Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: Künstler fragen, wie es um unsere Welt steht

Berlin: Arbeiten auf Papier

Zeichnungen in allen Facetten zu erfassen – das ist das unbescheidene Ziel der Judith Rothschild Collection. Die Sammlung mit etwa 2600 Papierarbeiten von über 600 Künstlern ging 2005 an das Museum of Modern Art. Im Martin-Gropius-Bau ist nun erstmals in Deutschland eine reichhaltige Auswahl davon zu sehen. Darunter sind Arbeiten von Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Donald Judd, Martin Kippenberger und Elizabeth Peyton. Die Arbeiten decken die Zeitspanne von 1950 bis 2005 ab und spiegeln zwei Entwicklungstendenzen wider: gegenständliche Darstellungsformen sowie abstrakte und konzeptuelle Ansätze. Die Ausstellung breitet so ein Panorama der Grafik des zwanzigsten Jahrhunderts aus. Nahezu alle denkbaren Funktionen, Stile und Arbeitsweisen werden abgedeckt. Vom Kleinformat bis zu monumentalen Arbeiten, von der schnellen Skizze bis zum akribisch konstruierten Werk, von der Bleistiftzeichnung bis zur Malerei auf Papier ist alles vertreten.

Die Ausstellung "Kompass" ist vom 11. März bis zum 29. Mai im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Der Katalog erscheint bei Hatje Cantz und kostet 45 Euro.

Frankfurt: Dierk Schmidt

Historienbilder 2.0 – so könnte der künstlerische Ansatz von Dierk Schmidt knapp zusammengefasst lauten. Der Maler stellt sich gegen den Trend der Zeit und setzt tagespolitische Geschehnisse in raumgreifenden malerischen und textbasierten Bildserien um. Dabei lotet er die Möglichkeiten einer gegenwärtigen kritischen Malerei aus, politisch-ökonomische Zusammenhänge offenzulegen. Es geht dabei weniger um das bloße Abbilden geschichtlicher Ereignisse, Schmidt strebt eine Neudefinition des Historienbildes an. Die Malerei agiert als Medium, um Konflikte offenbar werden zu lassen. Schmidt versteht die Bildpolitiken von Regierungen und Konzernen als Nachfolgeinstanzen herrschaftlicher Repräsentationsformen vergangener Zeiten. Diese sieht er in Konkurrenz zur Welt der künstlerischen Repräsentation. Für die Frankfurter Ausstellung hat Schmidt eigens die Arbeit "Image Leaks – Zur Bildpolitik der Ressource" produziert in der es darum geht, der Bildpolitik des Ölkonzerns BP anlässlich der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 mit künstlerischen Mitteln etwas entgegenzusetzen.

Die Ausstellung "Image Leaks – Zur Bildpolitik der Ressource" ist vom 11. März bis zum 8. Mai im Frankfurter Kunstverein zu sehen.

Mannheim: Thomas Hirschhorn

"Es brennt überall, es brennt in der Ferne – es brennt in meiner Nachbarschaft, es brennt in der Konfliktzone, mein Haus
brennt, ich selbst brenne, es gibt kein Entrinnen, denn ich bin die Konfliktzone", so erklärt Thomas Hirschhorn sich und sein Werk. Er baut, schnürt und klebt eine überwältigende Raumsituation voller Pappbäume, Schaufensterpuppen und Bilder von Bränden, einen brutzelnden Konfliktherd, in dem sich der Besucher erst einmal zurechtfinden muss. Mit "It´s Burning Everywhere" führt Hirschhorn ein bereits 2009 in Schottland begonnenes Projekt fort. In Mannheim konstruiert er eine etwa 200 Quadratmeter große, raumfüllende Materialcollage aus universellen, "armen" Materialien wie Pappen, Schnüren, Klebeband und Holz. Fundstücke, Massenprodukte und eigens für die Installation angefertigte Objekten, dazu Dokumentarfotos, Texte und Körperfragmente fügen sich zum Bild einer Katastrophe.

Die Ausstellung "It´s Burning Everywhere" ist in der Kunsthalle Mannheim vom 12. März bis zum 13. Juni zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kehrer Verlag für 28 Euro.

Oldenburg: Julius Popp

Ein Wasservorhang, aus dem sich sekundenlang Worte formen – der "bit.fall" ist die wohl bekannteste Arbeit von Julius Popp. Der digital gesteuerte Wasserfall steht im Zentrum seiner Ausstellung im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst. Er wird durch ein mit dem Internet verbundenes Steuerungssystem so modifiziert, dass die fallenden Tropfen für einen kurzen Augenblick Worte formen. Diese werden mittels eines Algorithmus aus den Informationsströmen des Internets gefiltert. Die Tropfen dienen als Bausteine, "Bits", aus denen sich die Information bildet. Für wenige Sekunden sind sie zu lesen, dann lösen sie sich wieder auf. So findet Popp poetische und sinnliche Formen, um digitale Prozesse in analogen Skulpturen erfahrbar zu machen. Das Thema der Informationsgenerierung und Verarbeitung zieht sich als roter Faden durch die Oldenburger Ausstellung. Weitere Arbeiten wie „bit.flow“ oder „bit.code“ verwenden andere Materialien und Verfahren, haben aber auch Kommunikationsprozesse zum Thema.

Die Ausstellung "Julius Popp – Selected Words" ist vom 11. März bis zum 15. Mai im Edith-Ruß-Haus in Oldenburg zu sehen.

Berlin: Phantome

Welche Phantome geistern durch die scheinbar so effiziente und rationale Gegenwart? Nie schienen Identitäten flexibler und flüchtiger als in den Communities der heutigen Informationsgesellschaft. Wunschidentitäten werden ersonnen und wieder fallen gelassen. Das betrifft und beschäftigt junge Künstler genauso wie den durchschnittlichen Internetuser. In den Uferhallen in Berlin-Wedding präsentieren derzeit 21 junge, internationale Künstler ihre Vorstellungen von Phantomen der Gegenwart. Darunter sind etablierte Namen wie Tjorg Douglas Beer und Slawomir Elsner sowie noch unbekannte Talente. Die Ausstellung versammelt verschiedene Ansätze und Kunstgattungen, von der Malerei über Radierungen bis zur Installation ist alles vertreten. Gemeinsam haben sie die Themenstellung, die sich auch in der ephemeren Dauer der Ausstellung niederschlägt – die Arbeiten sind lediglich für drei Tage zu sehen. Darüber hinaus teilen alle teilnehmenden Künstler einen Bezug zu Berlin: Manche haben hier studiert, andere haben hier ihren Arbeitsplatz gefunden.

Die Ausstellung ist vom 11. bis zum 13. März in den Uferhallen in Berlin-Wedding zu sehen.