Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit gewollten Farbspritzern, Deutschland zwischen den Krisen und Urlaub an der Adria.

Weil am Rhein: Wohnen in Holz, Stein und Lehm

In Kanada sind es die Blockhütten aus dicken Holzstämmen, in Kamerun runde Lehmbauten mit Strohdächern. Woanders gibt es Steinhäuser oder tunnelartige Behausungen aus Palmgras.

Die Häuser in denen die Menschen der verschiedenen Teile unserer Erde leben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihre Architekturen passen sich an die Gegebenheiten an; an das Wetter, die verfügbaren Materialien, an die Infrastruktur, den Reichtum. All diese traditionellen Bauweisen werden mit zunehmendem Bewusstsein für nachhaltiges Bauen wiederentdeckt und als Inspirationsquelle gefeiert.

"Learning from Vernacular" heißt eine Ausstellung in Weil am Rhein, die sich mit diesem Phänomen beschäftigt. Aktuelle Beispiele werden hier in Modellen vorgestellt, die die ganze Vielfalt der unterschiedlichen Konstruktionen und Ideen der Bauherren zeigen. Filme, Fotografien und Pläne veranschaulichen das Leben der Bewohner zusätzlich. Im Vordergrund steht die Vielfalt der Baustoffe und Konstruktionsformen und wie sie helfen können, umweltfreundlich und nachhaltig zu bauen – Lernen von den Einheimischen eben.

Die Ausstellung "Learning from Vernacular" ist vom 10. August bis zum 29. September im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen.

Köln: Fantasievolle Farbkleckse

Eifrig macht sich der Künstler ans Werk, bereitet seine Staffelei vor, sein Papier, seine Farben. Feder oder Pinsel nehmen die Farbe auf, die Hand schwebt kurz über dem Blatt – da tropft die Tusche unkontrolliert irgendwohin. Was für den Einen ein Ärgernis und Grund genug ist, noch einmal von vorn zu beginnen, wurde um 1800 zu Kunst: der Klecks. Die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten lassen Raum für Fantasie und Inspiration, verschwimmen vor dem eigenen Auge ein zweites Mal.

Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln widmet dem Klecks nun sogar eine eigene Ausstellung. Mit 25 Zeichnungen soll der großen ästhetischen Kraft des unkontrollierten Farbauftrags gehuldigt werden. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Justinus Kerner, der mit seinen Klappdrucken die Klecksographie begründete. In der Mitte gefaltete Bilder verdoppelten, verschmierten und spiegelten den Anfangsklecks und schufen immer neue Gebilde der Fantasie. Dabei entwickelte Kerner eine geheimnisvolle Welt der Geister, während Victor Hugos wolkenähnliche Kleckse irgendwo zwischen bestimmbar und unkenntlich schwanken.

Die Ausstellung "Die Klecksographie – Zwischen Fingerübung und Seelenschau" ist vom 9. August bis zum 13. Oktober im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen.

Hannover: Von Hinterhöfen und Garagen

Deutschland im Krieg – die Bilder kennen wir. Und auch die, die ein Nachher zeigen: Trümmer, Trümmerfrauen, wenig Männer. Alles oft gesehene Motive, die zwar spannend bleiben, aber nichts über das Deutschland erzählen, das seine Vergangenheit loswerden wollte. In den sechziger und siebziger Jahren ringt ein großer Teil des Landes um einen Neuanfang, auch in der Fotografie. Die, die sie ausüben haben das Kino der Nouvelle Vague hinter sich gelassen und mussten sich mit medien- und kulturkritischen Aspekten auseinandersetzen.

Einer von ihnen war Wilhelm Schürmann. Der heute 67-Jährige wurde durch Ausstellungen und Publikationen zu einer zentralen Persönlichkeit dieser Entwicklung. Mit „Wilhelm Schürmann. Bilder aus Deutschland“ widmet ihm das Sprengel Museum in Hannover nun eine Ausstellung, die Deutschland zwischen den Krisen zeigt, als Provisorium mit Potential zur Weiterentwicklung. Schürmann zeigt, was wirklich ist, immer wohl kompositioniert, streng gebaut, bühnenartig konzipiert. Die Bildauswahl der Ausstellung zeigt Hinterhöfe und Garagen, Reihenhaussiedlungen, Stromleitungen und Autotrassen, Gewerbebauten und Bahnhofssituationen.

Die Ausstellung "Wilhelm Schürmann. Bilder aus Deutschland" ist vom 14. August bis zum 24. November im Sprengel Museum in Hannover zu sehen.

Berlin: Blauer Pool vor weißem Hotel

Kroatien: ein Land in der Sonne, Ex-Jugoslawien, Nationalparks, Meer, Delfine. Die Tourismusindustrie des südosteuropäischen Staates ist eine der wichtigsten Einnahmequellen. Mit einem Viertel des Bruttoinlandsproduktes baut sie aber auf eine Infrastruktur, die schon vor 40 bis 50 Jahren entwickelt wurde und auf sozialistischem Modernisierungswahn basiert. Hotelanlagen und Pools wirken wie absichtlich auf Retrostil getrimmt, überraschen mit künstlerisch angehauchter Architektur.

Die Ausstellung "Urlaub nach dem Fall" zeigt Ferienarchitektur an der Küste, mal kantig und viereckig, mal rund oder ellipsenförmig. Weißgetünchte Wände und türkisfarbene Poolbecken bilden einen typischen Kontrast, der im Betrachter selbst den unbändigen Wunsch nach Urlaub weckt. Dabei werden nicht nur neuartige Bauten oder Renovierungen gezeigt, sondern auch Ruinen, die eine Ahnung davon geben, wie die Ferien Mitte der sechziger Jahre in Jugoslawien verbracht wurden. Die Schau zeigt unter anderem Beiträge von Boris Podrecca, Valamar, Arhitektura, CCN-images, Kerstin Stramer und Michael Zinganel.

Die Ausstellung "Urlaub nach dem Fall. Transformation sozialkritischer Ferienarchitektur an der kroatischen Adria" ist vom 10. August bis zum 1. September in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin zu sehen.

Osnabrück: Kriegs- und Krisenfotografie

Es waren einmal vier ambitionierte Fotografen, die ihr Talent nicht weiter unter Wert verkaufen wollten. Sie saßen in Paris bei einer Magnumflasche Champagner zusammen und erkannten, dass sie eine Chance gegen die großen Magazine und Agenturen hätten, wenn sie nur zusammenhielten. Unter diesen Umständen entstand 1947 der Legende nach die Foto- und Fotografenagentur Magnum Photos. Zum ersten Mal schickt die Agentur nun ihr Archiv in Form einer pädagogischen Ausstellung auf Reisen.

"Wunden der Welt – Magnum-Fotografien vom Spanischen Bürgerkrieg bis zum Arabischen Frühling" zeigt 53 der wichtigsten Fotoarbeiten aus sechs Jahrzehnten Kriegs- und Krisenfotografie. Beeindruckende Aufnahmen von Gewalt und Angst, aber auch von Mut und Hilfsbereitschaft. Welche Geschichten jeweils hinter den Motiven stecken, haben Absolventen der Zeitenspiegel-Reportageschule in Reutlingen in Worte gefasst. Unter anderem werden Bilder von Robert Capa, Steve McCurry, Marc Riboud, Alex Webb, David ‚Chim’ Seymour, Susan Meiselas, Burt Glinn und Moises Saman gezeigt.

Die Ausstellung "Wunden der Welt – Magnum-Fotografien vom Spanischen Bürgerkrieg bis zum Arabischen Frühling" ist vom 8. August bis zum 29. September im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum und Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen.