Gib mir fünf - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit amerikanischer Outsider Art, Martin Kippenbergers U-Bahn und Kolibris im Paradies.

Berlin: Creative Growth

Dan Miller ist der erste Outsider-Art-Künstler, der in die Sammlung des Museum of Modern Art, New York, aufgenommenen wurde. Er ist Autist, schreiben kann er nicht, und das Kommunizieren fällt ihm schwer: Briefe, Wörter und Bilder überzeichnet er, und so enden sie oft in einem dichten Strudel aus Tinte.

Die Leidenschaft des Künstlers gilt Objekten wie Glühbirnen oder Themen wie essen und Namen von Städten und Menschen. Das Kunstzentrum "Creative Growth" für Outsider Art präsentiert Miller zum ersten Mal in Deutschland, gemeinsam mit anderen Künstlern des Zentrums. Hauptziel der Ausstellung ist, die Distanz zwischen angesehenen Kunstbetrieben und Outsider Art zu verringern. Merritt Wallace stellt seine innere Welt in den Fokus seiner Zeichnungen. Linien werden zu einer großen Matrix, dargestellt als Straßen und Schifffahrtswege, gefüllt mit Nummern, Pfeilen, Kanaldeckeln und Katzengesichtern. Oft sind Wallace' Zeichnungen voller Wiederholungen und Details. Ein Mann der knappen Worte ist George Wilson, der mit geflüsterten Kommentaren durch sein Atelier führt. Wenn er arbeitet sind seine Augen und Hände immer in Bewegung, und seine Zeichnungen leben von dieser Energie. Seit über 24 Jahren konzentriert sich Wilson auf farbige großformatige Zeichnungen von Hunden, Pferden und Menschen in Einzelaufnahmen und Gruppen.

"Creative Growth" ist vom 5.4.2013 bis 1.6.2013 in der Galerie ART CRU Berlin zu sehen.

Wien: Die Geisterbeschwörerin

Die große Liebe für die Geister der Vergangenheit, die in der Gegenwart immer noch ihr Unwesen treiben, ist das Thema von Johanna Braun. Die Künstlerin versteht sich als Necromancer, was soviel wie Totenbeschwörerin bedeutet. Man könnte behaupten, dass sie sogar mit den Geistern unter einer Decke steckt. In den Räumen der Startgalerie steht Brauns Bett, das zur Eröffnung dazu einlädt, sich mit der Künstlerin hineinzulegen. Als Souvenir gibt es ein Foto. Das unheimlich Weibliche bindet sie genauso in ihre Arbeiten ein wie den Leitspruch: "Geistergeschichten für Erwachsene". Braun zeigt ihr Sammelsurium von Filmplakaten und Trailern, Reproduktionen von alten Malereien in Postkartengröße, Zeitungsausschnitten und persönlichen Arbeiten. Die von der Künstlerin dicht bedeckten Wände weisen Lücken auf. Was ist Original, was ist Kopie? Die Vergangenheit wird heraufbeschworen, die Grenze zwischen dem Realen und Imaginären verschwimmt.

Die Austellung "Johanna Braun – I´m a necromancer not a belly dancer " ist vom 5.4.2013 bis 2.5.2013 im MUSA in Wien zu sehen.

Wien: Parastou Forouhar

Vor 13 Jahren wurden die Eltern der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar ermordet. Bis heute kämpft sie gegen das System, und Kunst ist für sie politisch. Parastou Forouhar vertraut der Scharade als Erkenntnismittel: Sie verformt die in der eigenen Kultur vorgefundenen bildnerischen Elemente und rückt Klischees, Muster und Kunstformen wie die Kalligraphie aus dem gewohnten Zusammenhang und verkehrt ihre Bezüge. Durch die künstlerische Verlagerung und Deplatzierung interpretiert sie die bildnerischen Elemente neu, transferiert und erweitert deren Bedeutung. Speziell für den Wiener Verein Hinterland kreiert Parastou eine dreidimensionale Installation unter dem Titel "Zeit der Schmetterlinge". Dabei setzt sie sich mit Tradition, ihrer Heimat und nicht vorhandener Freiheit auseinander. In der persischen Lyrik steht der Schmetterling für jenen Moment, der schön aber auch flüchtig ist – er ist bezaubernd und tragisch zugleich. Für die Künstlerin haben jene Tiere eine ganz persönliche Bedeutung: Paravaneh, der Name ihrer Mutter bedeutet im persischen Schmetterling.

Die Ausstellung "Parastou Forouhar – Zeit der Schmetterlinge" ist vom 6. April - 1. Juni 2013 in Wien in der Galerie Hinterland zu sehen.

Hamburg: Kippenberger Underground

Im Berliner Hamburger Bahnhof wird Martin Kippenberger zur Zeit ganz museal ausgestellt, die Power-Galerie in Hamburg kommt jetzt mit einer kleinen Ausstellung dem humorvollen Esprit des Künstlers näher. Reinald Nohal präsentiert dort Martin Kippenbergers imaginäres, weltweites U-Bahn-Projekt. Am 5. August 1995 wurde in Dawson City an der Mündung des Klondike in den Yukon River in Kanada der zweite Eingang von Martin Kippenbergers METRO-Net in Anwesenheit des Küstlers eröffnet. In der Power-Galerie gibt es die Original-Baupläne, ein maßstabs- und detailgetreues Modell und ein bisher ungezeigtes Amateurvideo von der Eröffnung durch Kippenberger zu sehen. Der U-Bahn-Eingang lag auf dem Grundstück Reinald Nohals, der auch Entwurf, Planung und Bau vor Ort durchführte. Nohal war damals einer der Eigentümer der Paris Bar und mit dem Künstler eng befreundet.

"Kippenberger Underground"ist in der Power Galerie, Hamburg bis zum 26.4.2013 zu sehen.

Wolfsburg: Wolfgang Stahr

Auf der Karibikinsel Tobago fotografierte Wolfgang Stahr Kolibris im Flug. Doch obwohl die Bilder des Berliners den schnellen Flügelschlag der Vögel sichtbar machen, sind sie keine klassischen Tierporträts. Sie sind Teil einer Serie, die sich, ausgehend von unserer Vorstellung von einer paradiesischen Inselnatur, mit dem Wesen der Fotografie beschäftigt. Nur die Fotokamera kann die Zeit anhalten und die Flügel der Kolibris sichtbar machen – in der Realität schwingen sie 50 Mal in der Sekunde und sind damit viel zu schnell für das menschliche Auge. Den Hauch von Exotik kontrastiert Stahr mit Fotos einer gewöhnlichen Amsel – aber eben unter Palmen am Inselstrand.

"Birds" von Wolfgang Stahr ist im Raum für Freunde im Kunstverein Wolfsburg bis zum 5.5.2013 zu sehen.