Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit: Slinkachu, Thomas Rentmeister, Omer Fast, Corinne Wasmuht, Clemencia Echeverri

Ludwigsburg: Slinkachu

Unter dem Titel "The Big City" sind Arbeiten des Streetart-Künstlers Slinkachu von diesem Wochenende an in Ludwigsburg zu sehen. Es ist seine erste Einzelausstellung in Deutschland. Der Brite versetzt kleine Modelleisenbahnfiguren – "The little People", wie er sie nennt – in unsere "reale" und riesige Welt, bisher zum Beispiel in London, New York und in nun auch in den Straßen von Ludwigsburg.

Die Fotos, die er von den kleinen Leuten mittels Makrofotografie erstellt, erzeugen durch optische Verschiebung, Täuschungen des menschlichen Auges. So kann ein knallgrüner Schnürsenkel schon einmal wie ein Monster à la "Nessie" wirken oder ein achtlos weggeworfener Lolli ein Auto zerschmettern. Dass der Künstler seine Miniaturen fotografiert, hat seine Gründe – oft genug werden sie von uns gar nicht wahrgenommen oder achtlos zertreten. Beim Betrachten der Werke stellt sich unweigerlich die Frage: Sind wir vielleicht auch nur Miniaturausgaben einer viel größeren Instanz?

Kunstverein Ludwigsburg, 23.10. - 27.11.2011

Bonn: Thomas Rentmeister

Mit "Objects. Food. Rooms" zeigt Thomas Rentmeister, dass Kunst auch aus Alltagsgegenständen bestehen kann und dabei so gar nicht alltäglich wirkt. In eine andere, museale Umgebung hineinversetzt, spielen seine ungewöhnlichen Installationen mit dem Faktor des Erinnerns: Wir sehen einige Gegenstände beinahe täglich und sind uns deren künstlerischen Wertes nicht wirklich bewusst. Dabei fehlt auch nicht der humoristische Fingerzeig. In der Bonner Ausstellung von Rentmeister, der in den neunziger Jahren mit flüssigkeitsartigen Polyester-Skulpturen bekannt wurde, werden Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers gezeigt, auch eigens für diesen Anlass angefertigte Objekte.

Kunstmuseum Bonn, 20.10.2011 - 05.02.2012

Köln: Omer Fast

Mit zwei Videoinstallationen zeigt Omer Fast, wie erzählerische Verknüpfungen mit filmischen Mitteln hergestellt werden können, ohne jedoch zwingend einen inhaltlichen Zusammenhang haben zu müssen. Dabei bedient er sich nicht nur der Möglichkeiten des Bildes, sondern auch des Tons. In seiner neuen Arbeit "5000 Feet is the Best" führt er ein Gespräch mit einem ehemaligen "Piloten" einer amerikanischen Drohne während des Krieges in Afghanistan. In einem weiteren, älteren Film des Israelis namens "Nostalgia" widmet er sich der Grenze zwischen Afrika und Europa. Grundlage ist auch hier ein Interview, dieses Mal mit einem nigerianischen Flüchtling. Der Zuschauer muss bei parallel laufenden Bild- und Tonspuren selbst herausfinden, worin die hier die Zusammenhänge bestehen.

Kölnischer Kunstverein, Die Brücke, 22.10. - 18.12.2011

Offenburg: Corinne Wasmuht

Der Kosmos von Corinne Wasmuth besteht aus den Schnipseln unserer medialen Welt – so könnte man die zahlreichen Collagen beschreiben, die die Künstlerin über Jahre hinweg hergestellt hat. Sie fertigte Werke zu den verschiedensten Themen, wie die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft als Überbau des ganzen – der Mensch mitten unter ihnen. Doch gerade durch das Zerpflücken der Medien entstehen auch vordergründig weniger dramatisch wirkende Werke, die uns lediglich die Flut von medialem Input vor Augen führen. Mittlerweile haben Maus und Tastatur Schere und Kleber ersetzt. Ihre Hauptwerke sind allerdings zwei großformatige Ölgemälde: "Ezeiza Bandog" und "Uqbar I". Im Zuge ihrer Ausstellung wird Corinne Wasmuht zum ersten Mal der Oberrheinische Kunstpreis verliehen.

Städtische Galerie Offenburg, 23.10.2011 - 15.01.2012

Bremen: Clemencia Echeverri

"Audiovisuelle Installation zwischen zwei Ufern" nennt die Künstlerin ihr Werk "Treno". Es steht im Zeichen des Flusses "Cauca" in Kolumbien. Echeverri widmet dem heimatlichen Gewässer ihre Arbeit aber nicht aus nostalgischen Gründen, sondern um auf das gewaltsame Verschwinden von Personen aufmerksam zu machen, wie es in Kolumbien täglich passiert. In den Fluten, die auf großfomatigen Videoleinwänden zu sehen sind, treiben immer wieder Kleidungsstücke, Stimmen rufen über das tosende Gewässer nach den Ertrinkenden, bis sie schließlich verstummen. Eine weitere Videoinstallation namens "Aicidia" zeigt in Geheimschrift Erinnerungen einer kolumbianischen Nonne – ein frühes Zeugnis weiblicher Mystk in Lateinamerika. Die Ausstellung Echeverris findet im Rahmen des Projekts "Visiones desde la Memoria. Der weibliche Blick aus Lateinamerika. Eine interdisziplinäre Begegnung von Künstlerinnen aus Chile, Kolumbien und Mexiko" statt.

GAK, Bremen, 21.10.2011 - 06.01.2012