Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit harter Arbeit auf dem Land, einem verrückten Illustratoren-Duo und Berliner Meisterschülern.

Köln/Düsseldorf: Saisoneröffnung der Galerien

Dass Düsseldorf und Köln erklärte Konkurrenten sind, ist kein Geheimnis. Dieser Zwist gilt allerdings nicht für die Kunst der beiden Rheinstädte: Zum fünften Mal tun sie sich zum Auftakt der Galeriensaison zusammen.

Die "DC Open" zeigen in diesem Jahr wieder offene Galerien, mit Kuratoren- und Sammlerführungen und Präsentationen auf hohem künstlerischem Niveau. Sowohl für Kunstinteressierte als auch für Kunstschaffende sind die "DC Open" internationaler Treffpunkt für Austausch und Inspiration.

Ein Shuttlebus verbindet beide Städte und ihre Galerien an diesem Wochenende. So gelangt der Besucher unter anderem von den abstrakten Werken David Reeds (Galerie Schmidt Maczollek), voller Schwingung und Bewegung, zu den digitalen Fotogrammen Thomas Ruffs (Konrad Fischer Galerie). Insgesamt beteiligen sich 50 Galerien an dem „Wochenende zur Saisoneröffnung“. Hinzu kommen die Museumsvereine aus der Umgebung sowie Ausstellungsmacher, Kunsthistoriker und Sammler aus Warschau und Istanbul.

Die DC Open finden vom 6. bis zum 8. September in 50 Galerien in den Rheinstädten Köln und Düsseldorf statt. Shuttlebusse bringen die Besucher von der einen in die andere City

Münster: Harte Arbeit

Frankreich, Ende 19. Jahrhundert – während das Großstadttreiben immer lauter und hektischer wird, ist der Alltag auf dem Land noch immer von harter körperlicher Arbeit geprägt.
Den Besucher der Sonderausstellung "Camille Pissarro – Mit den Augen eines Impressionisten" im Münsteraner Kunstmuseum Picasso erwartet eine facettenreiche Zeitreise in die Belle Époque. Auf dieser Reise in die Vergangenheit taucht der Besucher in den französischen Alltag um die Jahrhundertwende ein und betrachtet ihn aus der Sicht eines Künstlers, der zu den bedeutendsten französischen Impressionisten gezählt wird. Camille Pissarro, über den Paul Cézanne einst sagte "Pissarro war wie ein Vater für mich...", gilt mit rund 200 Werken als einer der produktivsten und innovativsten Vertreter dieser Stilrichtung.

Pissarro illustriert jenen Alltag in einzigartiger Art und Weise und nimmt insbesondere durch die natürliche und authentische Darstellung der ländlichen Bevölkerung jener Zeit eine Sonderstellung unter den Impressionisten ein.
Die Ausstellung zeigt fast 100 Werke aus fast allen Schaffensphasen und gibt damit einen imposanten Überblick über Pissarros künstlerische Spannbreite. Die der Pariser Bibliothèque Nationale de France (BNF) entliehenen Werke sind in derart geschlossener Form in Deutschland erstmalig zu erleben.

Die Ausstellung "Camille Pissarro – Mit den Augen eines Impressionisten" ist vom 7. September bis zum 17. November im Kunstmuseum Picasso in Münster zu sehen

Berlin: Sprungbrett

Dem Nachwuchs eine Bühne: Das Pilotprojekt "Berlin Masters" in der Galerie Arndt stellt in diesem Jahr zum ersten Mal die vielversprechendsten Meisterschüler der beiden Berliner Kunsthochschulen vor. Die Gruppenschau bietet den Absolventen der Universität der Künste und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Raum für einen kreativen Austausch, aber auch die Chance, international bekannt zu werden. So auch die Intention des Galeristen Matthias Arndt, der die Ausstellung gemeinsam mit den Nachwuchskuratorinnen Lydia Korndörfer und Lisa Polten konzipierte.

Fotografien, Skulpturen und Malerei der zehn bis 15 vorgestellten Künstler warten zu einem großen Teil zum ersten Mal auf einen Auftritt in einer international etablierten Galerie. Unter anderem stellen hier Julius von Bismarck (UdK), Marco Pezzotta (KH Weißensee) und Luca Vanello (UdK). Wer gut ankommt, dem winkt der Einstieg in den nur noch schwer erreichbaren Kunstmarkt. Mit diesem Konzept dient "Berlin Masters" auch als Warm-Up für die „Berlin Art Week“ sowie als Rückschau auf die Rundgänge der Kunsthochschulen.

Die Gruppenschau "Berlin Masters" ist vom 7. bis zum 24. September in der Galerie Arndt in Berlin zu sehen

Basel: Form und Farbe

Vertikale Linien kreuzen die horizontalen, bilden viereckige Flächen, eine strenge Geometrie. Diese füllt der Künstler mit knalligen Farben, mit rot, blau und gelb, und den Nichtfarben schwarz, weiß und grau. Ausschließlich. Piet Mondrians neoplastizistische Tafelbilder entstanden ab 1919 in Paris. Sie sollten das "reine Sehen des Universalen" offenlegen. Dass diese Werke des niederländischen Malers den Betrachter in eine "sinnlich makellose Welt" versetzten, behauptete der Amerikaner Barnett Newman.

In der Chronologie der Ausstellung "Piet Mondrian – Barnett Newman – Dan Flavin" im Kunstmuseum Basel folgen Newmans riesige Farbflächen auf Mondrians farbige Vierecke. Bei ihm ordnet sich die Farbe nicht unter, steht ganz für sich allein und kann sich so von allen Prinzipien lösen.
Dan Flavins Farbkompositionen hingegen entstehen nicht durch Malerei, sondern werden von handelsüblichen Leuchtstoffröhren als buntes Licht in den Raum geworfen. Sie sind dem alltäglichen und industriellen Umfeld gewidmet und ermöglichen eine neue Wahrnehmung der Umgebung, in der sie stehen. Auch der Betrachter selbst wird zum Kunstobjekt, wenn seine Haut und Kleidung ihr Aussehen in Flavins Licht verändern.

Werke von Piet Mondrian, Barnett Newman und Dan Flavin sind vom 8. September bis zum 19. Januar im Kunstmuseum Basel, zu sehen

Hamburg: Kreative Reklame

Es trafen sich im Jahre 2011 ein Naturfreund und ein Wissenschaftler. Sie erkannten, dass sie beide sich zuhause fühlten in Design, Illustration, Literatur, Musik und Produktentwicklung. Ihre gemeinsamen Leidenschaften machten ein Team aus ihnen: "Rocket & Wink". Unter diesem Label versorgen die beiden Kreativköpfe die Städte der Republik mit Plakaten, produzieren das monothematische Heft "Whatever" unter Eigenregie, und bieten sowohl den großen Marken als auch den unabhängigen Namenlosen Ideen für einschlagende Werbung.

Das Künstlerduo tritt dabei immer maskiert auf den Plan, will, im Gegensatz zur Werbung, nicht ins Auge fallen. Darum trägt Dr. Gerald "Rocket" Rocketson immer einen Helm, während Mr. Wink immer einen Jutesack über den Kopf gezogen hat – Whatever. Die im Museum für Kunst und Gewerbe gezeigten Drucke reagieren auf urbane Strömungen, fangen junges Gedankengut, Trends und Modeerscheinungen ein. Umgesetzt werden die auf ganz unterschiedliche Weise, traditionell per Siebdruck und Holzschnitt, oder mit modernen digitalen Verfahren. Darunter sind Arbeiten für die Bands Seeed und Beatsteaks, für fritz kola, smart, Universal und Warner Music.

Die Ausstellung "Whatever. The Art of Rocket & Wink" ist vom 6. September bis zum 1. Dezember im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen