Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit abenteuerlichen Reisewelten, dem mystischen Zwiespalt der Natur und Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe.

Leipzig: Virtuelle Matrix

Geboren sind sie in Sachsen: Richard Wagner und Max Klinger in Leipzig und Karl May in Ernsthal. Doch was verbindet eigentlich Wagners Opern mit Mays Abenteuergeschichten und Klingers druckgrafischen Zyklen?

“Weltenschöpfer“ versucht auf sehr unterschiedlichen Wegen eine anschauliche Antwort zu geben und vereint historische Bilder und zeitgenössische Kunst in einer Ausstellung. Erstmals wird der Kosmos der drei Sachsen in Dialog zur romantisch besetzten Landschafts- und Historienmalerei des 19. Jahrhunderts gesetzt. Diese emotionale Darstellung der Natur wird anhand von etwa 70 Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken veranschaulicht. Groß dimensionierte, interaktive Licht- und Raumskulpturen der Stuttgarter Künstlerin "Rosalie" vermitteln neue Perspektiven auf das Gesamtkunstwerk: Eine medial gesteuerte Rauminszenierung lässt Richard Wagners Welten und Naturereignisse mit ihren Göttern, Helden und Außenseitern als virtuelle Matrix des Lichts erscheinen. Karl Mays abenteuerliche Reisewelten entführen in den Licht-Canyon "May – Dead End" – eine futuristische Installation, bestehend aus einem schillernden Farbspiel ständiger Verwandlungen und Bildprojektionen mit Pferden, Abstraktionen und literarischen Bildern Mays. Außerdem reflektieren Archiv- und Biografie Räume zu Wagner, Klinger und May das kulturelle Erbe ebenso subjektiv wie authentisch.

Die Ausstellung "Weltenschöpfer" ist vom 16. Mai bis 15. September 2013 im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen

München: Natur als Lebensquelle

Die amerikanische Künstlerin Roni Horn hat viele Gesichter. Sie spielt in ihrer Kunst bewusst mit der Geschlechteridentität und möchte sich nicht auf eine Rolle festlegen lassen, um veränderlich bleiben zu können. Horn ist Fotografin, Objektkünstlerin und Grafikerin. Die in New York lebende Künstlerin lässt sich oft durch Menschen inspirieren, aber auch durch Islandreisen, die Horn seit 1975 regelmäßig unternimmt. Wasser ist für Horn gleichsam Lebensquelle, Bedrohung und der mystische Zwiespalt der Natur fasziniert sie. In der aktuellen Ausstellung der Sammlung Goetz sind nun frühe Zeichnungen und Pigmentarbeiten, konzeptuelle Skulpturen, neue Fotoarbeiten und das langjährige Künstlerprojekt „To Place“ in einer repräsentativen Werkschau versammelt. Insbesondere Horns umfangreiche Fotoserien sind typisch für das Oevre der Künstlerin – darunter auch die autobiographische Portraitreihe "a.k.a" und die Fotostrecke "Some Thames", bei der sie Plätze an der Themse fotografiert hat, an denen Menschen umgekommen sind.

Die Ausstellung "Roni Horn" ist vom 17. Mai bis 31. August 2013 in der Sammlung Goetz zu sehen

Hamburg: Guter Geschmack

Ein Handy das über all mit funkelnden, bunten Glitzersteinen verziert ist, Sneakers die mit Barrack Obamas Gesicht bedruckt sind und ein USB-Stick in Form eines Fingers: “Über Geschmack lässt sich nicht streiten!“, oder vielleicht doch? Wo der eine einen solchen Schatz als unbedingtes "Must have" deklariert, entsteht bei dem anderen Betrachter Gänsehaut, hervorgerufen durch den Wahnwitz des Produkdesigns. Aber wer bestimmt, was gut hässlich oder schön ist? Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt in der Ausstellung "Böse Dinge" die Spuren des Kunsthistorikers Gustav E. Pazaureks und seine Kategorien von Geschmacksverirrungen im Design und Kunsthandwerk, wie zum Beispiel eine historische Tischuhr oder eine alte Amphore, die er auf den Prüfstand stellt. Vor 100 Jahren eröffnete er in Stuttgart die "Abteilung der Geschmacksverirrungen", für die er in den folgenden Jahren 900 abschreckende Negativbeispiele sammelte. Nun sind Teile dieser zuletzt 1930 gezeigten Sammlung wieder zu sehen. Die Ausstellung nimmt Pazaureks Thematik zum Ausgangspunkt und konfrontiert die historischen Beispiele mit der zeitgenössischen Produktkultur. So sollen nicht nur aktuelle Fragen nach Gestaltung und Material, sondern auch der Einfluss der Dinge auf unser Handeln beleuchtet werden.


Aargau: Lebensrythmen

Menschen tanzen durch die Stadt. Ob Tango vor einer Hauswand, HipHop den Gehsteig hinunter oder Poledance mitten auf einem Autodach: Rhythmen sind in Alltag und Kultur immer präsent. Das dachte sich auch die Videokünstlerin Lara Friedmann und startete in Miami einen Aufruf, der allen multikulturellen Tänzern dieser Stadt galt. Denn sie wollte herausfinden, wie sich der Mensch in der Stadt bewegt. Auch sie ist Teil der internationalen Gruppenausstellung "Rhythm in it.", die das Aargauer Kunsthaus präsentiert. Zu sehen sind 37 Künstler/innen aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Zeichnung, Video, Skulptur und Installation. Die Schau zeigt Kinetische Kunst sowie Film- und Videoarbeiten und Bewegungsrhythmen. Weitere Werke der Ausstellung sind akustisch erfahrbar oder fokussieren auf zeitliche Rhythmen wie den Tagesablauf. Den Künstler Jonathan Monk beschäftigt der Ablauf der Natur und das "Unterworfen sein" im Lebensrhythmus. Seine Installation "Silent", die aus Glühbirnen besteht und in einem abgedunkelten Raum hängt, ist ein philosophisches Symbol für Vergänglichkeit und bringt Ruhe in die ansonsten so bewegte Schau. "Rhythm in it" bietet anregende und überraschende Einblicke in ein Thema, das nicht nur in der Musik, sondern auch in der bildenden Kunst zentral ist.


Die Ausstellung "Rhythm in it -Vom Rhythmus in der Gegenwartskunst" findet vom 18. Mai bis 11. August im Aargauer Kunsthaus statt.

Krems: Psycholandschaften

Alte Polaroids zeigen Ausschnitte eines möglichen Waldspazierganges: auf einem ist ein Baum zu sehen, auf dem anderen ein Stück eines hölzernen Gartenzaunes und ein kleines bisschen blauer Himmel. Die rosa bemalte Collage wird durch transparente Plastikbeutel eingebettet in denen sich eine Sammlung an Blättern, Tannenzweigen, ein Stück Gras oder Rinde befindet."Was ist Landschaft" und welche Beziehung hat der Mensch zu ihr? Die künstlerische Auseinandersetzung mit dieser Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke Adolf Frohners. Seine reduziert- expressiven Malereien und Objekte sind nun in der Ausstellung "Adolf Frohner. Psycholandschaften" zu sehen und konzentrieren sich auf die Naturdarstellung. Bereits in den 1960er-Jahren spielte das Motiv "Landschaft" eine wichtige Rolle in dem Oeuvre des verstorbenen Künstlers. Die Arbeit mit Gefundenem, das Miteinbeziehen des Zufalls und die Verformung des Materials bilden wichtige künstlerische Strategien, die seine Werke ausmachen.
Frohners Visionen waren düster und setzen sich immer wieder mit den existentiellen Grundfragen und der Triebhaftigkeit des Menschen auseinander. Die Ausstellung spürt der kritischen Hinterfragung Frohners nach und zeigt mit Bildobjekten und Malerei einen Überblick über seine Landschaftsbilder von den Sechziger Jahren bis in die späten 1980er-Jahre.


Die Ausstellung "Adolf Frohner. Psycholandschaften" ist vom 18. Mai bis 29. September im Forum Frohner in Krems zu sehen