Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit eiskalten Aussichten, Kriegsmalern, urbanen Essays, einem kreativen Zeitraffer und skulpturalen Metamorphosen.

München: Eiskalte Aussichten

Es weht ein eiskalter Wind durch die Flure des Stadtmuseums: Grund sind die Arbeiten des Schauspielers und bildenden Künstlers Stefan Haunstein, dessen Fotodokumentationen aus dem Jahre 2012 von einer Expedition in die Arktis erzählen.

Ein gewaltiges Naturspektakel gewaltiger Gletscher, Eisberge und Treibeis tat sich dem Fotografen unter erheblicher körperlicher Anstrengung bei arktischen Temperaturen in der unwirtlichen Welt Grönlands auf. Das Produkt seiner Reise kann sich sehen lassen:

Mit 25 gerahmten, großformatigen Originalfotografien zeigt eine Ausstellung nun Hunsteins Welt "im Eis". Als gewöhnlicher Besucher des Eismeers, hat der Künstler die Lichtstimmungen jener unberührten, archaischen Landschaft ohne jegliche künstliche Überhöhung festgehalten. Das in jener Region vorherrschende eigentümlich bläulich-bleiernde Licht erzeugt einen Eindruck überwältigender Schönheit von der Textur und Materialität der Eisformationen. Da die Arbeiten nicht wie gewöhnlich auf Papier, sondern in einem eigens entwickelten fotografischen Verfahren (UV-Direct Print) direkt auf Glas gedruckt wurden, bestechen die Fotografien durch einen Grad an Plastizität und Tiefenwirkung, der eine nahezu theatrale Qualität besitzt. Bis 15. Juni noch kann sich der Besucher mit Hunstein auf Expedition begeben.

Die Ausstellung "Stefan Hunstein – im Eis" ist vom 9. Mai bis 15. Juni im Münchener Stadtmuseum zu sehen

Wien: Kriegsmaler

2014 ist das Jahr des Gedenkens und des Rückblicks: Der Blick zurück auf einen Krieg, der vor 100 Jahren am 28. Juni 1914 seinen Anfang mit dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo nahm und der über vier Jahre hinweg Spuren des Schreckens und der Verwüstung hinterließ. Mittendrin eine Gruppe von Künstlern, die die Ereignisse des Ersten Weltkrieges auf ihre ganz eigene Weise zu verarbeiten wussten: das künstlerische Schaffen als Zeichen des persönlichen Widerstands, als Symptom der Weltflucht oder bloß als Resultat der Anpassung.

Egon Schiele, Anton Kolig, Koloman Moser, Albin Egger-Lienz und Gustav Klimt gehören zu jener Gruppe von österreichischen Kriegsmalern, die trotz des Krieges ihrer Profession treu blieben. In einer umfassenden Gruppenausstellung werden ihre Arbeiten nun ausgewählten Werken zeitgenössischer Künstler aus Italien, Rumänien, Russland und Serbien, also jenen Ländern, gegen die Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg kämpfte, gegenübergestellt. Ausgangspunkt der Schau bilden die unmittelbaren Kriegserfahrungen der Künstler und deren subtile Verarbeitung durch die Kunst.

Die Ausstellung "Trotzdem Kunst! – Österreich 1914-1918" ist vom 9. Mai bis 15. September im Wiener Leopold Museum zu sehen

Wien: Urbane Essays

Und Schnitt! – Stanley Kubrick hielt die Augen offen und das nicht nur auf der Kinoleinwand. Der bekannte Regisseur schrieb mit seinen Filmen im 20. Jahrhundert Weltgeschichte, nicht obwohl, sondern gerade weil seiner Arbeitsweise ein mehr als simples Motto zu Grunde lag: "Well, I never shoot anything I don't want." Doch prägte sich seine subtile Erzähltechnik und sein künstlerischer Eigensinn nicht, wie man annehmen würde, in frühen filmischen Experimenten aus, sondern bildete die Fotografie ein frühes Experimentierfeld für sein kreatives Schaffen.

Eine Ausstellung mit dem Titel "Eyes Wide Open" widmet sich nun Kubricks offenem Weltblick mit einer Reihe früher essayistischer Fotoreportagen. Zwischen 1945 und 1950, mit gerade einmal 16 Jahren, setzte sich der spätere Regisseur mit Themen wie Komposition und Atmosphäre in Fotografien auseinander, die er als Auftragsarbeiten für das US-amerikanische Magazin "Look" entwickelt hatte. In den "Look"-Fotoreportagen – über 20 werden in der Ausstellung präsentiert – zeigt sich bereits eine Tendenz zur Geschichteninszenierung, die Kubricks Arbeit in der Filmbranche seit 1951 als logische Konsequenz zur Folge haben musste. Als urbane Essays können seine Arbeiten charakterisiert werden: prägnant, narrativ und stets mit Blick auf die individuellen Geschichten und Schicksale der städtischen New Yorker Gesellschaft der Zeit.

Die Ausstellung "Stanley – Eyes Wide Open" ist vom 8. Mai bis 13. Juli im Wiener Bank-Austria-Kunstforum zu sehen

Hannover: Kreativer Zeitraffer

"Sagen wir es frei heraus: das Wunderbare ist immer schön", betonte einst der Künstler August Macke. Wie in einem Zeitraffer durchlebte der Ideengeber der Rheinischen Expressionisten seine kurz bemessenen Schaffensjahre bis hin zu seinem frühen Tod und ließ dabei zielbewusst alles hinter sich, was für seine künstlerische Entwicklung irrelevant war. Erst brach er die Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie ab, dann den Unterricht bei Impressionist Lovis Corinth, reiste von Europa bis nach Nordafrika, immer auf der Suche nach künstlerischer Inspiration und schloss sich schließlich dem "Blauen Reiter" in München an. Gleich einem stilistischen Vagabunden schuf Macke ein Werk, das alle Vorzüge der stilistischen Strömungen seiner Zeit – Fauvismus, Impressionismus, Futurismus und Kubismus – miteinander vereinte. Und das stets unter der optimistischen Prämisse, etwas Wunderbares, Träumerisches zu schaffen, das ein kleines Stück vom Paradies enthält.

Anlässlich seines 100. Todesjahrs zeigt eine Übersichtsausstellung nun Mackes "Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies" mit rund 60 Werken, darunter Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen. Vereinfachte Formen, anonymisierte Gestalten und reine, leuchtend-harmonierende Farben demonstrieren Mackes Wunsch, positive Bilder in einer intakten Welt zu schaffen, in der der Mensch in Gleichklang mit den Dingen steht, die ihn umgeben.

Die Ausstellung "August Macke – Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies" ist vom 10. Mai bis 3. August in der Stiftung Ahlers Pro Art / Kestner Pro Art zu sehen

Mannheim: Skulpturale Metamorphose

Wie kann man sich Mutanten aus Mensch, Tier, Mineral und Pflanze vorstellen? Die französische Bildhauerin Germaine Richier macht es vor. Mit ihren "hybriden Wesen", bei denen es sich um großformatige Bronzeskulpturen handelt, stellt sie eine Ausnahmeerscheinung in der Skulpturengeschichte des 20. Jahrhunderts dar. Wurde sie zwar vom künstlerischen Einfluss Auguste Rodins geprägt, so besitzen ihre Arbeiten eigenständige, individuelle Formen, die in eine romantisch-surrealistische Richtung tendieren. "Alle meine Skulpturen, selbst meine imaginiertesten, gehen von etwas Wahrem aus, von einer organischen Wahrheit", so Germaine Richier.

Eine umfassende Retrospektive geht jener Wahrheit nun mit rund 50 Plastiken auf den Grund. Ausgehend von ihrem zentralen Werk "Die Gottesanbeterin" liefert die Werkschau einen chronologischen Überblick über die Entwicklung und Vielschichtigkeit des Schaffens der Bildhauerin. Richiers Bronzearbeiten aus den vierziger Jahren zeigen zumeist Zwitterwesen zwischen Tier und Mensch von außerordentlicher physischer Lebendigkeit. Ähnliche Metamorphosen entstanden zudem durch die Verwendung von Naturobjekten, wie Kieselsteine, Insekten und Zweige, die die Künstlerin als Vorlagen für ihre Phantasiewesen zeitlebens in ihrem Atelier sammelte.

Die Ausstellung "Germaine Richier – Sturmfrau" ist vom 9. Mai bis 24. August in der Mannheimer Kunsthalle zu sehen