Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit bewaffneten Disney-Figuren, schmerzhaften Arcade-Spielen und Found-Footage-Filmen.

Karlsruhe: Tatort Luxuskaufhaus

Sie bewaffnet friedliche Disney-Figuren mit Kalaschnikows, verpasst Fliegerbomben Glanz und Farbe eines schrillen Nagellacks und macht aus Handfeuerwaffen, Granaten und Tretminen kombiniert mit bunten Schokodrops oder Pelzen Lustobjekte.

Die in Hannover und Budapest lebende Künstlerin Kata Legrady kombiniert in ihrer Ausstellung "Smart Pistols" Welten, die ferner voneinander nicht sein könnten: Gewalt und Luxus.

Legradys über 100 Skulpturen, Fotografien und Zeichnungen im Rahmen der Ausstellung "Smart Pistols" sollen gleichzeitig irritieren und Bewusstsein schaffen – dafür, dass die Luxusgüterindustrie zu einem der mächtigsten Wirtschaftszweige der Welt geworden ist. Und eben diese Wirtschaft profitiert von der Ausbeutung von Menschen in Billiglohnländern. Gewalt, Macht und westlicher Luxus liegen im Luxuskaufhaus nah beieinander.

Noch bis zum 30. März 2014 ist die Ausstellung "Smart Pistols" im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) zu sehen.

Basel: Schmerz- und Spaßsalon

Lust auf eine Runde "PainStation"? Möglicher Spielverlauf: zwei Peitschenhiebe, sechs Stromschläge und minutenlange Hitzeeinwirkung auf die gewünschte Hand. Dieser zugegeben etwas merkwürdige Spielautomat verursacht im Extremfall keinen Spaß, sondern Verbrennungen, Lähmungserscheinungen und Hämatome. Gewonnen hat, wer das vom Künstlerduo Volker Morawe und Tilman Reiff entworfene Duell am längsten aushält. Wer sich diesem Duell nicht gewachsen fühlt, kann sein Glück derweilen am "Radical ATM Service" von Frederico Lazcano und Iván Kozenitzky versuchen. Einziger Haken hier: Der Spieleinsatz ist Ihre EC- oder Kreditkarte.

Keine Sorge, der "SPIELSALON: Art & Arcade" hält auch schmerzfreie Spiele bereit. Alle dort ausgestellten Arcade-Spiele haben eines gemeinsam – sie wurden von Künstlern modifiziert, können von den Besuchern gespielt werden und bergen interessante Überraschungen.

Vom 16. Januar bis zum 16. März 2013 können die Spielautomaten im "SPIELSALON: Art & Arcade" im Haus für elektronische Künste Basel gespielt werden.

Hannover: Die Filmrecycler

Stellen Sie sich einen Film vor, der aus Weltraumszenen eines alten Science-Fiction-Films, Fragmenten eines Märchens, Szenen eines alten Schwarz-Weiß-Films und sakraler Musik besteht. Das klingt zunächst nach einem Trashfilm. Das deutsche Videokünstler-Duo Christoph Girardet und Matthias Müller beweist mit seiner Filmcollage "Meteor" aus dem Jahr 2011, dass genau dies nicht der Fall ist: In "Meteor" tauchen wir ein in die Welt eines träumerischen Jungen, die durch die Weltraumszenen eine farbige Erweiterung erfährt.

Seit 1999 produziert das Duo experimentelle Filmcollagen auf Grundlage von "found footage", bereits existierendem Filmmaterial. Dabei kombinieren sie Material verschiedenster Filmgenres und setzen es neu zusammen. In Gemeinschaftsarbeit entstehen so komplexe Filmcollagen – sie handeln von imaginären und realen Reisen, dem menschlichen Körper und von Sehen und Blindheit. "Meteor" und zehn weitere, unter anderem unveröffentlichte Videoinstallationen stellt der Kunstverein Hannover ab dem 11. Januar aus.

Zu sehen ist die Ausstellung "Tell Me What You See" vom 11. Januar bis 16. März 2014 im Kunstverein Hannover.

Leipzig: Psychischer Ausnahmezustand

"Bleiben oder gehen, essen oder nicht essen." – Nach der Tsunami-Katastrophe im März 2011 herrscht in Teilen Japans nicht nur ein physischer, sondern auch ein psychischer Ausnahmezustand. Letzterer ist eine unsichtbare Veränderung, die Bilder der Verwüstung allein nicht einfangen können. Das Künstlerduo Nina Fischer und Maron el Sani hat sich vor Ort auf die Suche nach eben diesen unscheinbaren und unsichtbaren Veränderungen im Leben der Menschen in Japan gemacht. Sie sprachen mit Flüchtlingen, die in temporären Notunterkünften leben, mit Tokioter Familien, die sich an den Alltag mit einem Geigerzähler gewöhnt haben und mit Künstlern, die die "Unbekümmertheit" von Japans Bevölkerung zum Thema eines Festivals im verstrahlten Fukushima machen.

Ergebnis ist "Spirits Closing Their Eyes", eine Videoinstallation, die auf drei Kanälen gleichzeitig Interviews, Porträts und Landschaftsaufnahmen zeigt. Die Installation bildet den Mittelpunk der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Eigen + Art Leipzig.

Vom 11. Januar bis zum 20. Februar 2014 ist die Ausstellung "Spirits Closing Their Eyes" in der Galerie Eigen + Art Leipzig zu sehen.

Hamburg: Die Reisestipendiaten

Der Verein "Neue Kunst in Hamburg" hat sich der Förderung junger Kunst verschrieben und vergibt seit 1997 jährlich vier bis sechs Reisestipendien an junge Künstlerinnen und Künstler aus Hamburg. Den Stipendiaten wird ein fünfmonatiger Auslandsaufenthalt mit abschließender Einzelausstellung ermöglicht. Der 13. Stipendienjahrgang ist nun heimgekehrt – samt neuen Werken, die während der Reise produziert worden sind. Reiseziele waren unter anderem Mexiko, Vietnam, Israel und Mazedonien. Entstanden sind Filme, Skulpturen und Fotoserien. Adnan Softic, zum Beispiel, beschäftigte sich in der mazedonischen Hauptstadt Skopje mit der "Fabrikation" von europäischer Geschichte. Mitgebracht hat er eine Fotoserie, die zeigt, wie unzählige neue Monumente mit klassischer Anmutung die Vergangenheit untermauern sollen.

Ausgestellt werden die Arbeiten aller Stipendiaten ab dem 11. Januar in den Galerien der Hamburger Fleetinsel. Die Einzelausstellungen werden kuratiert von Jakob Schillinger, der bereits Kurator des Programms der Galerie "Ludlow 38" in New York und der Ausstellung "based in Berlin" war.

Vom 11. bis zum 18. Januar 2014 stellen die Reisestipendiaten in den Galerien auf der Hamburger Fleetinsel aus: Christiane Blattmann in der Galerie Conradi, Annika Kahrs in der Galerie Katharina Bittel, Hans-Christian Lotz in der Galerie Karin Günther, Jochen Weber in der Produzentengalerie, Gerrit Frohne-Brinkmann und Philip Pichler in der Sfeir-Semler Gallery und Adnan Softic in der Galerie Mathias Güntner.