Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht es um Philosophie, Fotobuchkunst, Identitätsfindung in nah und fern und indischen Expressionismus

Berlin: Kunst und Philosophie

"Schön ist das, was in bloßer Beurteilung gefällt", befand Immanuel Kant zur Zeit der Aufklärung über das Verhältnis von Kunst und Natur. Auf das Verhältnis von "Kunst und Philosophie" blickt die gleichnamige Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein, die eine Vortragsreihe sowie verschiedene einführende Workshops begleiten. Ausgestellt werden Arbeiten, die sich mit essentiellen philosophischen Fragen und Problemen oder aber den grundlegenden Unterschieden der beiden Bereiche auseinandersetzen. Dass die von Kant grundsätzlich angezweifelte Existenzberechtigung von "künstlich erschaffener" Ästhetik widerlegt wird, ist klar, ob der Besucher hier den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit findet, bleibt ihm selbst überlassen.

Die Ausstellung "Kunst und Philosophie" im Neuen Berliner Kunstverein ist vom 3. September bis zum 30.Oktober zu sehen. Eröffnung ist 19.00 Uhr.

Wolfsburg: Franziska C. Metzger "Archaische Futurismen"

Die Nutzung von Campingplätzen und Trailerparks als dauerhaftes Domizil ist gemeinhin strittig, verkörpern die mobilen Behausungen schließlich temporäre Provisorien. Franziska C. Metzgers leuchtende Wohnwagen-Installation „In der Schonung“ hingegen könnte kaum einladender wirken. In ihrer ersten großen Einzelausstellung „Archaische Futurismen“ im Kunstverein Wolfsburg erörtert die Künstlerin das Verhältnis von Behausung und Mobilität, ihre begehbaren Installationen werfen darüber hinaus auch Fragen nach grundsätzlichen Raumvorstellungen, realen und fiktiven Orten, auf. Mehrere integrierte Videoinstallationen, die mal mehr, mal weniger bizarre Situationen in bewegten Bildern zeigen, unterstreichen die surreale Szenerie.

Die Ausstellung "Franziska C. Metzger: Archaische Futurismen" ist vom 2. September bis zum 6. November im Kunstverein Wolfsburg zu sehen. Eröffnung ist am 1.September um 19.00 Uhr.

Hamburg: Photo+ArtBook Hamburg 2011

"Kunstausstellungen kommen und gehen, aber Bücher bleiben für viele Jahre bestehen", steht auf dem Flyer der Foto- und Kunstbuchmesse "Photo+Art Book Hamburg ‘11", die dieses Jahr in den Hamburger Deichtorhallen Premiere feiert. 72 nationale und internationale Aussteller präsentieren gedruckte Medien aller Art und bilden den Kern der kreativen Veranstaltung. Das Rahmenprogramm enthält Workshops, Booksignings sowie Gespräche mit Künstlern und Fotografen. Zwei Ausstellungen begleiten das Ganze: Eine Gruppenschau der Berliner Galerie Kominek stellt Fotobücher aus Osteuropa, Skandinavien und den Niederlanden vor. Im Haus der Photographie sind die zehn besten Einsendungen zum "getPublished Award 2011" als Dummies zu bewundern.

Die Messe "Photo + Art Book Hamburg ‘11" ist vom 2. bis zum 4. September in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen.

Braunschweig: Katja Stuke und Oliver Sieber "Our House"

Kaum eine Frage stellt sich im Leben eines Menschen wohl so häufig wie die nach der eigenen Identität. Ob Beruf, Freundeskreis oder Familie – ständig und überall ist er unterschiedlichsten Beurteilungskriterien unterworfen die vom Fremdbild geprägt werden und sich auf das Selbstbild auswirken. Mit ihren Porträts unterschiedlicher Rollentypen im Alltag ergründen Katja Stuke und Oliver Sieber nicht nur soziale, sondern auch kulturelle Differenzen und Eigenheiten. Punks, Anzugträger, Transgenders und andere werden in der Ausstellung "Our House" nebeneinander ausgestellt. Einen motivischen Schwerpunkt bildet die japanische Populärkultur. Dokumentiert sind die Arbeiten seit 1999 innerhalb eines Fotomagazin-Projekts namens "Die Böhm", das immer noch vom Künstlerkollektiv herausgegeben wird.

Die Ausstellung "Our House" von Katja Stuke und Oliver Sieber ist vom 2. September bis zum 30. Oktober im Museum für Photographie in Braunschweig zu sehen.

Berlin: Rabindranath Tagore "The Last Harvest – 98 Meisterwerke in Berlin"

Als erster asiatischer Nobelpreisträger hat sich der 1941 gestorbene Rabindranath Tagore einen Namen in Literaturkreisen weltweit gemacht. Dass er darüber hinaus auch zu den bedeutendsten Malern und Wegbereitern der indischen Moderne zu zählen ist, will die Ausstellung "The Last Harvest – 98 Meisterwerke in Berlin" zeigen. Zum 150. Geburtstagsjubiläum des bengalischen Multitalents präsentiert das Museum für Asiatische Kunst in Berlin knapp 100 Werke aus seinem umfangreichen Oeuvre, das von expressiver Schemenhaftigkeit durchzogen ist. Formen und Farben gehen ein kontrastreiches Wechselspiel ein, das sich unmittelbar einprägt und Tagores Stil einzigartig macht. In Deutschland wurden einige von seinen Arbeiten bereits in den Dreißiger Jahren ausgestellt, bevor das NS-Regime sie als "Entartete Kunst" deklarierte. Neben der Berliner Schau realisiert das indische Ministerium für Kultur zusammen mit der Gallery of Modern Art in Neu Delhi und anderen lokalen Kulturinstitutionen auch Ausstellungen in anderen deutschen Städten sowie ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Theateraufführungen und Filmen.

Die Ausstellung "Rabindranath Tagore The Last Harvest – 98 Meisterwerke in Berlin" ist vom 2. September bis zum 30.Oktober 2011 im Museum für Asiatische Kunst Berlin zu sehen.