Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit Fotografien, die uns die Schönheit unseres Planeten vor Augen führen, Wetteinsätzen und deren Folgen und einem Sitzmöbel mit zwanzig Beinen.

Berlin: Zu hoch gepokert?

Die Ausstellungsserie "Vier gewinnt" ist neu in den Kunst-Werken Berlin. Den Auftakt machen vier junge Künstler und Kooperationen, die sich intensiv mit dem heutigen Charakter der Wette beschäftigen.

Sie gehen der Frage nach, welches Potenzial die Wette heute in einer von Finanzkrisen gebeutelten Wirtschaft hat und was ihr Einsatz ist. Die Ausstellung findet im Rahmen des Festivals "Foreign Affairs" statt.

Besucher lernen absurde, in der Zukunft aber theoretisch mögliche wahnwitzige Jobbezeichnungen wie "B2B Itself Replic" oder "Developmenture Creategies" kennen, abgeleitet vom Trend, Arbeitsplätze mit englischen Bezeichnungen zu schmücken. Dargestellt werden diese Namen als sogenannte "Captchas", die im Internet häufig zur Verifizierung von Downloads und ähnlichem eingesetzt werden. In einer anderen Installation steigen sie ein in die komplexen Spekulationen am Finanzmarkt und können mit der Einzahlung in einen Fonds sogar selbst teil des Phänomens "Wette" werden. Am zweiten Juliwochenende zeigt "Die Wette: Eine Untersuchung über Zweifel, Kontingenz und Sinn in Ökonomie und Gesellschaft" außerdem ein Programm mit mehr als 20 Performances und szenischen Installationen. Hier wird der historische Hintergrund der Wette, und wo und in welcher Form sie heute auftaucht, zum Thema. Publikum und Künstler setzen dann noch in einer Wette mit spannendem Ausgang gleichzeitig auf die eigene Sicherheit und das Verhalten anderer.

Die Ausstellung "Vier gewinnt: die Wette" ist vom 7. Juli bis 4. August im KW Institute for Contemporary Art in Berlin zu sehen.

Berlin: Im Dienste des Planeten

"Das geographische Wissen zu mehren und zu verbreiten" war das Ziel der Forscher und Abenteuerer, die vor 125 Jahren in Washington die National Geographic Society gründeten. Mittlerweile stehen jedoch nicht mehr nur Expeditionen und Forschungsprojekte im Vordergrund, sondern vor allem der Schutz der Erde und ihrer Schätze. Um die Menschen von dieser Aufgabe zu überzeugen, werden noch immer die bedeutendsten Fotografen in alle Welt geschickt.

Der Berliner Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V. stellt nun vom 11. Juli bis zum 14. August eine Auswahl der beeindruckendsten Bilder aus der 125-jährigen Geschichte des "National Geographic Magazin" vor. Dabei wird der Besucher mitgenommen auf eine Reise durch die Zeit, zu fremden Kulturen und an faszinierende Orte. Die Werke vieler bekannter Fotografen, wie Steve McCurry, Jodi Cobb und Chris Johns, erinnern an die Aufgabe, unseren Planeten zu retten. Und auch die vielen Porträtfotos, wie McCurrys afghanisches Flüchtlingsmädchen, berühren den Besucher und regen zum Nachdenken an.

Die Ausstellung "125 Jahr National Geographic" ist vom 11. Juli bis 14. August im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu sehen.

St. Gallen: Zuhause ist's am Schönsten

Trautes Heim, Glück allein. Oder Unglück? Ist der Mensch nun eher einsam in seinem eigenen Zuhause oder fühlt er sich nirgends wohler als hier? In verschiedene Kapitel aufgeteilt und dabei sowohl historische Werke aus dem 17. Jahrhundert als auch zeitgenössische Kunst berücksichtigend, beschäftigt sich "Home! Sweet Home!" mit genau dieser Frage.

Wie durch ein Haus mit seinen Zimmern wandelt der Besucher durch die Kapitel und Themengebiete der Ausstellung. Hier entspannt man in der "guten Stube", dort erlebt man "deftiges Bauernleben" mit van Ostades "Messerkampf". Dass aber nicht alles glänzt, was Heim ist, zeigen die Kapitel "Vertreibungen und Notunterkünfte" und "Unheimeliges und Abgründiges". Hier stehen das Unglück der menschlichen Existenz, das unheimelige Zuhause, ein Leben ohne Heim im Vordergrund. Passend zur Ausstellung eröffnet zudem im Wasserturm der Lokremise St. Gallen Christoph Büchels verwinkeltes Fantasieheim "The House of Friction". Hier wird sich geduckt, hier kriecht man, rutscht, klettert und entdeckt eine Welt irgendwo zwischen Realität und Fiktion.

Die Ausstellung "Home! Sweet Home! – Vom (un)heimeligen Zuhause in der Kunst" ist vom 6. Juli bis 27. Oktober im Kunstmuseum St. Gallen zu sehen.

Berlin: Turbulenzen im Amerikanischen Raum

Immer auf die "Amis": Das Amerika-Haus in der Berliner Hardenbergstraße musste in seinem noch recht jungen Leben schon viel aushalten. Gezwungen durch die Turbulenzen der Jahrzehnte wurde es mit Eiern und Wurfbrandsätzen beworfen, igelte sich ein und fiel schlussendlich in einen tiefen Schlummer. Um die aufregende Vergangenheit des Gebäudes und des angrenzenden Areals nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, präsentiert C/O Berlin nun vor Ort die Open-Air-Ausstellung "Bourgeoisie, Swing und Molotow-Cocktails".

Mit etwa 100 zeitgenössischen und historischen Fotografien wird die Vergangenheit aufgearbeitet und begreifbar gemacht. Kulturelle Veranstaltungen, das Warten auf John F. Kennedy, sicher den berühmtesten Berlinbesucher aller Zeiten, und auch die sozialistische Wut auf die Amerikaner in den siebziger Jahren thematisieren die Bilder – ein visuelles Intermezzo bis zur Wiedereröffnung. Die Ausstellung ist 24 Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche und kostenlos für jedermann zugänglich.

Die Ausstellung "Bourgeoisie, Swing und Molotow-Cocktails" ist vom 13. Juli bis 15. September im Hof des Amerika Hauses in Berlin zu sehen.

Dortmund: Preisgekröntes Insekt

Individuelle Gestaltung, außerordentliche Qualtiät, Nachhaltigkeit, Fantasie, Experimentierfreude – herausragende Leistungen in diesen und weiteren Kriterien ehrt der Staatspreis im NRW-Kunsthandwerk. Das Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt 107 der eingesandten Arbeiten vom 14. Juli bis zum 8. September in der Ausstellung "manu factum".

In diesem Jahr vergab die Jury acht Preise in den Kategorien Schmuck, Gerät aus Metall, Holz, Textil/Leder, Keramik, Stein, Glas und Fotografie/Papier. Hinzu kam ein Sonderpreis im Bereich Stein für Jörg Schulze-Roloffs außergewöhnliche Steinbank "Tausendfüßler" mit 20 ungeordneten Holzbeinen. Alle zwei Jahre zeichnet der mit 45 000 Euro am höchsten dotierte Preis im Kunsthandwerk herausragende Leistungen des kunsthandwerklichen Schaffens aus. Innovatives Design und präzise Verarbeitung stehen dabei im Vordergrund, wie zu sehen in Sarah Rieds Schmuckserie, die individuelle Tragevarianten ermöglicht oder Sara Mellones Bank und Hocker aus Aluminium, die durch ihre verblüffende Faltung aussehen wie aus Stoff oder Papier.

Die Ausstellung "manu factum" ist vom 14. Juli bis 8. September im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zu sehen.