Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit kühnen Schnitten, gezeichneten Gärten und Op-Art-Skulpturen.

Hagen: Kühne Schnitte

Der Künstler Christian Rohlfs (1849 bis 1938) gehört zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Expressionismus.

Das Hagener Osthaus-Museum besitzt mit rund 700 Werken die größte Sammlung des Malers. Dieser lebte und arbeitete bis zu seinem Lebensende in den Räumlichkeiten des Museums. Obwohl Rohlfs bevorzugt mit Tempera auf Leinwand arbeitete, birgt die Sammlung auch ein umfassendes druckgrafisches Werk. Zwischen den Jahren 1908 und 1926 schnitt Rohlfs rund 185 hölzerne Druckplatten.

Die Abzüge, die Rohlfs mit ihnen gemacht hat, könnten thematisch wie stilistisch kaum vielfältiger sein: von bunt bis monochrom, von heiter bis traurig, von schlicht bis überladen. Ab dem 26. Januar stellt das Osthaus-Museum Rohlfs Druckgrafiken aus.

Vom 26. Januar bis 4. Mai 2014 sind Christian Rohlfs Druckgrafiken in der Ausstellung "... Das sind so neue, kühne, ernste Sachen, diese Schnitte!" im Osthaus-Museum Hagen zu sehen.

Karlsruhe: Themenkorsett – Nein, Danke!

Gemälde in übergroßen Hemdtaschen, Dokumente aus dem "shitty archive", ein ängstlicher Stand-up-Comedian, Bankautomaten als Schauspieler – wer einen roten Faden sucht, ist bei der Ausstellung "What Were You Expecting, Mr. Milquetoast, a Plot?" im Badischen Kunstverein Karlsruhe absolut falsch.

Denn die Gruppenausstellung von Vittorio Brodmann, Calla Henkel und Max Pitegoff, Sanya Kantarovsky, Liz Magic Laser und Ola Vasiljeva befreit sich bewusst von jeglichem Themenkorsett. Im Fokus der jungen Künstler steht der Prozess der künstlerischen Produktion selbst.

Nicht nur der rote Faden – auch die starre Beziehung zwischen der Kunst und ihrem Publikum wird angefochten: zum Beispiel durch die amerikanische Künstlerin Liz Magic Laser, die wir bereits in der art Starter-Serie vorgestellt haben. Sie gibt den Zuschauern in ihrer Performance und Videoinstallation "chase" ihre eigenen Rollen. Zusammen mit neun Schauspielern interpretierte sie Bertold Brechts Stück "Mann ist Mann" neu und führte es während der Öffnungszeiten in New Yorker Banken auf. Das Publikum, die Bankkunden, wurden selbst zu Darstellern. Selbst die Bankautomaten übernahmen die eine oder andere Rolle in "chase".

Die Ausstellung "What Were You Expecting, Mr. Milquetoast, a Plot?" ist vom 24. Januar bis 30. März 2014 im Badischen Kunstverein Karlsruhe zu sehen.

Cottbus: Gezeichnete Gärten

Die in Paris und Marseille lebende Künstlerin Stéphanie Nava arbeitet seit mehr als sieben Jahren an ihren "Gärten des Überlebens". Entgegen den meisten Menschen mit einem Hang zur Gartenarbeit tut sie dies jedoch nicht mit Schaufel und Harke, sondern mit Zeichenstift und Papier. Dabei zeigt sie, dass das Anlegen eines Gartens durchaus Analogien zum „Anlegen“ einer Zeichnung hat – beides sind Prozesse, die mit der Zeit wachsen. In ihrer Installation im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk stellt Nava Nutz- und Schrebergärten großen, ornamentalen Repräsentationsgärten gegenüber. Dabei nimmt sie auch Bezug auf den gesellschaftlichen Stellenwert und die politische Geschichte von Gärten.

Stéphanie Navas Einzelausstellung "Graben für den Sieg oder die Gärten des Überlebens" gehört zu einem thematisch verbundenen Ausstellungs-Trio. Neben Navas Arbeiten zeigt das Kunstmuseum Dieselkraftwerk ab dem. 25 Januar auch die Ausstellung "Von Andeutungen und Landschaften", die Landschaftsbilder von Carl Blechen und August Wilhelm Schirmer kontrastiert, und "Von Land (und Leuten)", mit 100 Werken aus der museumseigenen Sammlung zum Thema landwirtschaftliche Nutzung von Landschaft.

Das Ausstellungs-Trio "Gärten des Überlebens", "Von Andeutungen und Landschaften" und "Von Land (und Leuten)" ist vom 25. Januar bis 23. März 2014 im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen.

München: Improvisierte Kunst

In der Heimat des Künstlers Abraham Cruzvillegas, der Stadt Ajusco in der Nähe von Mexico City, entstanden in den sechziger Jahren viele Familienheime illegal und in Eigenregie. Aufgrund fehlender Mittel waren Baumaterialien und –techniken oft improvisiert. Verbaut wurde das, was man vorfand. So entstand auch der "Autoconstrucción", der Eigenbau, in dem Cruzvillegas aufwuchs. Schon als Kind lernte er, die Materialien, die er zufällig von der Straßen seiner Stadt auflas, auf überraschende Art und Weise zu verbauen. Heute ist der Eigenbau das Leitbild seiner Kunst.

Die letzten Jahren lebte und arbeitete Cruzvillegas an unterschiedlichen Orten in Europa, Asien und den USA. Die Werke, die während dieser Zeit entstanden, sind, bestehen nicht nur aus lokalen Fundstücken wie Wolle, Schafdung, Pappe und Sperrmüll – sie erzählen auch von den menschlichen Begegnungen, die Cruzvillegas auf seiner Reise erlebte.

Die Ausstellung "Abraham Cruzvillegas – The Autoconstrucción Suites" ist vom 25. Januar bis 25. Mai 2014 im Münchner Haus der Kunst zu sehen.

Berlin: Op-Art-Skulpturen

Die in Berlin lebende und arbeitende Künstlerin Angela Bulloch ist Mitte der neunziger Jahre mit ihren Pixelboxen – quadratischen, illuminierten Würfeln – bekannt geworden. Damals abstrahierte Bulloch die Idee des Pixels, der kleinsten Informationseinheit eines digitalen Bildes. In ihrer neuesten Arbeit geht es immer noch um digitale Systeme und Muster. Diesmal sind es jedoch keine Pixel, sondern Romben.

Bullochs Eizelausstellung "In Virtual Virto" in der Galerie Esther Schipper überrascht mit geometrischen Op-Art-Skulpturen. Je nach Perspektive ändern sich die Seitenverhältnisse der Rhomben, aus denen die Totem-ähnlichen Gebilde bestehen. Visuell wie auch konzeptionell orientiert sich die in Kanada geborene Künstlerin dabei am Werk Victor Vasarélys, dem Vater der dreidimensionalen Raute, und an der "endlosen Säule" Constantin Brancusis.

Die Ausstellung "Angela Bulloch – In Virtual Virto" ist ab dem 24. Januar 2014 in der Galerie Esther Schipper in Berlin zu sehen.

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