Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht es um zähnefletschende Pantoffeln in Delmenhorst, subtile Ironie in Erlangen und den deutschen Impressionismus.

Chemnitz: Max Slevogt

Der Impressionismus eine Domäne der Franzosen? Die Kunstsammlungen Chemnitz dokumentieren jetzt eindrucksvoll, dass auch in Deutschland die lichtdurchflutete Freilichtmalerei ihre Protagonisten hatte – in diesem Fall Max Slevogt (1868 bis 1932), einer der drei größten deutschen Impressionisten neben Max Liebermann und Lovis Corinth.

Die 130 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken stammen zum einen aus dem hauseigenen Bestand, zum anderen aus der Sammlung des Saarland-Museums Saarbrücken. Die Gemälde zeigen Motive, die Slevogt immer wieder variiert hat: Frauen- und Männerporträts, Landschaften, Szenen aus der Welt von Theater und Varieté mit Schauspielern, Tänzerinnen und Musikern, Stadtansichten, dazu einige der wenigen Frauenakte. Aus den Museumsbeständen kommen 100 grafische Blätter – Illustrationen für Bücher, Mappen und Zeitschriften.

In den Kunstsammlungen Chemnitz kann man die Gemälde und Grafiken von Max Slevogt bis zum 4. September besichtigen.

Karlsruhe: Janice Kerbel und Ana Roldan

Gleich zwei Künstler erhalten eine separate Ausstellung im Badischen Kunstverein: Janice Kerbel und Ana Roldan. Kerbel lässt in ihren Installationen die Leerstellen dort, wo unsere Vorstellungskraft beginnt: Sie entwirft Plakate für Zirkusnummern, die niemals stattfinden; sie beschallt einen leeren Raum mit dem Kommentar eines Baseballspiels; sie lässt, in ihrer namensgebenden Installation „Kill the Workers!“, auf einer Bühne ein Theaterstück ablaufen, bestritten einzig durch das Spiel der Scheinwerfer – ohne Schauspieler und ohne Requisiten. Die Werke der gebürtigen Mexikanerin Ana Roldan, im Lichthof des Kunstvereins ausgestelltt, versuchen einen Brückenschlag zwischen Folklore und modernen Formen.

Die Ausstellungen im Badischen Kunstverein Karlsruhe laufen bis zum 11. September 2011.

Kiel: Ulrich Behl

"Dem Licht eine Falle stellen" – mit diesem Satz hat Ulrich Behl, 70, den Kern seiner Arbeit treffend beschrieben. Der ehemalige Schüler von Raimund Girke hat dieses Prinzip als erstes in seinen „Schauobjekten“ angewendet – filigranen Holzkonstruktionen, die er mit transparenten Papieren umspannt, so dass Hohlräume entstehen, die das Licht einzufangen scheinen. Die subtile Wirkung von Licht kommt auch in seinen Plexiglaskästen zum Ausdruck – sie sind in strahlendem Weiß gehalten, sparsame ebenfalls weiße Objekte verursachen ein subtiles Spiel von Licht und Schatten.
Behls zweites Prinzip ist das der Serie, das in seinen meist monochromen Zeichnungen und Materialbildern zum Tragen kommt. Und in den neuesten Edelstahl-Arbeiten aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „Widerschein des Konkreten“.

Ausstellungen in Kiel in der GAK Galerie für aktuelle Kunst (bis 31. Juli) und im Kunstraum B (bis 7. Juli)

Delmenhorst: Thomas Kapielski

Die Ausstellung "De Dingsbums non est disputandum" trägt tatsächlich einen programmatischen Namen: Die Städtische Galerie Delmenhorst zeigt die oft grotesken Werke des Schriftstellers, Malers und Nasenflötenvirtuosen Thomas Kapielski. Zähnefletschende Pantoffeln und buchstäblich aufgeblasene Prosa sind nur zwei Werke der Ausstellung. Der Künstler zeigt sich als ein Freund des Lakonischen, Allzumenschlichen: Denn vor aller Analyse der uns umgebenden Alltagsphänomene kommt der Kalauer, der oft nur intuitive Witz und die Parodie – und eben die ist die Domäne von Kapielski.

Bis zum 4. September 2011 sind die „kleine Formen“ Kapielskis in der Städtischen Galerie Delmenhorst zu besichtigen.

Erlangen: Ironie der Kunst

"iRonic. Die feinsinnige Ironie der Kunst" ist der Titel einer Ausstellung im Kunstpalais Erlangen. Ironie ist die kleine, aber (bestenfalls) feine Differenz zwischen dem, was etwas bedeutet, und dem, was gemeint ist. Immer bricht Ironie mit einer Erwartung: zwischen Kunstwerk und Betrachter, zwischen Künstler und Kunst, aber auch zwischen der Kunst und Alltag. Zwölf Künstler stellen in dieser Ausstellung verschiedene Formen der Ironie vor. Die Ausstellung reiht sich ein die aktuelle Beschäftigung mit dem Phänomen Ironie, etwa "Fate of Irony" 2010 in Düsseldorf oder „Seriously Ironic“ ein Jahr zuvor in Biel.

Wer die Ausstellung im Kunstpalais Erlangen bis zum 4. September 2011 nicht anschauen kann, kann dies vom 21. Januar bis zum 9. April 2012 nachholen.