Gib mir Fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Otto und Paula Modersohn in Original-Filmdokumenten, Beirut in München und Ellen von Unwerth

Deutschlandweit: So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn

Carlo Modersohn, Urenkel des Malers Otto Modersohn, dokumentiert in „So weit und groß“ das Leben des jungen Künstlers, der seine Heimat mit gerade erst neunzehn Jahren verlässt, um sich in Düsseldorf als Landschaftsmaler zu verwirklichen. Der Film besteht ausschließlich aus zeitgenössischen Filmen und Bildmaterialien wie Zeichnungen, Fotografien und Schriftdokumenten.

Das mag man zwar anfangs als Verringerung des Unterhaltungswertes interpretieren, doch so bekommt man einen realistischen und authentischen Einblick in das Leben des Otto Modersohn und seiner Frau Paula. Der Akademiestudent lässt sich ob der künstlerisch anregenden Landschaft im Teufelsmoor nieder und gründet 1889 im Alter von vierundzwanzig Jahren zusammen mit Fritz Mackensen und einigen anderen die Künstlerkolonie Worpswede. Nach dem sehr frühen Tod seiner elf Jahre jüngeren Ehefrau Paula Modersohn-Becker, eine stets um Freiheit kämpfende Künstlerin und Wegbereiterin der modernen Malerei, zieht er 1907 nach Fischerhude bei Bremen. Der Film verzichtet vollkommen auf Schauspieler und beruht einzig und allein auf Tagebuchaufzeichnungen Rainer Maria Rilkes, Otto Modersohns und Paula Modersohn-Becker.

Premiere: Bremen (Schauburg), Montag 10.01.2011, Regensburg (Filmgalerie) ab Do, 13.01.,
Dresden (Casablanca) ab Do, 13.01., danach deutschlandweit

München: All about Beirut

Allen kunstinteressierten Münchenern und Leuten, die vor dem 16. Januar noch einmal nach München reisen, um sich beispielsweise das Bayern-Heimspiel gegen Wolfsburg anzuschauen, empfehlen wir dringend, auch in der Grafinger Straße 6 vorbeizuschauen. In der Kunsthalle whiteBOX stellen vierzehn libanesische Künstler, darunter auch Nadim Asfar, Roy Samaha und Khalil Joreige, Werke über ihre Heimatstadt Beirut aus. Die Ausstellung wurde von der Galerie Tanit und ihrer in Beirut ansässigen Partnergalerie Espace Kettaneh Kunigk zusammen initiiert, und bietet mit vielen Fotografien und Videos einen unverfälschten Einblick in den Alltag und in das Leben in Beirut. Zustandegekommen sind viele emotionale Werke und schöne Momentaufnahmen von jungen, talentierten Künstlern, die Interesse wecken und es ermöglichen, sich einen unabhängigen Eindruck vom Leben in der nahöstlichen Stadt Beirut zu verschaffen.

16. Dezember 2010 – 16. Januar 2011 in der Kunsthalle whiteBOX

Düsseldorf: Berlin bei Nacht

Die Claudia Schiffer-Entdeckerin und bekannte Fotografin Ellen von Unwerth stellt im NRW-Forum 33 brandneue Fotografien aus, die unter dem Thema „Berlin bei Nacht“ in einer Diskothek der Bundeshauptstadt geschossen wurden. Für die gleichnamige Ausstellung in Düsseldorf entstanden sind sowohl erotische Schwarz-Weiß Fotos, als auch einfühlsame Milieustudien von tätowierten Männern und blondierten Damen in Wolljäckchen und Blumenblusen. Die Fotomodelle überzeugen, von Unwerth wählt klug zwischen schwarzweiß und farbig und erzeugt so eine authentische Atmosphäre.

14. Dezember 2010 – 13. Februar 2011 im NRW-Forum Düsseldorf

Ausstellung: „Caner Aslan. Soft Ground Illumination“

Als „soft ground“ werden im Englischen instabile Untergründe bezeichnet, auf denen z.B. bei Erdbeben besonders starke Zerstörung entstehen kann. Kernstück der Ausstellung ist der Film „Repositories“, In dem Aslan zwei Orte der Bewahrung zivilisatorischer Überreste gegenüberstellt: Aufnahmen aus dem ehemaligen Salzbergwerk und heutigem maroden Atommülllager Asse II. Das Lager war aufgrund von Wassereinbrüchen instabil geworden und musste geschlossen werden. Sie wechseln sich mit Szenen aus dem archäologischen Museum in Istanbul ab.

Die Ausstellung läuft bis zum 29. Januar 2011 in der daadgalerie in Berlin

Vortrag: Hans D. Christ "Soft City - Hard City"

Architekten und Stadtplaner präsentieren uns in digitaler Form schöne Versprechen, wie unsere Städte aussehen werden. Die bauliche Realität von Architektur sieht jedoch oft ganz anders aus, als die Simulationen. Der Vortrag beschäftigt sich vornehmlich mit Seoul und Stuttgart, Christ befragt Beispiele der Stadtentwicklung beider Städte auf die computeranimierten Versprechen und tatsächlichen ökonomischen Implikationen.

Samstag, 8. Januar 2011, 18 Uhr, Württembergischer Kunstverein Stuttgart