Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit explodierenden Blumen, Minimalisten und alten Freunden
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Leuchtet dem Besucher in Neuss entgegen: Manfred Kuttners "Schreibmaschine", 1963, Tempera, fluoreszierende Leuchtfarbe und Schreibmaschine

Neuss: tanzende Neonfarben

Knalliges Pink, kombiniert mit leuchtendem Orange, springt dem Betrachter entgegen. Die geometrischen Formen sorgen für einen aufregenden Tanz des Gemäldes, das Auge schafft es kaum, sich zu konzentrieren.

Ein schwebendes Sitzmöbel, ebenfalls in strahlendem Pink, wird kurzerhand zum "Heiligen Stuhl" erkoren. "Manfred Kuttner – die Werkschau" ist eine Ausstellung, die Farbe in Bewegung perfektioniert. Um das Individuelle seines kompletten Werkes herauszustellen, wurden Leihgaben Kuttners aus internationalen Privat- und Museumssammlungen zusammengetragen.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Gerhard Richter, Konrad Lueg und Sigmar Polke hatte er vor 50 Jahren die "Demonstrative Ausstellung" organisiert, die die radikale Ablehnung der Künstler gegenüber bestehenden Kunstrichtungen demonstrieren sollte. Manfred Kuttners Arbeit ließ sich weder formal (Op, Zero, Minimal) noch figurativ (Pop, Nouveau, Réalisme) eindeutig zuordnen. Er setzte auf einen Wirklichkeitsbezug seiner Kunst und ist somit noch heute hochaktuell, auch für Generationen jüngerer Künstler. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme verließ Kuttner die Kunstszene, bevor seine Karriere richtig begonnen hatte.

Die Ausstellung "Manfred Kuttner – die Werkschau" ist vom 16. Juli bis 6. Oktober in der Langen Foundation in Neuss zu sehen.

Salzburg: Die Welt der Pflanzen

Kräftige Farben, die mit starkem Duktus unter sichtbarem Einsatz der Körperkräfte dem Bildrand entgegen streben, förmlich in der Mitte explodieren. Blumenformen lassen sich erahnen; der Betrachter taucht hinab in die Öffnung einer Lilie, oder ist es doch ein Symbol der Fruchtbarkeit? Die Urkräfte der Natur wirken durch Form und Farbe auf unsere eigene Existenz und Evolution. Filigrane Linien mit dynamischem Schwung prägen die Grafiken, eine trotzig-abstrakte Malweise die Gemälde Hubert Scheibls. Zu ihnen gesellen sich Plastiken aus Restmaterialien, pflanzlichen Modellen und Künstlerattributen.

"Plants & Murders" in Salzburg wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler realisiert. Hier zeigt sich ein breites Spektrum des "Neuen Wilden", der bei Max Weiler und Arnulf Rainer in Wien studierte. Seine entfesselten Bilder fesseln den Betrachter, seine Skulpturen sind angelehnt an die botanischen Modelle Robert Brendels, dessen Sammlung er mit der Ausstellung kombiniert. Hier treffen Enge und Weite, Chaos und Ordnung, Attraktion und Aggression aufeinander, spielen miteinander oder bekämpfen sich.

Die Ausstellung "Hubert Scheibl. Plants & Murders" ist vom 20. Juli bis 20. Oktober im Museum der Moderne Mönchsberg in Salzburg zu sehen.

Nürnberg: lebendiger Minimalismus

Einfach und übersichtlich, geometrisch und klar strukturiert: Der Minimalismus lebt! In den sechziger Jahren wurde er in Amerika geboren, als Gegenströmung zum abstrakten Expressionismus. Dass sowohl konzeptuelle und gestalterische Grundfragen als auch Ästhetik und Form auch in der Kunst der Gegenwart verankert sind und ihre Brisanz bis heute steigern zudem sogar konnten, vermittelt die Ausstellung "When Now is Minimal" des Neuen Museums in Nürnberg.

Sie präsentiert ein breites Feld der minimalistischen Interpretationen, mit Künstlern, die maßgeblich an der Entwicklung des Stils beteiligt waren, neben jüngeren Vertretern. Deren lässige und spielerische Herangehensweise greift die Ideen der Vorreiter auf, variiert diese und schafft daraus eine ganz eigene künstlerische Handschrift: frei und unorthodox. Die Auswahl der gezeigten Werke fokussiert die unbekannte Seite der Sammlung Goetz – noch nie zuvor gezeigte Arbeiten finden hier ihren Platz. Darunter sind Werke von Ai Weiwei, Andrea Zittel, Anthony McCall, Daniel Buren und vielen mehr.

Die Ausstellung "When Now is Minimal – die unbekannte Seite der Sammlung Goetz" ist vom 19. Juli bis 20. Oktober im Neuen Museum in Nürnberg zu sehen.

Berlin: Treffen alter Freunde

Der Eine zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Pop-Art. Der Andere war eine der einflussreichsten Personen auf dem Kunstmarkt des 20. Jahrhunderts. Schon in den sechziger Jahren stellte Roy Lichtenstein zum ersten Mal in Leo Castellis Galerie aus – eine Verbindung der ganz Großen. Im Winter 1996/97 dann wurden die beiden gemeinsam vom "Spiegel"-Magazin interviewt. Anlass war eine Solo Ausstellung Lichtensteins in den Räumen des New Yorker Galeristen Castelli.

Vor Ort war auch Katrin Thomas, die in den Jahren 1992 bis 2004 als freischaffende Fotografin im Big Apple lebte. Sie schoss an diesem Tag die Bilder vom Treffen der gealterten und gefeierten Stars der Kunstszene, die gemeinsam vor den Werken posierten. Auf einer dieser Fotografien sind in der Ausstellung "Katrin Thomas: Portraits of Roy Lichtenstein and Leo Castelli. New York City, Winter 1996/97" die Dargestellten in Lebensgröße zu sehen. Besonders eindrucksvoll aber sind die sehr nahen, intimen Porträts der Männer. So gibt es eine Bildabfolge, die Lichtenstein in einer seiner späten Landschaften, eine inszenierte Form der Überblendungen, die Künstler und Fotografin noch vor Ort vornahmen. Leo Castelli zeigt die Fotografin in einer Serie schwarz-weißer Polaroids mit beeindruckender atmosphärischer Tiefe.

Die Ausstellung "Katrin Thomas: Portraits of Roy Lichtenstein and Leo Castelli. New York City, Winter 1996/97" ist vom 19. Juli bis 4. August im Wonderloch Kellerland in Berlin zu sehen.

Baden: Engelskleider und Naturmaterialien

Arnulf Rainer ist Badens wohl berühmtester Maler, der vor allem durch seine dick mit Fingern aufgetragenen Farben und die sogenannten "Engel-Bilder" internationale Bekanntheit erlangte. Das gleichnamige Museum in Baden bei Wien widmet ihm mit "Mario Merz – Arnulf Rainer: Tiefe Weite (Fragmente)" nun die zweite Ausstellung, in der sein Werk dem eines Zeitgenossen gegenüberstellt wird.

In den klassizistischen Räumen des ehemaligen Frauenbades trifft Arnulf Rainers Schaffen nach der documenta 7 im Jahr 1982 wiederholt auf das Werk des Italieners Mario Merz. Dabei stehen die Malereien Rainers sowohl im Wechselspiel als auch im Dialog mit Merz’ Skulpturen: einem Iglu aus Steinplatten, einem raumgreifenden Spiral-Tisch und kleineren Werken aus Naturmaterialien. Auch Malereien des italienischen Künstlers konfrontieren Rainers dunkle Fingerfarbe und seine hell leuchtenden Engelskleider. Kurator Rudi Fuchs setzt ganz bewusst auf die Wechselbeziehung der verschiedenen Medien und gibt ihnen viel Platz, sich zu entfalten. Im Rahmen der Ausstellung werden außerdem Konzerte, Performances und Workshops angeboten.

Die Ausstellung "Mario Merz – Arnulf Rainer: Tiefe Weite (Fragmente)" ist noch bis zum 27. Oktober im Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien zu sehen.