Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal: Kunst mit Autos, Wäldern und Tieren

Köln: Lee Friedlander

Ein fotografischer Roadtrip ist derzeit bei Thomas Zander zu sehen. Die Galerie zeigt neue Fotografien Lee Friedlanders aus seiner Serie "America by Car". Alle Aufnahmen hat der Fotograf mit seiner Leica aus dem parkenden Auto heraus gemacht. Friedlander ist einer der Pioniere der Street Photography, der den "American Way of Life" kritisch dokumentiert.

Zwischen 1996 und 2009 hat er mehr als 190 Fotos der amerikanischen Landschaft gemacht: Man sieht LKWs, vertrocknete Landstriche, Werbeschilder und Hausfassaden. Aus der speziellen Aufnahmesituation ergeben sich Rahmungen durch Türverkleidungen und Armaturen, sowie Bild-im-Bild-Kompositionen, wenn Rück- oder Seitenspiegel mit aufgenommen wurden. So bekommen die Bildern einen intimen Charakter und einen vertrauten Rahmen – fast, als säße man selbst mit im Wagen.

Die Galerie Thomas Zander zeigt noch bis zum 30. April "Lee Friedlander - Cars"

Neumünster: Im Zeichen des Waldes

Die Gerisch-Stiftung zeigt mit der Doppel-Schau "Der Wald steht schwarz" den Schleswig-Holsteinischen Zeichner Olrik Kohlhoff neben seinem Wunschpartner, dem Medienkünstler Bjørn Mehlhus. Auf den ersten Blick haben die bizarren und märchenhaften Welten des Zeichners mit Melhus' filmischen Arbeiten wenig gemeinsam. Auf den zweiten Blick betreiben beide Künstler eine einzigartige Erforschung innerer Welten und wählen dafür die Projektionsfläche des Waldes. Im Eingangsbereich der Gerisch-Stiftung leitet eine wandfüllenden Zeichnung einer Waldszene von Kohlhoff in das Thema ein. Umherstreifende Wildschweine im Unterholz und Erdgänge, in denen Menschen liegen, erzeugen eine absurde und unheimliche Stimmung. Ebenso düster ist auch die Situation in Mehlhus' Videoarbeiten, etwa in "The Meadow", wo die Protagonisten immer wieder in den nächtlichen Wald aufbrechen.

Die Ausstellung ist vom 06. März bis zum 12. Juni in der Villa Wachholtz der Gerisch-Stiftung in Neumünster zu sehen. Am 29. Mai findet um 12 Uhr unter dem Titel "Vom Unaussprechlichen in der Kunst" ein Gespräch mit den Künstlern statt.

Berlin: Friederike von Rauch

Die Berliner Galerie "Kunstagenten" präsentiert im März neue Arbeiten von Friederike Rauch aus den Jahren 2009 und 2010. In ihrer reduzierten und konzentrierten Sichtweise porträtiert die Künstlerin Landschaften und Bauwerke und gibt Einblicke in ungewöhnliche Architekturdetails. Zusammen mit dem Stararchitekten David Chipperfield dokumentierte sie die Umbauten des Neuen Museums in Berlin und begleitete mit ihrer Kamera die spannende Endphase der Renovierung. Die aktuelle Ausstellung umfasst drei neue Arbeitszyklen der Künstlerin: Die Serien "Ash" (2010) und "Harpa" (2010) entstanden auf Island und zeigen die südliche Landschaft des Landes nach dem Vulkanausbruch Eyjafjallajökull und den Rohbau der Harpa Concert Hall in Reykjavik. In der Serie "Transept" (2009-2010) setzt sich die Künstlerin mit den Berliner Kirchen der Nachkriegsmoderne auseinander. Friederike von Rauchs Arbeiten bestechen durch ruhige Motive mit einer starken atmosphärischen Wirkung. Der Betrachter findet sich in apokalyptischen Landschaften wider und vertieft sich in die Schönheit unscheinbarer Details.

Die Ausstellung "New Works" von Friederike von Rauch ist vom 05. März bis zum 16. April in der Galerie Kunstagenten in Berlin zu sehen.

Bremen: Julien Bismuth

Der französische Künstler verknüpft in seiner Ausstellung "The Ventriloquism Aftereffect" die Disziplinen bildende Kunst und Literatur und entwickelt textbasierende Performances und Video-Arbeiten. Er nutzt Möglichkeiten der Sprache, zu zitieren, beschneiden oder neu zusammenzusetzen und bezieht sich dabei vor allem auf den österreichischen Schriftsteller Karl Kraus. In einer Filmarbeit zeigt Julien Bismuth einen Bauchredner bei der Wiedergabe von Kraus-Textversatzstücken. Ein Hörstück legt die Unmöglichkeit der sprachlichen Erfassung visueller Gegebenheiten offen, indem Beschreibungen von Kunstwerken immer abstrakter werden. Die Skulptur "Shifter" dient als Platzhalter für die Person des Künstlers, als sei sie ein Textbestandteil, der ausgeschnitten und wieder eingefügt werden kann. Julien Bismuth zeigt in seiner Präsentation Skulpturen, Filme, Wandarbeiten, Installationen, Collagen und Audiostücke.

Die Ausstellung "The Ventriloquism Aftereffect" wird noch bis zum 24. April in der Gessellschaft für aktuelle Kunst (GAK) und im Institut Français in Bremen gezeigt.

Schweinfurt: August Gaul

Das Museum Georg Schäfer widmet sich in seiner ersten Skulpturenausstellung dem beliebten und in seiner Zeit erfolgreichen deutschen Tierplastiker August Gaul (1869-1921). Als Dauergast im Berliner Zoologischen Garten zeichnete er schon während seiner Studienzeit etliche exotische Tiere wie Pinguin, Strauß, Löwe oder Schwanenküken. Als Plastiken fanden diese wiederum Einzug in Wohnhäuser, Villen, Parks, Gärten und Denkmalanlagen in ganz Deutschland. Die Skulpturen sind geprägt von einer einfachen Form und klaren, gebundenen Konturen. August Gauls animalische Geschöpfe erfuhren immer wieder Standortwechsel, Ab- und Umwertungen. Im Museum Georg Schäfer können diese Wanderungen und "Vertreibungen" der Plastiken in über 100 fotografischen Zeugnissen und mit plastischen Arbeiten aus großen deutschen Museen besichtigt werden.

Die Ausstellung "Das Schicksal der Skulptur. August Gaul 1869-1921. Kleiner Tierpark" ist vom 06. März bis zum 26. Juni im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt zu besichtigen.