Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Alte Fotografien werden in Hamburg entdeckt, Neo Rauch spricht und Else Lasker-Schüler zeichnet

Hamburg: Vivian Maier

Fast wäre dieser Schatz verloren gegangen, denn die Fotografin Vivian Maier hat zu Lebzeiten keines ihrer Bilder der Öffentlichkeit präsentiert. Hätte nicht John Maloof eher zufällig auf einer Möbelauktion einen Karton mit Bildern mitersteigert, wäre das riesige Werk des fotografierenden Kindermädchens wohl komplett in der Versenkung verschwunden.

Der Karton enthielt über 100 000 schwarz-weiß Negative, rund 20 000 Farbdiapositive und Tausende nicht entwickelter Filmrollen. Mit jedem Bild, das in dem langwierigen Sichtungsprozess zutage kam, wuchs die Begeisterung des Sammlers. Die Fotografien zeigen das bunte Treiben auf den Straßen Chicagos und New Yorks in den fünfziger und sechziger Jahren. Es sind beeindruckende Bilder, fesselnde Porträts von Passanten und faszinierende Momentaufnahmen, die den Vergleich mit den Größen ihrer Zeit nicht zu scheuen brauchen. Die Galerie Hilaneh von Kories zeigt über 80 Werke der in Deutschland noch nie gezeigten Fotografin aus den fünfziger bis sechziger Jahren.

Die Ausstellung läuft vom 27. Januar bis zum 28. April 2011 in der Galerie Hilaneh von Kories

Frankfurt: Expertengespräch mit Neo Rauch über Courbet

Gustave Courbet war eine der faszinierendsten Gestalten des 19. Jahrhunderts und gilt als Pionier der politisch-realistischen Malerei. In der Schirn-Kunsthalle wird eine andere Seite seines Werks beleuchtet: Courbet als Träumer und Maler einer nachdenklichen Innenschau. Im Rahmen der Ausstellung "Courbet. Ein Traum von der Moderne" sprechen der Maler Neo Rauch und Klaus Herding, Kurator der Ausstellung, über die Bedeutung Courbets für die zeitgenössische Kunst. Dessen Malweise hat zahlreiche Künstler inspiriert, darunter Gerhard Richter, Peter Doig und Rauch selbst. Der Kunstkritiker Eduard Beaucamp wird moderieren. Das Gespräch wird über einen Livestream im Online-Magazin der Schirn Kunsthalle übertragen.

Das Gespräch findet am Freitag, 28. Januar, um 19 Uhr im Haus am Dom statt

Berlin: Else Lasker-Schüler

Die Ausstellung "Else Lasker-Schüler – Die Bilder" würdigt das zeichnerische Werk der bedeutenden expressionistischen Dichterin. Neben ihren lyrischen Werken schuf sie ein umfangreiches Konvolut qualitätvoller Zeichnungen. In Berlin werden Motive, die in der Avantgarde-Zeitschrift „Der Sturm“ veröffentlicht wurden, gezeigt, aber auch einige Blätter, die nun erstmals zu sehen sind. Zu der Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit dem bebilderten Werkverzeichnis der Zeichnungen Lasker-Schülers, das so erstmals komplett der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Die Ausstellung läuft vom 21. Januar bis 1. Mai im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin

Freiburg: Georg Herold

Im Kunstverein Freiburg beschäftigt sich Georg Herold wieder mit der Form des Labyrinths. Die eigens entworfene Installation „Floating Lab“ ist ein scheinbar schwebendes Wegesystem aus grob zusammengezimmerten Holzlatten. In dem frei hängenden Gebilde aus Draht, Zwirn und Dachlatten kann der Besucher sich verirren und gefangen fühlen, obwohl er jederzeit weiß, wo er sich befindet. Charakteristisch für das Werk Herolds ist die Verwendung einfacher und im klassischen Sinn wenig bedeutungsreicher Materialien, etwa Dachlatten, Ziegelsteine, Strumpfhosen oder Teesiebe. In Verbindung mit der skulpturalen Installation wird Herold einige seiner Kaviarbilder präsentieren. Die Verwendung des teuren Kaviars persifliert Herold mit der Form der Malerei: Das Erscheinungsbild der Gemälde erinnert wenig an das Luxusprodukt, aus dem es besteht.

Die Ausstellung ist vom 21. Januar bis zum 20. März im Kunstverein Freiburg zu sehen

Bayreuth: Per Kirkeby

Das Kunstmuseum Bayreuth zeigt Radierungen des wohl bekanntesten dänischen Künstlers seiner Generation, Per Kirkeby. In den siebziger Jahren wandte er sich der informellen Malerei zu, gleichzeitig entstanden erste Backsteinskulpturen und -gebäude. Seit den sechziger Jahren hat er auch ein umfangreiches Werk an Radierungen geschaffen, viele davon als "Tagebucheintragungen" ohne Auflagen oder als Einzelblätter. Seit 1986 publiziert Kirkeby fast ausschließlich Mappenwerke. Das herausragende Dokument dieser Tätigkeit ist das "Feldbuch" von 1994 mit 80 Radierungen, Zustandsdrucken und autonomen Werken. In der Ausstellung sind nahezu 200 Radierungen aus den Jahren 1963 bis 1998 zu sehen, darunter "Grönlandfahrt" (1993), "Feldbuch" (1994) und fünf sehr großformatige farbige Radierungen aus dem Jahr 1992.

Die Ausstellung "Per Kirkeby – Radierungen" ist vom 23. Januar bis zum 3. April im Kunstmuseum Bayreuth zu sehen