Gib mir fünf! - Tipps

Tipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit Walker Evans' Lebenswerk, finnischen Künstlern und deren Zeitgefühl, einem kunstvollen Trio, Meisterwerken aus dem alten Ägypten und einer Bemerkung zur Fotografie

Frankfurt am Main – Alles eine Frage der Zeit

Seitdem Zeit als solche existiert, haben sich Menschen darüber den Kopf zerbrochen. Wieso vergeht sie, wie kann man sie anhalten, verlangsamen, beschleunigen?

Es sind Fragen, die vor allem Philosophen auf Hochtouren bringen. Aber auch Künstler haben ihre Freude, sich mit diesem doch meist theoretischen Feld auseinanderzusetzen. Und obwohl heutzutage die meisten Menschen immer weniger Zeit haben, sollte man sich doch die Zeit nehmen, eine Ausstellung zu besuchen, die sich mit Zeit auseinandersetzt.

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse und dessen Ehrengastland, Finnland, zeigt der Kunstverein acht finnische Künstler, die Themen rund um die Uhr mithilfe von Videos, Malerei und Installationen thematisieren. Besonders wichtig ist dabei der Besucher: Er bestimmt mit seiner individuellen Wahrnehmung, wie schnell oder wie langsam die Zeit für ihn vergeht. Es ist auch legitim, dass man nicht gleich versteht, was ein Taschenmesser und eine Erdnuss mit Zeit zu tun haben. Der Künstler Mikko Kuorinki möchte damit zeigen, wie sich banale Dinge in Räumlichkeiten verändern, wenn sie in einer anderen Zeit an einem anderen Ort ausgestellt werden. Der Besucher sollte also ein paar Stunden mitbringen und sich auf die Kunst einlassen, um vielleicht ein neues Zeitgefühl zu erleben.

Die Ausstellung "Matters of Time – Artists from Finnland" ist vom 25. Juli bis zum 10. Oktober im Frankfurter Kunstverein zu sehen.

Salzburg – Auf den Punctum gebracht

Salzburg, eine Stadt, die in diesen Tagen viel Kultur auf dem Programm hat. Zu den Salzburger Festspielen bieten gerade jetzt die umliegenden Galerien und Museen vielversprechende Ausstellungen. So auch der Kunstverein Salzburg. Er öffnet in diesen Tagen seine Türen für eine Punktlandung, eine Fotografie-Punktlandung. 50 Ausstellungsobjekte wurden von mehreren Künstlern, Kuratoren und Schriftstellern ausgewählt und beschäftigen sich mit der Frage, wie heutige Fotografie wirkt. Wie kann sie sich, im heutigen Zeitalter der Masseninformationen, beweisen? Neben begleitenden Lesungen gibt Roland Barthes darauf Antwort mit dem von ihm eingeführten Begriff "punctum". Dabei geht es um einen bestimmten Aspekt in der Fotografie, der es schafft, den Betrachter zu fesseln oder zu verscheuchen. Eine große Debatte, die spannend ist und bei der jeder mitreden kann. Will die Frau auf dem Rücksitz des grünen Autos zurückbleiben, oder ist sie froh zu entkommen? Ist der Mann an dem Baum nur ein Reisender, und wenn ja, wieso fesselt er den Blick des Betrachters, wo doch der Baumstamm die Bildfläche dominiert? Anregende Fragen, denen man sich im Kunstverein in Salzburg stellen kann.

Die Ausstellung "Punctum – Bemerkung zur Photografie" ist vom 25. Juli bis zum 21. September im Kunstverein in Salzburg zu sehen.

Völklingen – Von Göttern und Menschen

Geheimnisvoll und faszinierend: Das Leben der alten Ägypter ist zwar längt vergangen, aber noch lange nicht vergessen. Zu majestätisch stehen die Pyramiden, zu anziehend sind die bemalten Sarkophage und fein erarbeiteten Goldmasken der dynastischen Herrscher. Das Volk am Nil ist neben den handwerklichen und medizinischen Talenten vor allem für seine Kunsttätigkeit bekannt. Das beweisen noch heute erhaltene Wandzeichnungen, Dekorationen und Schmuckstücke aus Edelsteinen.

Um also das Ägypten des Altertums wiederzuerwecken, stellt eines der relevantesten Museen für ägyptische Sammlungen, das Museo Egizio in Turin, seine 250 besten Stücke für eine Ausstellung in Deutschland bereit. In der Völklinger-Hütte im Saarland werden Schmuckketten aus wertvollem Gold, feinbemalte Holzkunst sowie Abbildungen ägyptischer Pharaonen und Götter sechs Monate lang ausgestellt. Die Ausstellung schickt somit ihre Besucher auf eine 6000-jährige Zeitreise und haucht einer vergangenen Kultur wieder Leben ein.

Die Ausstellung "Ägypten – Götter. Menschen. Pharaonen. Meisterwerke aus dem Museo Egizio Turin" ist vom 25. Juli bis zum 22. Februar 2015 in der Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu sehen.

Hannover – Gruppendynamik

Drei Musketiere, drei Fragezeichen – aller guten Dinge sind eben drei. Warum also nicht auch in der Kunst? Die Kestnergesellschaft in Hannover gibt darauf jetzt Antwort und zeigt ein Trio, das in dieser Konstellation Premiere feiert: Andreas Gursky, Neo Rauch und Jeff Wall. Für den Direktor der Kestnergesellschaft, Veit Görner, seien diese drei Größen unter einem Dach "wie das WM 1:0 von Götze". Aber was macht die Kombination so besonders? Sie alle haben in ihrer Kunst eigentlich andere Ansätze, andere Herangehensweisen und dennoch verbindet sie die Auseinandersetzung mit bestimmten figurativen Motiven. Und mit Inszenierungen. Nicht alles Gesehene ist Zufall, soll aber wie ein beiläufiger Schnappschuss wirken. Und das Verbindet die drei Zeitgenossen – das Spiel mit Zufall, Montage und Körperlichkeit.

Im Fokus der Ausstellung stehen Skulpturen und Fotografien. Sie laden den Besucher ein, das Gesehene zu hinterfragen und stellen auch das Gehirn vor eine Herausforderung. Normalerweise nimmt man Fotografien als authentisch wahr, aber nicht immer sind sie das. Gurskys fiktives Museum in seiner Arbeit „Lehmbruck I“ zeigt, wie eine Ausstellung und deren Besucher gesehen werden können. Sogleich entsteht etwas Absurdes: In dem Moment wird der reguläre Besucher selbst Teil der Arbeit und kann sich fragen, ob er auch so aussieht, wie Gursky es interpretiert und darstellt.

Die Ausstellung "Andreas Gursky | Neo Rauch | Jeff Wall" ist vom 25. Juli bis zum 26. Oktober in der Kestnergesellschaft in Hannover zu sehen.

Berlin – Ein Lebenswerk

Mit seiner Arbeit wollte er weder die Welt verbessern, noch wollte er sie dokumentieren. Wie auch, wenn seiner Meinung nach die Kamera immer lügt. Und dennoch – Walker Evans gilt als der Dokumentarfotograf des 20. Jahrhunderts. Mit dem Auftrag, die Auswirkungen des schwarzen Freitags 1929 und dessen Gesellschaft zu fotografieren, wurde er bekannt und beliebt. Es gelang ihm, in seinen Bildern etwas einzufangen, das vor ihm so noch keiner geschafft hat: das Echte.

Im Rahmen der Berliner Festspiele wird jetzt im Gropius-Bau das Lebenswerk des Fotografen mit den 200 bedeutendsten Arbeiten gezeigt. Evans Themenrepertoire reicht von Einzelporträt, bis Massenfotografie, bis zu starren Architekturmotiven. Bei Evans kann es dabei vorkommen, dass ein Gebäude mehr Dynamik hat, als das Porträt einer Frau. Es kommt eben immer auf die subtilen Emotionen an. Die Bilder der Ausstellung sind kontrastreich, einige sind emotional, andere starr. Aber am Ende passiert genau das, was der Künstler nie wollte: Seine Werke sind zur Dokumentation geworden, nämlich der über sein eigenes Leben und Schaffen.

Die Ausstellung "Walker Evens – Ein Lebenswerk" ist vom 25. Juli bis zum 09. November im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen.