Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit Aufnahmen von Judy Linn und Andreas Feininger, abstrakter DDR-Plastik, den Weltatlanten von Stephan Huber und einer Hommage an den Kunstsammler Alfred Flechtheim.

München: Stephan Huber – Weltatlas

Einer, der die Welt sampelt. Genau das ist er. Stephan Huber durchwühlt die Bücher und Archive nach Kartenmaterial, das er zusammen mit Fragmenten seiner Biografie, Historie und frei erfundenen Landschaftsstrichen zu einem "Weltatlas" zusammenbaut.

Wir meinen: Wenn das kein schöner Versuch ist, die Weltmaschine zu vermessen! Die Schau in München berücksichtigt Werke des Künstlers aus den letzten 25 Jahren. Vor allem die Gebirgsinstallationen im Zusammenspiel mit seinen Gedankenlandschaften dicken die Schau recht passend an.

Die Ausstellung "Stephan Huber – Weltatlas" findet vom 16. Januar bis zum 28. März in der Eres-Stiftung München statt.

Berlin: Judy Linn – as if it is as it is of

Das Haus am Kleistpark in Berlin zeigt Bilder der Fotografin Judy Linn, die sie von der Godmother of Punk, Patti Smith, und dem Künstler Robert Mapplethorpe in den Siebzigern aufgenommen hat. Die Aufnahmen aus der frühen New Yorker Zeit der Fotografin sind dabei sehr intim. Patti Smith sagte noch lange Zeit danach in einem Interview: "Ich wollte unbedingt Judys Modell werden und die Gelegenheit haben, mit einer richtigen Künstlerin zu arbeiten. In der Atmosphäre, die wir gemeinsam erzeugten, fühlte ich mich beschützt. Wir hatten eine geheime Geschichte, drehten unseren eigenen Stummfilm, mit und ohne Kamera." Trotzdem verweigerte Smith lange Zeit die Veröffentlichung der Bilder. Der Grund: Sie geben einen sehr sanften und unpunkigen Blick auf die Rock-Ikone.

Die Ausstellung "as if it is as it is of" findet vom 16. Januar bis zum 15. März im Haus am Kleistpark statt.

Hagen: Ce qui je suis maintenant – Ein Zimmer für Alfred Flechtheim

Alfred Flechtheims Äußerung "Ce qui je suis maintenant" (sinngemäß: Was ich jetzt bin) liefert den Titel der in Hagen stattfindenden Schau. Bezogen hat der Kunstsammler diesen Satz auf seinen Kollegen Henry Kahnweiler, dem er zu diesem Zeitpunkt nach eigener Auffassung sehr viel zu verdanken hatte – eben das zu sein, was er nun war: einer der wichtigsten Kunstsammler, Netzwerker und Vermittler zeitgenössischer Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Zur Tribut-Schau haben die unterschiedlichsten Künstler von Jörg Herold bis Jonathan Meese jeweils zwei Werke angefertigt. In Anlehnung an Flechtheims Wohnung werden die Stücke so arrangiert, dass die Räume des Osthaus-Museums an das Kunst-Domizil in der Berliner Bleibtreustraße erinnern. Flechtheim, nur wenige Jahre nach seiner Flucht vor den Nazis verarmt und desillusioniert in London gestorben, würde sich freuen.

Die Ausstellung "Ce qui je suis maintenant – Ein Zimmer für Alfred Flechtheim" findet vom 16. Januar bis zum 15. März im Osthaus-Museum Hagen statt.

Friedrichshafen: Andreas Feininger – Das fotografische Werk

Er ist weit gereist und war doch immer ganz nah dran, hat nach den Wolken gegriffen und Hochhäuser gebändigt: Andreas Feininger gehört zu den Titanen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Das Zeppelin-Museum, das über einen großen Teil des Nachlasses wacht, macht jetzt alle Feininger-Gläubigen glücklich. Es stellt – und das zum ersten Mal – das komplette Archiv aus: Outsider, Beobachter, Reporter – die Sammlung zeigt Feininger als stillen Reisenden, Zuhörer mit der Linse, als Arbeitstier und umfasst 565 vom Künstler selbst autorisierte Fotoabzüge – gut die Hälfte davon handsigniert. Dazu werden Schätze aus dem privaten Besitz präsentiert: Kameras, Filme, Originalausgaben des "Life"-Magazins, Kataloge und Bücher. Mal ein dickes Kreuz im Terminkalender machen!

Die Ausstellung "Aus weiter Ferne. Andreas Feininger – Das fotografische Werk" findet vom 20. Januar bis zum 8. März im Zeppelin-Museum Friedrichshafen statt.

Bremen: Wieland Försters Große Neeberger Figur

Anfang der siebziger Jahre sprach man im Westen vor allem abstrakt und im Osten gegenständlich – so die landläufige Meinung: hüben und drüben zwei Sprachen. Ob die Grenze wirklich so scharf gezogen war, untersucht das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen nun mit seiner neuen Ausstellung "Figur tut weh". Im Mittelpunkt steht Wieland Försters "Große Neeberger Figur", eine der (vom figürlichen Expressionismus stark beeinflussten) Ikone der DDR-Plastik. Ihr werden zahlreiche Ost- und Westpositionen aus der Zeit um 1970 zur Seite gestellt – von Cremer bis Schoenholtz –, die zeigen, dass die Themen abstrahierte Figur, Schmerz, Entkleidung und Realismus ein gesamtdeutsches Phänomen dieser Zeit waren.

Die Ausstellung "Figur tut weh – Wieland Försters Große Neeberger Figur" findet vom 18. Januar bis zum 12. April im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen statt.