasse präsentiert. Auf steifen Porträtfotos kokettieren die aufgeputzten Familien der fünfziger und sechziger Jahre. Martin Parr hingegen fotografierte die äußere Fassade der Menschen, von denen leicht auf die Bewohner hinter den Mauern geschlossen werden kann. Die Fotografien werden ergänzt von Arbeiten, die eigens für das Fotofestival entstanden. Diese zeigen zum einen den Abzug der in Deutschland stationierten US-Soldaten aus Mannheim. Zum anderen reisten vier Magnum-Fotografen durch das Deutschland des Wahljahres und dokumentierten ihre ganz persönlichen Eindrücke der Republik.

Das 5. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg trägt den Titel "Grenzgänge. Magnum: Trans-Territories". Es läuft vom 14. September bis zum 10. November 2013 jeweils in der Kunsthalle Mannheim, im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen sowie im Heidelberger Kunstverein.

Sindelfingen: Sweet Sixties

Anlässlich ihres 750. Geburtstags rufen die Stadt Sindelfingen und das dort ansässige Mercedes-Benz-Werk im Rahmen ihrer Kooperation "WerkStadt" die Ausstellung "The Sixties – Kunst und Kultur der 1960er Jahre in Deutschland" ins Leben, die reduzierte sowie abstrakte Kunstwerke präsentiert. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Minimalismus: Die Werke von Künstlern wie Carlos Cruz-Diez, Julio Le Parc, Otto Piene oder Günther Uecker weisen minimalistische Tendenzen auf, die sich parallel zu konkreter Kunst, Informel und Zero-Advantage entwickelten. Ebenfalls vertreten sind Werke, die sich den Kunstrichtungen Neue Figuration sowie der Stuttgarter Schule zuordnen lassen.

Die Daimler-Kunstsammlung zählt mit rund 2000 Werken von mehr als 700 Künstlern zu den bedeutenden europäischen Unternehmenssammlungen mit internationalem Renommee. Etwa 120 Werke aus dieser Sammlung können nun während der Ausstellung in der Galerie der Stadt Sindelfingen besichtigt werden. Im Rahmen der Ausstellungen finden verschiedene – insbesondere auch kinder- und jugendfreundliche – Veranstaltungen statt.

Die Ausstellung "The Sixties – Kunst und Kultur der 1960er Jahre in Deutschland" ist vom 15. September bis zum 3. November 2013 in der Galerie der Stadt Sindelfingen zu sehen.

Dortmund: Von der Industriekultur zur Kulturindustrie

Es war einmal, vor über 100 Jahren, da wurden die Städte grauer, die Arbeitstage länger, und die Menschen schienen damit ganz glücklich. Es war die Zeit der Industrialisierung, die Arbeit und Fortschritt brachte. Ein enormer Wandel für ganze Nationen. Heute stehen diese Industrienationen wieder vor einem Wandel, insbesondere die industriellen Hochburgen wie das Ruhrgebiet, der Norden Englands, Teile Belgiens, der USA und Osteuropas. Die hier stattfindenden Veränderungen, weg von der Industriekultur hin zur Kulturindustrie, beleuchtet das "New Industries Festival" im Dortmunder U.

Die Ausstellung wird präsentiert vom Hartware Medienkunstverein, der Technischen Universität Dortmund, der U2_Kulturelle Bildung und Urbane Künste Ruhr, und zeigt Installationen, Filme, Performances und mehr. Das Festival fragt dabei nach den Auswirkungen des Wandels und was sie für die Menschen bedeuten. Dabei widmen sich die verschiedenen Ausstellungen unter anderem der Finanzwirtschaft und ihren Auswirkungen, dem Untergang der WestLB und den Zwischenräumen in der Siedlungslandschaft des "Kohlenpotts". Konferenzen, Rundgänge und ein Aktien-Adventure-Game runden das Ausstellungsprogramm ab.

Das "New Industries Festival" im Hartware Medienkunstverein geht vom 14. September 2013 bis zum 2. März 2014 im Dortmunder U, dem ehemaligen Gebäude der Unionsbrauerei.

München: Magischer Realismus

Klassischer Surrealismus, gepaart mit magischem Realismus und Neuer Figuration. Auf diesen 60 Werke umfassenden Mix kann sich der Besucher der Ausstellung "Traum-Bilder – Von Ernst und Magritte bis Antes und Nay. Die Wormland-Schenkung" in der Pinakothek der Moderne in München freuen. Die Privatsammlung des Textilunternehmers Theo Wormland gilt als eine der bedeutendsten deutschen Surrealismus-Sammlungen. Sie umfasst Meisterwerke von Max Ernst, René Magritte, Richard Oelze und Pablo Picasso.

Den zweiten Schwerpunkt der Sammlung stellen Werke dar, die dem magischen Realismus und der Neuen Figuration zugeordnet werden. Diese Gattungen werden durch Plastiken und Objekte von Bernard Schultze und Rolf Szymanski sowie Gemälde von Werner Heldt, Bruno Goller oder Fernando Botero vertreten. Den Besucher erwartet eine rätselhafte und hintergründige Bilderwelt, die einen weiten Bogen von der Klassischen Moderne bis hin zur unmittelbaren Gegenwartskunst, zur Zeit Theo Wormlands, spannt. Nachdem die Werke die Sammlung der modernen Kunst bereits seit 30 Jahren als Dauerleihgabe bereichert haben, feiert die Pinakothek nun die Schenkung der beeindruckenden Sammlung.

Die Ausstellung "Traum-Bilder – Von Ernst und Magritte bis Antes und Nay. Die Wormland-Schenkung" ist vom 14. September 2013 bis zum 26. Januar 2014 in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen.

Berlin: Blöde Blumen und schlammiger Untergrund

"Ich glaube, dass ein Kratzer in einer Kupferplatte und ein Fingerabdruck im Ton oder verbranntes Styropor einfach toll sind. Genau das, was in unserer Studienzeit immer verboten war: Handschrift, Finger, Körper, etwas Eigenes." Thomas Schütte ist ein haptischer Mensch, ein Künstler, der auch im Zeitalter des Digitalen seine Hand, seinen Körper einsetzen will. Über 200 Druckgrafiken, ergänzt durch einige Skulpturen und Papierarbeiten des bedeutenden deutschen Bildhauers, zeigt die Stiftung Olbricht im Berliner Me Collectors Room.

Die Ausstellung "Schöne Grüße Thomas Schütte" umfasst die "Nine Woodcuts", 2011, die bisher nur in Paris und New York öffentlich gezeigt wurden, außerdem die "Silly Lilies", 1995, und die "Fleurs pour M. Duchamp", 2002. Hinzu kommen Papierarbeiten zum Thema Architektur, Aquarelle aus den Neunzigern und Teile der Serie "Frauen". Die Lust am Material und die Freude an der körperlichen Arbeit werden in der Schau an jedem Stück deutlich. Schüttes Freude am Malen und Formen springt den Besucher förmlich an und beweist die dem Künstler eigene formale Unabhängigkeit. Ein Rahmenprogramm mit Expertengesprächen, Workshops und Lesungen ergänzt die Schau.

Die Ausstellung "Schöne Grüße Thomas Schütte" ist vom 14. September 2013 bis zum 23. März 2014 im Me Collectors Room Stiftung Olbricht in Berlin zu sehen.