Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: Bauern in Thun, Tanz in München und die Rundgänge der Kunsthochschulen

Thun: Beruf Bauer

Ist es eigentlich altmodisch, Bauer zu sein? Wie viele Bauern gibt es noch? Wie viel klassische Landwirtschaft ist noch übrig?

Obwohl es uns vielleicht nicht mehr bewusst ist, da wir in einer immer urbaneren Welt leben, ist unsere Umgebung doch geprägt von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Schaut man aus einem Flugzeug, wird dies immer wieder vor Augen geführt: Ein Flickenteppich aus gelben, grünen und braunen Formen überzieht die Erde. Im Kunstmuseum Thun wird nun der Fokus der Aufmerksamkeit genau auf diese Agrikultur gelegt. Man will einen Perspektivwechsel bieten, denn in der Kunst werde heute häufig die Urbanisierung und Globalisierung zum Thema gemacht. Sowohl Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern sind zu sehen, als auch ältere Fotos. Meist unter dem Gesichtspunkt, wie die Bauern und Bäuerinnen heute leben und wie sie früher gelebt haben. Zum Beispiel sind Werke von Peter Ammon, Max Buri und Werner Engel ausgestellt.

Die Ausstellung "Beruf: Bauer. Eine Sammlungsausstellung mit Gästen" im Kunstmuseum Thun läuft vom 12. Februar bis zum 3. April 2011. Am 12. Februar findet um 10.30 Uhr die Vernissage statt.

München: move

Niemand muss ein Bewegungsgenie sein, um im Haus der Kunst einen kleinen eigenen Beitrag zum Thema Tanz und Kunst zu leisten. Wenn man sich durch die Ausstellung "move" bewegt, wird man beinahe von selbst zum Tänzer. Zahlreiche Werke machen den Besucher zum Mitspieler, lenken seine Bewegungen und ermöglichen besondere körperliche Erfahrungen.

Die Ausstellung setzt mit Schlüsselwerken der New Yorker Kunstszene der sechziger und siebziger Jahre ein, mit Skulpturen von Trisha Brown, Robert Morris und Bruce Naumann. Dazu gesellen sich aktuelle Arbeiten von Tänzern, Choreografen und bildenden Künstlern. Darunter etwa Mike Kelleys "Test Room Containing Multiple Stimuli Known to Elicit Curiosity and Manipulatory Responses" (1999/2010), eine Art Spielzimmer im Museum, in dem die Besucher sich von unterschiedlichen Objekten zu ungewohnten Verhaltensweisen hinreißen lassen können. Inhaltlich wird die Ausstellung zusätzlich von einem digitalen Archiv der wichtigsten Performancearbeiten der letzten 50 Jahre unterfüttert.

Die Ausstellung "Move Kunst und Tanz seit den 60ern" ist im Haus der Kunst vom 11.Februar bis zum 08. Mai zu sehen. Zusätzlich zum ständigen Programm gibt es Tanzperformances und Gespräche.

Leipzig und co: Rundgänge der Hochschule

Es ist wieder so weit! An vielen Hochschulen in Deutschland stellen die neuen Absolventen und auch Studierende aus laufenden Semestern ihre Arbeiten aus. In den verschiedenen Studienrichtungen wie Malerei und Grafik, Fotografie, Medienkunst oder Design präsentieren die jungen Künstler ihre Werke. Zum Beispiel an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig: Beim diesjährigen Rundgang sind alle Ateliers geöffnet, ob Gänge, Treppenhäuser oder Säle, alles wird zur Ausstellungsfläche. Die Klasse von Ryan Abdullah etwa zeigt die Ergebnisse eines Workshops zum Thema "Die Visuelle Sprache von WikiLeaks". Außerdem ist im Raum 4.4. die Klassenausstellung mit dem Titel "Wild & Hai – Das Tier in VierVier" von der Klasse für Malerei und Grafik von Annette Schröter zu sehen. Sie umfasst ein Spektrum von Malerei und Zeichnungen bis Druckgrafik und Animationsfilm.
Parallel laufen Jahresausstellungen an der Kunstakademie Düsseldorf, der Universität der Künste Berlin, der Akademie für Bildende Künste München und an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

Übersicht der Ausstellungen:

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 10. bis 13. Februar

Kunstakademie Düsseldorf, 9. bis 13. Februar

Universität der Künste Berlin, 8. bis 14. Februar

Akademie für Bildende Künste München, 9. bis 12. Februar

Hochschule für Bildende Künste Hamburg, 24. bis 27. Februar

Hamburg: Linda e.V.

"Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie hinter dir her sind." Hinter diesem sperrigen Titel verbirgt sich eine Ausstellung zu einem immer noch hochbrisanten Thema, das es einem kalt den Rücken herunter laufen lässt. Nele Heitmeyer war auf Spurensuche in Italien. Sie suchte nach Spuren der Mafia und fand sie. Sichtbar für jeden, der mit offenen Augen durch die Straßen geht. Warum liegen auf ihrem und so vielen anderen Balkons orangefarbene Plastikbälle? Schützt sie ein Handschlag mit ihrem Vermieter auf offener Straße vor ungebetenen Gästen? Was hat es mit den langen Holzkisten auf dem Kombi in der Seitenstraße auf sich? War das gerade jemand da hinten an der Ecke oder nur ein Schatten? Kann man sich sicher fühlen, obwohl die Polizisten, die hier auf Streife sind, die so offensichtlichen Beweise übersehen? Die Fotos dieser Detektivarbeit sind nun im Kunst- und Kulturverein Galerie Linda e.V. zu sehen.

Die Ausstellung "Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie hinter dir her sind" im Kunst- und Kulturverein Galerie Linda e.V. läuft vom 11. bis zum 13. Februar 2011.

Kassel: "The Host and the Cloud"

Die Documenta 13 meldet sich mit einem Film. Am Valentinstag gibt es eine Vorführung von Pierre Huyghes "The Host and the Cloud", dazu ein Gespräch mit der künstlerischen Leiterin, Carolyn Christov-Bakargiev und dem Filmemacher. Das dokumentarische Werk handelt von einer experimentellen, schauspielerischen Aufführung, die in den Jahren 2009 und 2010 in einem geschlossenen Museum vor Publikum stattfand. Gefilmt wurde an drei Tagen: Halloween, Valentinstag und dem 1. Mai. Gegeben wurde eine Art Rollenspiel, in dem eine Gruppe Schauspieler wie das ehemalige Museumspersonal auftrat. Ihre Rollen und Verhaltensweisen änderten sich unter bestimmten Einflüssen, die sie zum Teil selbst gestalten konnten. Die Darsteller sind jedoch keine eigenständigen Handlungsträger, sondern imaginäre Figuren im Kopf eines unbekannten Dritten, durch dessen Bewusstsein sich das Publikum bewegt. Auf dieser imaginären Reise wird es Zeuge davon, wie sich Ideen formen und Gedankengänge Gestalt annehmen.

Der Film ist nicht für Jugendliche unter 18 Jahren geeignet.

Das Gloria Kino in Kassel zeigt den Film am 14. Februar um 16 und um 20 Uhr, um 18 Uhr gibt es ein Gespräch der dokumenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev mit Pierre Huyghe. Sowohl Film als auch Gespräch werden auf Englisch stattfinden.

In Berlin wird der Film außerdem am 13. Februar 2011 im Rahmen des Forum Expanded der Berlinale um 20:30 im Kino Hebbel am Ufer 2 vorgeführt.

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