Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einem Spielplatz des Surrealen, einer poppigen Kuh, kreativen Déja-vus, Virtuosen der Belle Époque und abstraktem Zirkus.

Frankfurt: Spielplatz des Surrealen

Was ist heutzutage wohl das Patentrezept für interessante Modefotografie? Richtig, schrill und farbenfroh muss es sein, am besten garniert mit einem Hauch des Skurrilen und Surrealen.

Die niederländische Fotografin Vivane Sassen kennt die richtige Formel. In ihren Modefotografien entwickelt sie seit zwei Jahrzehnten einen eigenen unverwechselbaren Stil, der weit über die Grenzen des Genres hinausgeht. Die weitestgehend kommerziell ausgerichtete einförmige Modefotografie erlebt bei Sassen eine regelrechte Revolution. Was gewöhnlich anmutet, wird zu verwirrend-abstrakten menschlichen Kompositionen umgeformt, die vor Energie geradezu pulsieren. "Wenn Models mit Viviane arbeiten, geben sie sich selbst auf", so Guillaume Henry, Designer für das Modelabel Carven – und das zu Recht. Die Körper ihrer Modelle werden Teil einer Skulptur, die sich durch Objekte, Kleidungsstücke oder bestimmte Accessoires zu einem amorphen Gewirr transformiert.

Das Fotografie Forum Frankfurt zeigt nun in einer ersten deutschen Überblicksschau die besten Modefotografien von Vivian Sassen der letzten 18 Jahre. Mit einer Auswahl von mehr als 300 Fotografien, die für Werbekampagnen der Marken Carven, M-Missoni, Adidas und Levi's sowie für Magazine wie Pop, Wallpaper, Dazed & Confused entstanden sind, kann der Betrachter Teil von Sassens Traumwelt werden. Der kreative Umgang der Fotografin mit Formen und Körpern hat vieles gemein mit den Experimenten des Kubismus, Surrealismus und Minimalismus. Wie auf einem kreativen Spielplatz arbeitet sie mit natürlichen Mitteln, wie Sonnenlicht, Schatten, Spiegelung und Reflexion und erklärt die Modebranche zu ihrem persönlichen Experimentierfeld, aus dessen Materialfundgrube sie schöpft.

Die Ausstellung "Viviane Sassen. In and Out of Fashion" ist vom 17. Mai bis 17. August im Frankfurter Fotografie Forum zu sehen

Hamburg: Poppige Kuh

Eine wild zersauste Mähne, eine überdimensionale Hornbrille und ein etwas irrer Blick – so kennt man ihn und so hat ihn die Kunstwelt lieben gelernt. Die Rede ist von Allround-Talent Andy Warhol, der nicht nur Maler, Zeichner, Fotograf und Filmemacher war, sondern auch Zeitschriften und Bücher herausgab sowie Musiker und Models berühmt machte. Ein Mann, der aus dem New Yorker Kulturbetrieb der sechziger bis achtziger Jahre nicht wegzudenken war.

Die Hamburger Kunsthalle zeigt Warhol nun aus einer bisher weitestgehend unbekannten Perpektive. In den vierziger Jahren begann der Künstler seine Karriere als Grafikdesigner, entwarf Illustrationen für Prospekte und Bücher, die zur Vorlage für seine bekanntesten Gemälde wurden. Auch mit der Hinwendung zur freien Kunst, blieb Warhol jenem Genre treu, schuf großformatige Poster mit Motiven aus der Welt der Werbung und der Boulevardpresse für den kleinen Mann, bis ihm 1964 der Durchbruch gelang. In fast zweieinhalb Jahrzehnten, von 1964 bis zu seinem Tod 1987, entwarf er ungefähr 30 Plakate und bekam dafür beinahe jeden vor die Linse. Von der Kuh, über Mick Jagger bis hin zu Liz Taylor oder Botticellis Venus, auf unverwechselbare Weise überdruckte und übermalte er unterschiedlichste Schwarzweißfotos mit Farbflächen, zog mit elegantem Stift die Umrisse nach und wiederholte immer wieder dieselben Motive. Mit über 100 Arbeiten, darunter Plakate, Drucke nach Gemälden und Grafiken steht in der Ausstellung "Posters" nun die Frage nach Original, Entwurf und Reproduktion im Vordergrund.

Die Ausstellung "Posters. Andy Warhol" ist vom 21. Mai bis 7. September im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen.

Münster: Kreative Déjà-vus

Fünfmal dasselbe sehen und sich trotzdem nicht langweilen, geht das? Ja klar – stellt nun eine Gruppenausstellung zum Konzept der Wiederholung in der zeitgenössischen Kunst unter Beweis. Repetition in Variation lautet hier die Devise. Dass sich Wiederholung nicht zwingend in offensichtlichen, seriellen Verdopplungsstrategien niederschlagen muss, zeigt der Westfälische Kunstverein mit Arbeiten von acht internationalen Künstlern, die in unterschiedlichen Medien das Prinzip der Wiederholung als Methode der Wissens- und Diskursproduktion erfahrbar machen.

Natalie Czech beispielsweise thematisiert die Verhältnisse und Wechselwirkungen zwischen Bild und Text, Poesie und bildender Kunst und sucht mit wiederholenden Elementen nach dem lyrischen Potenzial in verschiedenen Medien. Mit unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksformen, doch sich wiederholenden kunsthandwerkstypischen Techniken wie Batik, demonstriert Matti Braun hingegen das Prinzip der Repetition. Es wird wiedergezeigt, wiedererzählt und wiedergefunden, vor und zurückgegriffen und damit auf die allgemeine Aneignung von kulturellem Wissen verwiesen.

Die Ausstellung "Wiederholung" ist vom 17. Mai bis 27. Juli im Westfälischen Kunstverein in Münster zu sehen.

Hamburg: Virtuosen der Belle Époque

Wenn man an das Paris der Belle Époque, an das Moulin Rouge, an Kabaretts und in diesem Zusammenhang an Kunst denkt, dann dürfen zwei Namen partout nicht fehlen: Honoré Daumier und Henri de Toulouse-Lautrec. Galt Daumier als wohl berühmtester Karikaturist des 19. Jahrhunderts, als Verteidiger der Unterdrückten, Armen und Schwachen, als Virtuose der politischen Satire, wurde der Maler Lautrec vor allem für seine Plakate bekannt – ein Bohémien par excellence, der seine Kunst den großen Pariser Varietés, Kabaretts und Opernhäusern verschrieben hatte. Mögen sie in ihrer Haltung noch so unterschiedlich gewesen sein, so begegnete der gesellschaftliche Aktivist dem Lebemann doch in zwei Dingen: Beide Künstler zeichnen sich durch einen Blick aus, der von einer Randposition her die französische Hauptstadt Paris und ihre Bewohner durch Momentaufnahmen in den Fokus nimmt. Beide, wenngleich sie auch durchaus in anderen Medien versiert waren, sahen die Lithografie als geeignete künstlerische Technik an, um die Menschen auf schonungslos direkte Weise in ihren sozialen Zusammenhängen zu schildern.

In einer Hamburger Ausstellung werden nun die beiden größten französischen Lithografen des 19. Jahrhunderts in einer Gegenüberstellung gewürdigt. Während Toulouse-Lautrec ein faszinierendes Zeugnis von den nächtlichen Vergnügungsmöglichkeiten im Paris seiner Zeit liefert, wird Daumier als scharfzüngiger Chronist seiner Mitbürger greifbar. Neben den Meisterlithografien, sind in der Werkschau auch Zeichnungen und Ölbilder der Künstler zu sehen.

Die Ausstellung "C'est la vie. Das Paris von Daumier und Toulouse-Lautrec" ist vom 16. Mai bis 3. August 2014 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.

Freiburg: Abstrakter Zirkus

Na, der hat ja wohl einen Clown gefrühstückt! Der amerikanische Künstler Mark Grotjahn widmet sich in seiner neuen Ausstellung "Circus, Circus" der bunten Welt des Zirkus' – doch anders, als man denken würde. Für seiner erste Werkschau in Deutschland hat der Künstler sieben Gemälde und sechs Skulpturen geschaffen, die nur anhand der Titelei und ihrer farbenfrohen Gestaltung auf das benannte Serienthema verweisen. Mit Werken, die von der Abstraktion bis hin zur sich ansatzweise entfaltenden Figuration reichen, steht Grotjahn in der Tradition der späten US-modernistischen Malerei, die an Namen wie Jackson Pollock oder Willem de Kooning denken lässt. Insbesondere greift der Künstler auf die hartkantigen Formen der geometrischen post-malerischen Abstraktion zurück, die er mit leuchtenden Farben neu definiert. Für Grotjahn ist Farbe beides: Licht und Raum.

"Circus, Circus" präsentiert großformatige Gemälde von über 2,5 Metern Höhe, die aus geriffelten Bändern von Ölfarbe konstruiert wurden, die einen illusionistischen Raum kreieren. Wie in einem Zirkuszelt verschlingen sich bunte Bänder zu doppelten Kreisformen, die den Betrachter auf magische Weise in den abstrakten Bildraum hineinziehen. Figurativer muten Grotjahns bunte Skulpturen aus der Serie "Mask" an. Löcher und Stangen, die rechteckige mit Ölfarbe übermalte Bronzetafeln durchstoßen, lösen die Vorstellung von Gesichtern aus. Eines bleibt bei Grotjahn Voraussetzung: Nur der fantasievoller Betrachter findet Einzug in die abstrakte Zirkuswelt des Künstlers.

Die Ausstellung "Circus, Circus" ist vom 16. Mai bis 27. Juli im Freiburger Kunstverein zu sehen