Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit dem Mythos der Jugend, den Fesseln der Architektur und Werken, die in den Himmel wachsen.
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

„Ich finde es interessant, darüber nachzudenken, was es heißt, in Räumen zu sein und wie Räume uns beeinflussen“. Monica Bonvicini: "Scale of Things (to come)", 2010

Mainz: Räume mit Hindernissen

Ständig und überall wird gebaut, abgerissen oder ausgebessert. Urbane Räume entstehen, ob wir damit einverstanden sind oder nicht spielt meistens keine Rolle.

Die mit den ungefragt entstehenden Räumen einhergehende Herrschaft und Repression beschäftigen die Künstler Monica Bonvicini und Sterling Ruby in der Kunsthalle Mainz. Speziell mit Gefängnisarchitektur, der Speerspitze repressiven Bauens, setzen sich die Werke von Bonvicini und Ruby auseinander. Dabei geht es den Künstlern auch immer um Fragen der Macht und der psychischen Wirkung auf den Menschen.

In der Mainzer Ausstellung "Monica Bonvicini & Sterling Ruby" zeigt die in Berlin lebende Künstlerin Bonvicini monumentale Treppen, womit sie sich auf den Maler Tintoretto und architektonische Zwecklösungen bezieht. Kunst versteht die Italienerin dabei als Möglichkeit zur Revolte gegen die bestehenden Formen und als Versuch, den Raum neu zu denken. Sterling Ruby hingegen thematisiert die Psychologie des Raumes und zeigt in der Kunsthalle Mainz archaisch zerstörte Ensembles aus Kuben, Plattformen und Sockeln. Bei seinen Arbeiten verbindet Ruby Aktionismus mit Street Art, Verschwendung und Punk mit Kult und Melancholie.

Die Ausstellung "Monica Bonvicini & Sterling Ruby" ist in der Kunsthalle Mainz vom 25. Oktober 2013 bis zum 2. Februar 2014 zu sehen.

München: Happy Birthday

"Zur Führung meiner ersten Medienkunstausstellung kamen gerade mal vier Leute", gesteht Kuratorin Ingvild Goetz in einem Interview in der Novemberausgabe von art, die am 25. Oktober erscheint. Diese erste Ausstellung ist nunmehr 20 Jahre her: 1993 beschloss Ingvild Goetz mit dem Bau des Museums von Herzog & de Neuron in München ihre private Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Glück, denn "inzwischen hat sich das geändert. Wenn ich heute Videos zeige, habe ich mehr Besucher als in normalen Ausstellungen". Wenn das kein Grund zum Feiern ist.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens lädt die Ausstellung "Happy Birthday! 20 Jahre Sammlung Goetz" diese Tage in München und zeigt mehr als 50 Arbeiten, die lange Zeit oder noch gar nicht in Ausstellungen zu sehen waren, geschaffen von zehn älteren Kunstpersönlichkeiten wie George Segal oder William Copley. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt dabei auf dem Werk von Louise Bourgeois, von der Arbeiten aus nahezu allen Schaffensphasen gezeigt werden. Aber auch Skulpturen und Gemälde von Yahoi Kusuma, die an einer Nervenkrankheit leidet und von ihren inneren Bildern inspiriert wird, sind ein Bestandteil der Ausstellung, die einige Neuentdeckungen in spannungsreicher Gegenüberstellung liefert.

"Happy Birthday! 20 Jahre Sammlung Goetz" ist vom 24. Oktober 2013 – 12. April 2014 in der Sammlung Goetz in München zu sehen.

Nürnberg: Noch immer ein Kind

Eine große Ironie des Lebens besteht vermutlich darin, dass Kinder oft davon träumen, endlich erwachsen sein zu können, während viele Erwachsene sich dann doch nichts sehnlicher wünschen, als die Früchte der Jugend zurückgewinnen zu können. Warum versucht eine Gesellschaft – körperlich wie mental – jung zu bleiben?

Antworten versucht nun die Ausstellung "Forever young. Über den Mythos der Jugend" der Kunsthalle Nürnberg zu finden. Psychologisch vielschichtige Darstellungen der Kindheit und Jugend werden von zeitgenössischen Künstlern und Künstlerinnen wie Martin Brand oder Andy Hope 1930 präsentiert. Ihre Werke erzählen nicht nur von der unbeschwerten Verspieltheit der Kindheit oder den Fragen jugendlicher Identitätssuche, sondern spiegeln auch Angst, Machtlosigkeit und Einsamkeit wider. Charakteristische Handlungsorte wie das Jugendzimmer oder der Spielplatz, sowie die Helden der Jugend finden ebenfalls in der Ausstellung statt, in der alle Gattungen an Ausstellungsformen und Installationen vertreten sind.

Anlass für die internationale Gruppenausstellung ist der diesjährige 100. Geburtstag des Gebäudes der heutigen Kunsthalle Nürnberg, die damit wohl zeigen möchte, dass sie noch lange nicht zum 'alten Eisen' gehört...

"Forever Young. Über den Mythos der Jugend" läuft vom 31. Oktober 2013 bis zum 19. Januar 2014 in der Kunsthalle Nürnberg.

Frankfurt (Oder): Angriff auf die Moderne

Weil der Maler und Kunsthändler Bernhard A. Böhmer ab 1938 offiziell mit sogenannter " Entarteter Kunst" handelte, ist er bis heute umstritten. Fest steht jedoch, dass Böhmers Geschäftssinn viele dieser Werke vor der Vernichtung bewahrt hat. Das Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) zeigt nun rund 200 Werke aus dem 600 Stücke umfassenden Böhmer–Nachlass des Kulturhistorische Museum Rostock.

Zu sehen sind größtenteils Werke der klassischen Moderne, unter anderem Arbeiten von Ernst Barlach, Jankel Adler, Otto Dix, Ludwig Meidner und Karl Schidt–Rottluff. Ebenfalls thematisiert wird die Rolle Böhmers und des Kulturhistorischen Museums Rostock bei der Übernahme von Böhmers Nachlass.

Die Ausstellung "Entartete Kunst" – Angriff auf die Moderne ist vom 27. Oktober 2013 bis 26. Januar 2014 im Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) zu sehen.

Heilbronn: Hoch hinaus

Dem gemeinen Städter gerne als außerordentliche Landmarke verkauft, entstehen in den Großstädten der Welt immer höhere Gebäude. So verwundert es nicht, dass die Formen in ihrer Vielzahl immer kreativer werden und teilweise den Anspruch von Kunst erreichen. Wie zum Beispiel der Tornado Tower in Doha oder der Victoria Tower in Stockholm. Die Kunsthalle Vogelmann und das Museum im Deutschhof in Heilbronn widmen sich dem "Turm" in der Skulptur mit einer umfassenden Ausstellung. Hinterfragt wird die kulturhistorische Bedeutung, sowie das dem Turm zugrundeliegende Prinzip des Aufeinanderschichtens und die damit verbundenen Möglichkeiten und Risiken.

Die Museen Heilbronn zeigen rund 70 Werke von 50 Bildhauern. Neben einigen Vorläufern aus den fünfziger und sechziger Jahren werden überwiegend Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wie James Lee Byars, Malachi Farrel, Leiko Ikemura oder Tim Ulrichs zu sehen sein. Hierbei reicht das Spektrum der Objekte von einfachsten Modellformen wie dem "Turm zu Babel" aus Konservendosen von Markus Uhr bis hin zu der mit den Armen rudernden Skulptur von Malachi Farrell "Nothing stops a New Yorker". So unterschiedlich sich alle Werke mit dem "Turm" beschäftigen, gemein ist ihnen die inhaltliche Verfremdung und das Formulieren von Kommentaren aus der jeweiligen Zeit.

Zu sehen ist die Ausstellung "Macht/Wahn/Vision – der Turm und urbane Giganten vom 26. Oktober 2013 bis zum 23. Februar 2014 in der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn.