Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Diesmal mit Robert Lucander und Ena Swansea, Friedl vom Göller, bankleer, Annette Kelm und Michaela Meise

Hamburg: Psycho. Ena Swansea und Robert Lucander

Düster ist die Grundstimmung auf Ena Swanseas Gemälden, dick trägt sie grau-schwarze Ölfarbe auf mit Grafit grundierte Leinwände auf. Dass einzelne Figuren leuchtend bunt aus der Düsternis hervorspringen, trägt kaum zur allgemeinen Erhellung der Malerei der in New York lebenden Künstlerin bei.

Dass ihre Bilder „dem Bedürfnis nach der Auseinandersetzung mit den persönlichen Ängsten und Traumata entspringen“, gibt die Sammlung Falckenberg an, wo die Gemälde der 1966 geborenen Amerikanerin nun neben Bildern und Montagen von Robert Lucander gezeigt werden.

Ein bisschen "Psycho" (so der Titel der Doppelausstellung) sehen auch die Dekonstruktionen des 1962 in Helsinki geborenen Künstlers aus, der in Berlin lebt, wo er an der Hochschule der Künste studiert hat: Er nimmt Abbildungen aus Massenmedien, Werbung, Sport- und Modemagazinen und stellt ihre überzeichnete Gestik und Mimik frei, doppelt die Körper, trennt Oberkörper vom Unterleib ab und verdreht ihre Köpfe. Das soll zwar "die gesellschaftlichen Abgründe hinter der Welt der schönen Bilder aufdecken", sieht aber eher lustig als düster oder abgrundtief aus.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Snoeck Verlag, 14,80 Euro, Sammlung Falckenberg: 18.12.2011 bis 25.3.2012

München: bankleer – Reality State

Dass der europäische Finanzmarkt krankt, ist durch fallende Börsenkurse, Banken- und Staatspleiten allen bewusst. Gerade durch die Rettungsversuche Bankrott-bedrohter Staaten wird klar, dass das große Abstraktum des Finanzwesens nicht neben der normalen Realität existiert, sondern ein Teil davon ist. Um diese Bewusstmachung dreht sich die Ausstellung "bankleer – Reality State" im Kunstraum München. Hinter "bankleer" verbergen sich die Berliner Künstler Karin Käsböck und Christoph Maria Leitner. Mit fiktionalen Videodokumentationen und Mixed-Media-Installationen gehen sie, ausgehend vom Genre des Bankräuberfilms, der Frage nach, auf welche Weise sich die Situation der Finanzmärkte in physisch erlebbare Phänomene umsetzen lässt. In einem Video wird ein Bankraub inszeniert, in einem zweiten wird darüber theoretisch reflektiert. In den Ausstellungsräumen sind Fragmente wie Requisiten von Bankinterieurs verteilt. Weiterhin ist das obere Stockwerk des Kunstraums als Tresorraum angelegt. Das "Herzstück des Finanzwesen", darf der Besucher anschauen, es aber nicht betreten, ähnlich wie in der Realität.

bis 12.Februar 2012, Kunstraum München; zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Sternberg Press

Leipzig: Friedl vom Gröller

Was passiert, wenn ein Mensch drei Minuten in eine Kamera schauen muss und dabei mit etwas konfrontiert wird, mit dem er nicht gerechnet hat? Dieser Frage geht die österreichische Filmemacherin Friedl vom Gröller in ihrer Ausstellung in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst nach. Sie produzierte zwölf kurze Sequenzen auf 16 Millimeter im Stile des Avantgarde- und Kunstfilms. Zu sehen sind Porträtaufnahmen ohne Ton, die Freunde oder Familienmitglieder der Künstlerin sowie Fremde zeigen, die eine schlichte Anweisung hatten, einfach nur in die Kamera zu sehen. Während dessen agierte die Künstlerin, indem sie beispielsweise ihre Modelle anfasst, sich plötzlich auszieht oder eine dritte Person küsst. Während dieser Interventionen ist lediglich das Gesicht und die Mimik des Models zu sehen, die Aktionen der Künstlerin spiegeln sich für den Betrachter nur auf der dahinter liegenden Wand. Unter dem Motto "ich will ein Gefühl sehen und wie es entsteht" ist es die erste Einzelausstellung von Friedl vom Gröller in Deutschland.

bis 28. Januar 2012, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig; im Kontext der Ausstellung findet am 16. Dezember eine Buchpräsentation von „Poor Man’s Expression – Technologie, Experimentalfilm, Konzeptuelle Kunst“ statt

Bonn: Annette Kelm und Michaela Meise

"Hallo aber" ist der Name der Ausstellung von Annette Kelm und Michaela Meise. Es klingt wie ein Fetzen aus einem Dialog, und darum geht es den beiden in Berlin lebenden Künstlerinnen. Sie kommen aus zwei verschiedenen Lagern: Kelm arbeitet für gewöhnlich fotografisch, Meise bildhauerisch. Für ihre Doppelausstellung fragten sie zunächst nach dem öffentlichen Umgang mit Bildern. Sie sammelten verschiedenartige Abbildungen, jene von Plattencover genauso wie bunter Tücher oder Postkarten. In Zusammenarbeit mit dem Bonner Reklamemaler Carsten Carstens, der die Abbildungen fotografierte, fügten sie diese großformatig auf den Wänden der Ausstellungsräume zusammen. Zum einen wird damit das „Öffentlich werden“ eines Bildes unterstrichen, zum anderen deren Willkürlichkeit und Kurzlebigkeit betont, da sie am Ende der Ausstellung wieder übermalt werden sollen. Im Zentrum der Präsentationsfläche befindet sich ein abgetrennter Raum, in dem ältere und neuere Werke der Künstlerinnen zu sehen sind. Diese adaptieren teilweise Motive der Ausstellung und stellen somit einen künstlerischen Dialog her.

bis 19. Februar; die Ausstellung findet im Rahmen einer "dialogischen Reihe" im Bonner Kunstverein statt

München: Unter Welt

"Einige Meter unterhalb der Häuser und Straßen und Plätze beginnt das andere Leben": in Tunneln, Kellern und Abwasserkanälen, auf U-Bahngleisen, in Bunkern und unterirdischen Depots, dort, wo sich Aktenberge stapeln und Tote liegen, einem Ort für "Abgespaltenes, Ausgeschiedenes, Abgeheftetes und Eingemachte", einem Ort für Ab- und Aufgeschobenes, für Geheimgehaltenes. Kein Zweifel: So konkret die Unterwelt tatsächlich existiert, so attraktiv ist sie als Ort für Ängste und Projektionen. Die Künstlerinnen Clea Stracke und Verena Seibt gehen dem Untergründigen im (unterirdisch gelegenen) Maximilians-Forum in München mit der Gruppenausstellung "Unter Welt" nach, in der etwa Daniel Door und Flow Defoe mit einer "Resonanzarbeit" die Klänge einfangen, die die Raumdecke von der darüber gelegenen Straßenkreuzung nach unten transportiert. Stracke und Seibt selbst haben sich für ihr Video "Unterwelt" (2009) in Gänge, Schächte und Gewölbe begeben. Felix Burger lässt in seiner Videofiktion "Schliersee – eine Parthie im bayerischen Hochlande" (2011) von polnischen Gastarbeitern unterirdisch einen Vergnügungspark bauen. In Ann-Sofi Sidéns Kurzfilm "QM, I Think I Call Her QM" steigt ein schlammbedecktes Alter Ego quasi aus dem Unterbewussten der Protagonistin auf. Am 13. Januar stellt Hias Wrba in einem Vortrag "abtauchende Subjekten in der Popkultur und anderswo" vor. Am 14. Januar zeigt Abbé Libansky zwischen 1970 und 1982 entstandene Fotos der tschechischen Underground-Szene.

Die Ausstellung ist 24 Stunden einsehbar und vor den Veranstaltungen jeweils eine Stunde lang geöffnet. Weitere Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter Telefon 0162 76 17 720.
MaximiliansForum: bis 28. Januar 2012