Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Collagen, die die Ruhe stören, traumhaft magischen Objekten und einem begehbaren Labyrinth mit echten Papageien.

Hamburg: Comic-Charme

Es fällt nicht sehr schwer, sich Christian Hans Albert Hoosen bei der Arbeit vorzustellen. Wild den Stift oder Pinsel schwingend, bringt er zu Papier, was ihm eben in den Sinn kommt.

Und diese Ideen, die fliegen ihm einfach zu: "Die Szenen kommen zu mir, ich lasse die Geschichten nur rahmen und bezahle die Farbe", sagt der in Berlin lebende Künstler. Daraus entstehen dann comicartige Wesen mit teils unvollendeten Körpern, farblich oft nur halb ausgemalt. Die Ausstellung "Es muss so sein" im Hamburger Kunstverein zeigt jetzt die erste institutionelle Einzelausstellung Hoosens.

Weil Christian Hoosen in seinen Werken vieles nur andeutet, löst er Stück für Stück die Inhalte auf, so dass sie ins Imaginäre abdriften. Die dadurch ausgelösten Assoziationen erinnern an Traumwelten und ungezügelte Gedankenströme. Der Kunstverein präsentiert aktuelle Arbeiten der letzten zwei Jahre, die unterschiedliche Maltechniken und Formate vereinen. In Petersburger Hängung wird das breite Spektrum von Hoosens Arbeit deutlich, während großformatige Leinwand- und Papierarbeiten an verrückte Zeichentrickfiguren erinnern.

Gleichzeitig mit der Ausstellung zu Hoosen beginnt im Kunstverein auch die Schau "Olaf Metzel – Gegenwartsgesellschaft" mit Skulpturen aus alten Imbisstischen, zerborstenem Turnhalleninventar, Leitplanken und anderem ungewöhnlichen Material.

Die Ausstellungen "Hoosen. Es muss so sein" und "Olaf Metzel – Gegenwartsgesellschaft" laufen vom 28. September 2013 bis zum 5. Januar 2014 im Hamburger Kunstverein.

Frankfurt: Papageien, Strand und Palmen

Er ist für Brasilien das, was Joseph Beuys für Europa ist. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation war er der Zeit voraus – Hélio Oiticica war ein Pionier. Er wollte nicht nur die Kunst für die Gesellschaft, sondern auch die Gesellschaft für die Kunst öffnen. Ihm zu Ehren und im Rahmen der Retrospektive "Hélio Oiticica. Das große Labyrinth" werden im Palmengarten des Frankfurter Museum für Moderne Kunst drei begehbare Pavillons Oiticicas im Außenbereich aufgestellt. In ihnen erlebt der Besucher überraschende Soundperformances, spannende Tänze und Projektionen sowie Salonabende und eigenständige Erkundungen.

Der brasilianische Künstler gilt als Vorreiter der partizipativen Kunst. Er entwickelte bereits in den frühen sechziger Jahren Strategien, die Kunst räumlich und sinnlich zu erweitern. Dabei sah er sich nicht nur als Hersteller von Objekten, sondern vielmehr als Konstrukteur von Materialität, Farbe, Zeit und Raum. Oiticicas Installationen geben keine Rezeption vor, sondern laden – etwa mithilfe der Kombination architektonischer Elemente mit Projektionen oder Audioinhalten – zur individuellen Begehung und Teilhabe ein. Dazu zählt auch sein bekanntestes Werk, die labyrinthartige Installation "Tropicália". Sie besteht aus Sand, Pflanzen, lebendigen Papageien und zeltartigen Behausungen, inspiriert von den Favelas Rio de Janeiros. Auch sie wirken auf den Nichteinheimischen wie ein großes, überwältigendes Labyrinth.

Die Retrospektive "Hélio Oiticica. Das große Labyrinth" zeigt das Frankfurter Museum für moderne Kunst vom 28. September 2013 bis zum 12. Januar 2014. Bis zum 12. Oktober sind die Pavillons im Palmengarten geöffnet.

Herford/Ahlen: Unruhe im Karton

Was haben sie, was andere nicht haben? Weshalb haben wir so häufig das Gefühl, sie überraschten uns mehr, als manch andere künstlerische Darstellungsform? Was macht Collagen so besonders? Diesen und anderen Fragen geht die Ausstellung "Ruhe-Störung. Streifzüge durch die Welten der Collage" nach, die zeitgleich sowohl im Marta in Herford als auch im Kunstmuseum Ahlen stattfindet. Die Neuschöpfung von Ganzheiten, aus so verschiedenen Einzelteilen wie der Mona Lisa und zwei Plastikkulleraugen, wie einem männlichen Model und unzähligen kleinen, grinsenden Frauenmündern oder Fotografien, die eigentlich nicht zusammenpassen, überrascht, schockt oder stimmt nachdenklich. Mal zeigen die Arbeiten zu viel, mal zu wenig, sie lassen Raum oder geben kaum dem Gezeigten selbst Platz.

Es gibt Collagen, die lassen uns nicht los, weil sie immer wieder Neues entdecken lassen oder aber weil ihre Zusammenstellung dermaßen absurd ist, dass der Betrachter nicht fassen kann, was er sieht. Die Ausstellungen orientieren sich an Spannungsfeldern wie Protest und Widerstand oder Fluchten und Träume. Unter der großen Zahl an Künstlern befinden sich viele echte Stars der Szene wie Isa Genzken, Paul McCarthy und Tony Cragg oder auch Joseph Beuys und Daniel Spoerri. Passend zum Titel sind die gezeigten Werke voller Leben, niemals ruhig. Und immer bleibt das Bild künstlich zusammengesetzt.

"Ruhe-Störung. Streifzüge durch die Welten der Collage" läuft vom 28. September 2013 bis zum 26. Januar 2014 sowohl im Marta in Herford als auch im Kunstmuseum Ahlen.

Leverkusen: Fetisch und Magie

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit Fetischen, Dingmagie und Metamorphosen, dem Sphärischen, Transzendenten und Heiligen – das erwartet den Besucher der Ausstellung „Eine handvoll Erde aus dem Paradies“ im Leverkusener Museum Morsbroich.
Die Ausstellung überrascht mit einer Mischung aus fetischartigen Objekten, fabelhaften Wesen und spirituellen Leinwandarbeiten, die in ihrer Ausgestaltung mitunter bewusst zusammengewürfelt daherkommen. Es wird der Versuch angetreten, das Unbegreifliche zu vergegenständlichen und gleichzeitig das Profane mittels Verwandlung magisch aufzuladen.

So wird der Besucher beispielsweise mit Daniel Spoerris „Zimtzauberkonserven“ – bizarren Kombinationen aus Kuhhörnern, Rattenschwänzen, Metallteilen oder ausgehöhlten Kokosnüssen – konfrontiert und ins Staunen versetzt.
Hinzu kommen Werke wie Konrad Klaphecks zum „Kindermädchen“ mutierte Schreibmaschine, Yves Kleins „Monochromie Bleu“ sowie verschiedene Arbeiten von Vic Gentils, Bernhard Schultze oder Günther Uecker. Die in vielen Jahren zusammengetragene Sammlung bildet einen wichtigen Teil des musealen Bestands des Museums Morsbroich und wird erstmals in einer Überblicksschau präsentiert.

Die Ausstellung "Eine handvoll Erde aus dem Paradies" findet vom 29. September 2013 bis zum 12. Januar 2014 im Museum Morsbroich in Leverkusen statt.

Bremen: Girl Power

Feminismus – ein Wort, das oft auf Unbehagen trifft. Wer es hört, denkt heute an Alice Schwarzer, an aufbrausende Frauen, die nicht zu bändigen sind, wie die Femen-Aktivistinnen oder die Mitglieder der russischen Band Pussy Riot. Doch was genau verbirgt sich eigentlich mittlerweile hinter der Bewegung, die bereits im 17. Jahrhundert ihre Anfänge nahm? Die Ausstellung "Girls Can Tell" in der Bremer Gesellschaft für aktuelle Kunst will die Frage nach dem heutigen Schwerpunkt beantworten. Mit einer Auswahl an Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die nach 1970 geboren sind, geht sie dem veränderten Umgang mit feministischer Themensetzung in der zeitgenössischen Kunst nach.

In den gezeigten Arbeiten scheint der Feminismus nicht mehr im Vordergrund zu stehen, äußert sich bestenfalls unterschwellig oder begleitend. Die Kunst setzt mehr denn je auf die Waffen Leichtigkeit, Ästhetik und Eleganz, um den Betrachter zu erreichen. Aus Malerei, Fotografie, Zeichnung, Installation, Ready-Made, Film und Skulptur entsteht ein ganzheitliches Bild der aktuellen feministischen Debatte. Dabei wird jedoch auch die Vergangenheit nicht vergessen, wenn zum Beispiel Seb Patane die Gedanken viktorianischer Frauen in einem Netz gefangen hält, oder Anna Ostoya die männlich dominierte Rezeption der Kunstgeschichte vorführt. Armdrückende Frauen oder ein an den Brüsten zerrissenes Kleid lassen den Betrachter über die Rolle der Frau grübeln.

Die Ausstellung "Girls Can Tell" ist vom 28. September 2013 bis zum 2. Februar 2014 in der Bremer Gesellschaft für aktuelle Kunst zu sehen.