Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Kopien von Kopien, der Pop-Art-Nonne, Musen und Models, 100 verschenkten Lampen und der russischen Kunst-Avantgarde.

Bremen: Kopieren bis zur Unkenntlichkeit und noch viel weiter

Die Räume und Säle des Schlosses Peles nahe der rumänischen Stadt Sinaia imitieren verschiedenste Stilepochen – es gibt dort Zimmer im Stil des Barock, der Gotik und der Renaissance.

Diese Räume, die selbst eine Art Kopie sind, wurden durch das junge Künstler-Duo "Peles Empire", Katharina Stöver und Barbara Wolff, wiederum in mehreren Schritten kopiert: Aus Fotografien der dreidimensionalen Räume entstanden zunächst zweidimensionale Fototapeten. Diese Kopien der Kopien verarbeiten die Künstlerinnen dann weiter zu Bildern und Skulpturen.

Am Ende des Kopierprozesses sind die ursprünglichen Räume kaum noch als solche zu erkennen – die Kopiervorlage wird im wahrsten Sinne des Wortes zur Grundlage für etwas Neues: Kopien der Fototapete werden zum Beispiel zu Pappmaché verarbeitet, aus dem Skulpturen entstehen. Für die Ausstellung "Ever Build" in der GAK Bremen haben Stöver und Wolff ihren Kopierprozess fortgesetzt und neue, alte Kopien entwickelt.

Die Ausstellung "Peles Empire – Ever Build" ist vom 23. Februar bis 8. Juni 2014 in der GAK Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen zu sehen.

Berlin: Die Pop-Art-Nonne

Die Amerikanerin Sister Corita Kent (1918 bis 1986) war gleichzeitig katholische Nonne, Lehrerin, Philosophin, politische Aktivistin und Pop-Art-Künstlerin. Inspiriert durch die amerikanische Konsumkultur der sechziger Jahre, Neon-Leuchtreklamen und bunte Slogans, die die Straßen ihrer Heimatstadt Los Angeles säumten, entwickelte Sister Corita eine kräftige, farbintensive und teils psychedelische Bildsprache. In ihren Siebdrucken entfremdete sie Zitate aus der Bibel, Popsongs und philosophischen Werken. Gemeinsam mit ihren Schülern erprobte sie auch innovative künstlerische Lernmethoden.

Mit "Let The Sun Shine In" widmet die Circle Culture Gallery dieser einzigartigen Kunstpersönlichkeit nun mehr als nur eine Retrospektive – es ist auch eine Dokumentation ihres Lebens und ihrer Community in Los Angeles. In Workshops können die Besucher Sister Coritas Lernmethoden sogar selbst erfahren.

Die Ausstellung "Sister Corita – Let The Sun Shine In – A Retrospective" ist vom 22. Februar bis 10. Mai 2014 in der Circle Culture Gallery in Berlin zu sehen.

Hamburg: Musen und Models

Wer nach einer Muse sucht, sucht Schönheit, Anmut und Inspiration. Der griechischen Mythologie entsprungen, ist die Muse heute immer noch eine wichtige Symbolfigur – besonders in der Kunstwelt. Die Hamburger Kunsthalle zeigt ab dem 21. Februar eine Doppelschau, die versucht, den Kult zu aktualisieren. Unter dem Titel " Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models" treffen rund 40 Arbeiten des deutschen Malers Anselm Feuerbach (1829 bis 1880) auf 60 Schwarz-weiß-Fotografien des Modezars Karl Lagerfeld.

Eigens für die Ausstellung fertigte Karl Lagerfeld seinen Bildzyklus "Moderne Mythologie" an. Darin spielen Models wie Baptiste Giabiconi und Bianca Balti die Liebesgeschichte "Daphins und Chloe" des griechischen Dichters Longos nach. Beides sind Models, die Lagerfeld über Jahre hinweg begleiteten, also zu einer Art Musen für ihn wurden. In den großformatigen Gemälden Feuerbachs begegnen uns hingegen seine Musen, Anna Risi und Lucia Brenacci.

Die Ausstellung "Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models" ist vom 21. Februar bis 15. Juni 2014 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Duisburg: 100 Lampen, 100 Geschichten

Wie porträtiert man die multikulturelle Wirklichkeit einer ganzen Region? Der deutsche Künstler Mischa Kuball ließ sich für das Ruhrgebiet im Rahmen der Kulturhauptstadt "Ruhr.2010" etwas ganz Besonderes einfallen: Er verschenkte 100 Lampen an 100 Familien, die aus 100 verschiedenen Nationen stammen – und besuchte sie gemeinsam mit dem Fotografen Egbert Trogemann.

Entstanden ist eine spannende Serie aus 100 fotografischen Tableaus, eine Momentaufnahme des multikulturellen Ruhrgebiets, die Einblick in die individuellen Lebenswelten von Menschen gibt, die den "Pott" zu ihrer neuen Heimat gemacht haben. Das Lehmbruck Museum in Duisburg stellt Kuballs Serie "New Pott – Neue Heimat im Revier" ab dem 22. Februar aus.

Die Ausstellung "Mischa Kuball: New Pott – Neue Heimat im Revier" ist vom 22. Februar bis 11. Mai 2014 im Lehmbruck Museum Duisburg zu sehen.

Osnabrück: Russische Avantgarde

Der Beginn des 20. Jahrhunderts markiert in Russland eine Zeit der Umwälzungen – der letzte Zar dankte ab, die Sowjetunion wurde gegründet, es herrschte Aufbruchsstimmung. Zeitgleich vollzog sich auch in der Kunst ein radikaler Wandel: russische Avantgardekünstler wie Kasimir Malewitsch, Wladimir Tatlin, El Lissitzky oder Alexander Rodtschenko brachen mit den alten Regeln der Kunst und fanden in der gegenstandsfreien Kunst zukunftsweisende Ausdrucksformen.

Die jungen Künstler wollten die Gesellschaft mitgestalten und leisteten Pionierarbeit im Bereich Design. Bis heute finden sich ihre Einflüsse in bildender Kunst, Architektur und Design. Das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zeigt ab dem 23. Februar unter dem Titel "Für den neuen Menschen" rund 110 Werke der russischen Avantgarde-Künstler.

Die Ausstellung "Für den neuen Menschen – Russisches Avantgarde-Design: Ideen, Entwürfe, Gestaltung" ist vom 23. Februar bis 25. Mai im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen.