Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit abgespacedter Videokunst, Erinnerungsbewältigung und axonometrischen Rätseln.

Hannover: Villa Minimo

Mit Samuel Henne, Anahita Razmi und Fabian Reimann versammelt der Kunstverein Hannover seine Atelierstipendiaten 2010/12 und stellt ihre Arbeiten aus, die in der "Villa Minimo" entstanden sind.

Während Samuel Henne skulpturale Objekte aus Alltagsgegenständen wie Wäscheklammern, Putzutensilien und Zeitungen in die Fotografie überträgt, benutzt Fabian Reimann Installationen, Text, Malerei und Fotografie, um doppeldeutige Lebensgeschichten von Spionen und Agenten des Kalten Krieges und ihrer Rolle in der Gesellschaft zu erzählen. Anahita Razmi indessen ist Hauptprotagoinstin ihrer Videos und Fotografien, die das Konfliktpotential in Wertvorstellungen und Politik zwischen Orient und Okzident behandeln. So setzt sie etwa Trisha Browns "Roof Piece" von 1973 aus New York ins heutige Teheran.

Die Ausstellungen "Samuel Henne – Formationen", "Anahita Razmi – Swing State" und "Fabian Reimann – Amateur und Überflieger" sind vom 16. Februar bis zum 31. März im Kunstverein Hannover zu sehen. Die Eröffnung findet am 15. Februar um 20 Uhr statt.

Bonn: Videonale.14

Eine Künstlerin, die eine Transformation zum Gespenst durchläuft (Bridget Walker), eine weibliche Monarchie auf einem Planeten, der die Form eines nackten Frauenkörpers hat (Frances Scholz), eine Doku über Tötungsfantasien (Michal Kosakowski), eine Geschichtsstunde der letzten 60 Jahre in sieben Minuten (Toby Huddlestone) und eine Dokumentation über die Aufzucht von "Mondgänsen" (Agnes Meyer-Brandis) – was sich nach viel Fantasie, Drama, Humor und Science-Fiction anhört, ist Videokunst auf hohem Niveau. Über 2000 internationale Beiträge junger und bereits renommierter Videokünstler gingen für die "Videonale.14" ein, von denen 41 von der Jury ausgesucht wurden. Die Videonale findet seit 1984 alle zwei Jahre statt und bietet neben den Videos, die im Kunstmuseum Bonn gezeigt werden, ein weites Rahmenprogramm.

Die "Videonale.14" ist vom 15. Februar bis zum 7. April im Kunstmuseum Bonn zu sehen.

Langenhagen: Was in Erinnerung bleibt

Was damals war, währt heute nimmer mehr – betrachtet man Maya Schweizers Filme, könnte man meinen, dass sie die Vergangenheit in die Gegenwart zurückzuholen versucht. Dabei setzt die französische Künstlerin Vergangenes nur in Bezug zur heutigen Zeit, indem sie etwa in "Passing down, frame one" ihre Großmutter erzählen lässt, wie diese 1944 der Deportation durch die Nazis entging, und dem ihren eigenen Alltag als Künstlerin und Mutter im heutigen Berlin gegenüberstellt. In "Ein Denkmal, eine Synagoge, eine Brücke und eine Kirche" leistet sie eine andere Art der Erinnerungsarbeit und erzählt die seltsame Geschichte der "Neuen Brücke" in Bratislava und der Bauwerke um sie herum.
Der Kunstverein Langenhagen zeigt zum 50. Jubiläum des Élyséevertrages zur deutsch-französischen Freundschaft vier ihrer Videos.

Die Ausstellung "Maya Schweizer – Edith Seeshow`s Notes" ist bis zum 31. März im Kunstverein Langenhagen zu sehen.

Köln: Axonometrie und Folklore

Die Axonometrie müsste jeder von uns noch aus der Schule kennen: Zeichnungen von Würfeln, Zylindern oder auch Möbeln, die die Dreidimensionalität von Objekten veranschaulichen. Thea Djordjadze, die 1971 in Georgien geboren wurde und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, fertigt Stahl- und Holzkonstruktionen, die mit ihren wechselnden Richtungen und Längenverhältnissen anmuten, als hätte sie mit Bleistift und Geodreieck freihändig axonometrische Zeichnungen in die Wirklichkeit, in den leeren Raum übertragen. Verwebt mit Objekten aus Holz und Ton oder Teppichstücken, Gips und Glasscheiben erzählen ihre Konstruktionen architektonische Rätsel und Geschichten von der Folklore Georgiens und der Uniformität moderner Großstädte.

Die Ausstellung "Thea Djordjadze – november" ist vom 16. Februar bis zum 31. März im Koelnischen Kunstverein zu sehen. Die Eröffnung findet am 15. Februar um 19 Uhr statt.

Frankfurt: Gedeckte Tafel

Vergleicht man Andrea Büttner mit anderen Künstlern, fallen sogleich Namen wie Martin Kippenberger, Rosemarie Trockel oder Hanne Darboven. Gemein ist ihnen der konzeptionelle Ansatz. Büttner, die im letzten Jahr auf der Documenta 13 mit einer crossmedialen Rauminstallation vertreten war, baut ihre damalige Installation im MMK Zollamt weiter aus. Im Zentrum steht eine 20 Meter lange Tafel, die statt mit Speis und Trank mit Fotografien und Texten, also mit Bild und Information gedeckt ist. An ihr sollen die gemeinen Vorstellungen von "arm" und "reich" sowie der Produktion von Kunst überdacht werden. Während der Ausstellungszeit kommt der Sound eines "Gastmahls" mit Tischreden über Geld, Kunst und Poesie hinzu, an dem sich auch Food-Aktivistin Claire Pentecost beteiligt.

Die Ausstellung "Andrea Büttner" ist vom 16. Februar bis zum 21. April im MMK Zollamt in Frankfurt am Main zu sehen. Der Eintritt ist während der Ausstellungsdauer kostenlos. Die Eröffnung findet am 15. Februar um 19 Uhr statt.