Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit der Illusion des Zufalls, Drogenmalerei und einer zeitgenössischen Skulpturen-Biennale.

Augsburg: Wahrnehmung von Welt und Wirklichkeit

Fast malerisch sehen die Negative aus auf denen sich Heroin, MDMA und LSD befinden. Sattes Violett mischt sich mit Türkis und die Mischung aus Engelstrompete und GBL sieht aus wie eine kleine Wolke.

Die Künstlerin Sarah Schönfeld betreibt Drogenmalerei. Sie beobachtet die Wirkung von psychotropen Substanzen, Medikamenten und Giften. Aber, anders als erwartet, nicht direkt auf den Menschen, sondern auf die Emulsion eines Fotonegativs. Drogen und Fotografie repräsentieren zwei zeitgenössische Erklärungsmodelle von Wirklichkeit. Die Fotografie bietet einen vermeintlich objektiven Zugriff auf die äußere Welt. Sie scheint eindeutige Informationen über die Wirklichkeit zu geben.
Die Droge hingegen verspricht einen konsumierbaren Zugang zu Rausch, Ekstase, Bewusstseinsveränderung oder gar Heilung. Die chemischen Bausteine dieser beiden Möglichkeiten bringt Sarah Schönfeld direkt, humorvoll und spielerisch miteinander in Verbindung. Sie untersucht die Wahrnehmung von Welt und Wirklichkeit. Die entstehenden Bilder docken an unsere inneren assoziativen Bilder an: So sind es Planeten, Zellen, Querschnitte von Kristallen, Landschaften oder Embryos, die diese Experimente zum Vorschein bringen.



Die Ausstellung "All you can feel (and what does it look like?)" ist vom 12.Mai bis 23. Juni 2013 im Kunstverein Augsburg zu sehen

Hannover: Ergebnis des Zufalls

Die Künstlerin Niki de Saint Phalle nimmt ein Luftgewehr, zielt und drückt ab. Wenige Sekunden später platzen die Kugeln auf eine Gipsoberfläche, unter der de Saint Phalle Farbbeutel platziert hat. Das Zerbersten der Oberfläche und das Auslaufen der verschiedenen Farben war nicht vorhersehbar.
"Zufälle gibt es nicht. Nur die Illusion des Zufalls", sagen die Einen. Die Anderen sind Künstler und wollen wissen, wann der Zufall als willkommener Gehilfe genutzt wird, wann er bei einer Komposition zerstört, transformiert oder konstruiert. Welche Rolle spielt der Zufall in der Kunst? Kurt Schwitters Collagen sind Fehldrucke aus Druckereien, bei denen er lediglich den Ausschnitt bestimmte, bevor er diese zur Kunst erklärte. Die Ausstellung "Purer Zufall" im Sprengel Museum Hannover widmet sich dem Thema unter verschiedenen Perspektiven und aus ganz unterschiedlichen Bereichen : Malerei, Plastik und Grafik. Die 70 Exponate sind unter anderem von Max Ernst, Gerhard Richter und John Cage, die alle als "Handlanger des Zufalls" inszenieren und ausstellen.



Die Ausstellung "Purer Zufall – Unvorhersehbares von Marcel Duchamp bis Gerhard Richter" ist vom 15. Mai bis 15. September 2013 im Sprengel Museum Hannover zu sehen

Cottbus: Vergessene Freigeister

Die Kuratorin Ulrike Kremeier spricht von der sogenannten "Verschollenen Generation", von jenen Künstlern die in den zwanziger Jahren mit expressiver Ausdruckskraft und politischem Freigeist auf sich aufmerksam gemacht hatten.
Ein großer Teil der Künstlergeneration fiel dem Vergessen anheim. Erst in den neunziger Jahren wurden einige dieser Persönlichkeiten und deren Werke wieder entdeckt und erfahren seitdem eine zunehmende wissenschaftliche Aufarbeitung und steigende Wertschätzung beim Publikum und in Sammlerkreisen. Nun zeigt das Kunstmuseum Dieselkraftwerk die Ausstellung "Von der Secession in die Moderne". Es werden zahlreiche Leihgaben aus deutschen Privatsammlungen gezeigt, die einen faszinierenden Bogen spannen: Kunst von Jugendstil und Secession bis zu Expressionismus und neuer Sachlichkeit. Einige der Hauptvertreter der gegenständlichen Kunst, die zu den gefragtesten und erfolgreichsten Künstlern ihrer Zeit in Deutschland gehörten, sind dort vertreten und prägten zwischen 1900 und 1930 zukunftsweisend Ausstellungen mit Ihren Werken. Unter anderem Hans Unger, Werner Hoffmann oder Eduard Bagheer.


Die Ausstellung "Von der Secession in die Moderne" ist vom 12. Mai bis 18. August 2013 im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen

Bonn: Psychoanalytische Durchleuchtung

Eine kleines verlassenes Holzhaus, nicht mehr als eine Hütte. Über und über von einer dicken Schicht Eis überzogen. Ein gedeckter Platz am Tisch, verschmutztes Geschirr im Spülbecken und der offene Herd lassen vermuten, dass diese Eiskatastrophe urplötzlich über das Haus hereingebrochen sein muss. Gekonnt inszeniert der Videokünstler Chris Larson, wie Räume und das eigene Ich unsicher werden. Er ist einer von 23 Künstlern, die bei der Ausstellung "Heimsuchung – Unsichere Räume der Gegenwart" ins Kunstmuseum Bonn geladen haben. "Zu Hause ist es am Schönsten" heißt es. Doch entspricht das wirklich der Realität? Was wenn der Schutz des eigenen Heimes bricht und man heimgesucht wird von düsteren Gedanken, man seiner selbst nicht mehr sicher ist? Statt der glücklichen und geborgenen Räume thematisiert die Ausstellung ihr Entgleiten, ihr fremd und unheimlich werden in Form von Skulpturen, Installationen und Bildern. Die zeitgenössischen Arbeiten reagieren auf eine Welt, in der die Trennung zwischen Innen und Außen weniger denn je zu ziehen ist und der Mensch das Vertrauen in sich und sein schützendes Zuhause verloren hat.


Die Ausstellung "HEIMsuchung – Unsichere Räume in der Kunst der Gegenwart" ist vom 9. Mai bis 25. August 2013 im Kunstmuseeum Bonn zu sehen

Köln: Künstlerische Vielschichtigkeit

Wohin das Auge sieht, zeichnet sich eine grüne Parklandschaft ab. Mitten darin stehen demolierte, anthrazitfarbene Straßenpoller, die an einer Wegkreuzung, poetisch-skurril, als Gruppe aufgestellt wurden. Formal-ästhetisch fügen sie sich in die Natur ein. Diese Skulptur ist von der Künstlerin Bettina Pousttchi, die jene beschädigte Pfosten aus der Elisabethenstraße in Berlin mitgebracht hat. Die Formation ist Teil der siebten Ausgabe des Skulpturenparks in Köln, der im Rhythmus von zwei Jahren aktuelle Positionen der zeitgenössischen Skulptur vorstellt. 13 international renommierte Künstlerinnen von Karin Sander bis Susan Hiller präsentieren hier ihre Werke und haben in Köln eine kleine Skulptur-Biennale inszeniert. Die vergoldete Bronzekugel, die fast anmutig zwischen Bäumen steht, ist von dem Künstler James Lee Byars (1933-1997), der sich intensiv mit dem Zen-Buddhismus auseinandergesetzt hat. Seine Erkenntnisse übertrug er in sein künstlerisches Schaffen, das eine Symbiose aus Konzeptkunst und Minimalismus darstellt. Seit der Gründung im Jahr 1997 verändert der Skulpturenpark immer wieder sein Erscheinungsbild und bietet den Besuchern Zeit zum Verweilen und Momente der Betrachtung unterschiedlicher Materialien.

Die Ausstellung "KölnSkulptur#7" ist von Mai 2013 bis Mai 2015 im Skulpturenpark Köln zu sehen