Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit einer Reise durch Europa, russischen Dämonen und Einblicken in amerikanische Problemzonen.

München – Auf Europatour

Mit dem venezianischen Maler Bernardo Bellotto kann man derzeit eine Tour durch europäische Großstädte zur Zeit der Aufklärung machen.

Bellotto, auch bekannt unter dem Künstlernamen Canaletto, malte ganz im Stil venezianischer Veduten Ansichten europäischer Städte wie Dresden, München oder Warschau. Hinter dem Schein der realistischen Momentaufnahme zeigen seine Gemälde aber idealisierte Stadtansichten. Erstmals seit 50 Jahren ist Bellottos Oeuvre so umfassend in Deutschland zu sehen. Die Münchner Ausstellung veranschaulicht außerdem seine verschiedenen Schaffensphasen – wie zum Beispiel seine Zeit in Dresden oder als Hofmaler in Warschau.

Die Ausstellung "Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa" ist vom 17. Oktober 2014 bis zum 18. Januar 2015 in der Alten Pinakothek in München zu sehen.

Rüsselsheim – Kein Kinderkram

Ihre Illustrationen waren bereits im "Guardian" zu sehen, im "Monde Diplomatique" und auch in der "New York Times". In Rüsselsheim sind aktuell Arbeiten der deutsch-amerikanischen Künstlerin und Schriftstellerin Nora Krug zu sehen. In kindlichem Stil zeigt sie so gar nicht kindliche Motive. In ihren Illustrationen aus der Reihe "Shadow Atlas" geht es um ganz konkrete Ängste, Religion und Glauben an Geister, wie dem russischen Hausdämon "Ovinnik". Auch der Zweite Weltkrieg ist Motiv ihrer Arbeiten. "Kamikaze" handelt von einem japanischen Selbstmord-Piloten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die Ausstellung "illust_ratio 5: Nora Krug" ist vom 11. Oktober bis zum 09. November 2014 im Stadt- und Industriemuseum in Rüsselsheim zu sehen.

Durbach – Getrennte Welten

40 Jahre lang verlief eine Mauer durch Deutschland: zwei Länder, zwei politische Systeme, zwei Kunstwelten. Zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls ist in Durbach nun Kunst aus den lange getrennten Welten zu sehen. Mehr als 180 Werke ost- und westdeutscher Künstler zeigen eindrucksvoll ein Stück deutsch-deutscher Kunstgeschichte. Während die Kunst im Osten durch das Regime eingeengt und vom sozialistischen Realismus geprägt war, konnte sich die Kunst im Westen relativ frei entfalten. Doch die Ausstellung "Getrennte Welten" zeigt auch Gemeinsamkeiten auf: Die ursprünglich aus Frankreich stammende Kunstströmung Informel war nicht nur in Westdeutschland, sondern auch in Ostdeutschland durch Maler wie Hans Christoph vertreten.

Die Ausstellung "Getrennte Welten. Formen des Eigensinns – Kunst in Ost und West vor der Wende" ist vom 18. Oktober 2014 bis zum 21. Juni 2015 im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach zu sehen.

Braunschweig – Amerikanische Problemzonen

Ghettoisierung und Gentrifizierung sind die Schlagworte unserer Zeit. Der in Chile geborene Fotograf Camilo José Vergara richtet seit mehr als 40 Jahren seine Aufmerksamkeit auf die Entwicklung amerikanischer Städte. Vor allem in Detroit und den New Yorker Vierteln Bronx, Brooklyn und Harlem war Vergara unterwegs. Über Jahrzehnte kehrte er immer wieder an dieselben Orte zurück und fotografierte die sogenannten Problemviertel.
Vergaras soziologische Fotografie dokumentiert die Veränderung der Architektur und des Lebens in den urbanen Problemzonen Nordamerikas. Eine Auswahl von mehr als 180 Aufnahmen bietet in Braunschweig einen umfassenden Einblick in amerikanische Stadtentwicklung und Vergaras Werk.

Die Ausstellung "Camilo José Vergara: Tracking Time – Documenting America's Post-Industrial Cities" ist vom 17. Oktober 2014 bis zum 28. Dezember 2014 im Museum für Photographie in Braunschweig zu sehen.

Köln – Kriegserfahrungen

Der Beginn des 20. Jahrhunderts war geprägt durch Krieg. Kaum verwunderlich also, dass Gewalt, Zerstörung und Zäsur auch die damaligen Künstler beschäftigten. Mehr als 100 Werke von Käthe Kollwitz und den Expressionisten Otto Dix, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und anderen sind in der Kölner Ausstellung "Apokalypsen" zu sehen.
Beklemmend sind ihre Arbeiten und doch sehenswert.
Die Ausstellung versammelt Werke, die die Erfahrungen der Künstler wie Dix, Kirchner oder Pechstein an der Front erzählen. Aber auch die Daheimgebliebenen haben ihre Erfahrungen künstlerisch verarbeitet. Die Holzschnitte von Käthe Kollwitz zeigen den Krieg aus der Sicht der Mutter eines Soldaten. Ihr jüngerer Sohn Peter starb im Ersten Weltkrieg in Flandern.

Die Ausstellung "Apokalypsen – Daheim und an der Front. Käthe Kollwitz, die deutschen Expressionisten und der Erste Weltkrieg" ist vom 17. Oktober 2014 bis zum 11. Januar 2015 im Käthe Kollwitz Museum in Köln zu sehen.