Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht's um das Performance-Festival "Berlin del Mar", die neuen "Münsteraner Kunsteinfälle" und die Machenschaften verschworener Geheimgesellschaften

Berlin: Berlin del Mar

Nein, Berlin liegt nicht am Meer. Aber wenn der Strand nicht nach Berlin kommt, muss Berlin eben zum Strand: Mit einer Tonne Sand, Liegestühlen und drei Aschenbechern (und noch einigem mehr) baut das Performance-Festival "Berlin del Mar" einen doppelbödigen Sehnsuchtsort auf.

Inspiriert von J. G. Ballards Roman "Cocaine Nights", der messerscharfen Studie einer dekadenten Gesellschaft, werden Vorstellungen von Idylle gebrochen, wird die vermeintlich heitere Realität von Animation und Strandkorb auf ihre Wahrheit abgeklopft. Denn wenn schon die Berliner Mitte Züge eines klassischen Urlaubsresorts à la Rimini trägt, ist die Langeweile und Gleichgültigkeit der Ferienwelt nicht weit.

Das Festival läuft bis zum 3. Juli 2011 am Alexanderplatz.

Detmold: Münsteraner Kunsteinfälle

Die Stadt Münster ist bekannt für ihre jungen künstlerischen Kräfte. Aktuelles Beispiel: Die "Münsteraner Kunsteinfälle" im LWL-Freilichtmuseum Detmold, die zum sechsten Mal den Studierenden der Kunstakademie Münster in den Kopf gekommen sind. Auf der Ausstellungsagenda stehen nicht-alltägliche Ideen, für die sich die Studierenden und ihre Professorin Lili Fischer unter anderem von den Gegebenheiten und Eigenarten des Museumsgeländes inspirieren ließen. Dabei sind ausgeklügelte Konzeptionen und überraschende Geistesblitze wie der Schweine-BH von Julia Sasse, dessen Körbchenanzahl sich nach der Anzahl der Zitzen einer ausgewachsenen Sau richtet - man kann ja nie wissen, ob man nicht eines Tages als Mutterschwein erwacht. Nicht weniger auffallend sind die "Impressionen eines Toilettengangs" in Form von Zeichnungen und Objekten von Magdalena Kucia. Es gibt aber auch Arbeiten, die sich mit ernsteren Fragen befassen: "Was bedeutet das Wort Stillstand noch in einer Welt, in der man ständig das Gefühl hat, etwas zu verpassen?" (Nadine Esche) oder "Wie frei konnten die Menschen von damals über ihr Leben entscheiden?" (Friederike Themann).

Die Klasse von Lili Fischer präsentiert ihre "Münsteraner Kunsteinfälle" vom 23. Juni bis 3. Juli 2011 im LWL-Freilichtmuseum Detmold.

Frankfurt: Geheimgesellschaften

Was haben Henry Kissinger, Silvio Berlusconi und Charles Baudelaire gemeinsam? Sie alle waren angeblich Mitglieder einer Geheimgesellschaft. Ob benebelte Dichter in Pariser Mansarden oder bombenlegende Rechtsextreme in Italien – immer faszinieren diese meist männlich dominierten Bünde durch ihre Unzugänglichkeit, ihre Geheimsprachen und ihre vermeintliche oder tatsächliche Macht. Die Gruppenausstellung von mehr als 100 Werken in der Frankfurter Schirn führt durch eine labyrinthähnliche, verfallene Stadt-Simulation. Besucher können optische Täuschungen entschlüsseln und Initiationsriten über sich ergehen lassen – um am Ende auf eine höhere Stufe der Erkenntnis zu gelangen. Nicht zuletzt sehen die Ausstellungsmacher in den verschworenen Gemeinschaften mit eigenen Ritualen und einer obskuren Formensprache eine Parallele zu Mechanismen zeitgenössischer Kunst.

Bis zum 25. September 2011 kann man in der Frankfurter Schirn in Gesellschaft der Geheimbünde "Wissen Wagen Wollen Schweigen" – so der Untertitel der Ausstellung.

Osnabrück: Kunstkörperlich-Körperkünstlich 3, Bodies

Eingefrorene Köpfe in einem inszenierten Kühlraum, ein aufgedunsener Menschenkörper mit Schweinekopf oder halb entkleidete, in die Leere starrende Models weisen auf ein düsteres Menschenbild hin. Wie der Titelzusatz "Bodies" schon andeutet, dreht sich der dritte und letzte Teil der im Jahr 2006 begonnenen Ausstellungsreihe "Kunstkörperlich-Körperkünstlich" um die Neuinterpretation des Körper- und Menschenbildes in Zusammenhang mit Wissenschaft und Medizin, der Modekultur und den Massenmedien. Unter den "künstlichen Körpern", die unter anderem von Vanessa Beecroft, Damien Hirst und Deborah Sengl stammen, befindet sich auch immer mal wieder ein lebendes Exponat: Der Schweizer Tim Steiner etwa hat sich dazu verpflichtet, das in seine Haut tätowierte Kunstwerk von Documenta-Künstler Wim Delvoye vier Wochen lang zur Schau zu stellen.

Die Ausstellung ist bis zum 18. September 2011 in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück zu sehen.

Attnang-Puchheim: Das Festival der Regionen 2011

Kulturinvasion in Oberösterreich: Für zwölf Tage soll das Festival der Regionen die Stadt Attnang-Puchheim in einen Kulturdistrikt verwandeln. Den thematischen Schwerpunkt des Festivals bildet der Ort selbst. So recherchierten die über hundert teilnehmenden Künstler im Vorfeld über die Geschichte und Identität der Stadt, ihre urbanen Gegebenheiten und markanten Eckpunkte sowie über die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Aktivitäten der knapp vierzig Projekte aus den Bereichen Musik, Theater, Performance, Bildende Kunst und Interventionen konzentrieren sich auf den klassischen Umsteigebahnhof und den anliegenden Stadtraum. Der Bahnhof als Festivalzentrum erlaubt den Besuchern, bei einem Film mitzuwirken, Umsteigende am Bahnhof zu begrüßen und das ein oder andere Kunstwerk zu erschließen.

Das Festival der Regionen findet bis zum 3. Juli 2011 im Bahnhof und im anliegenden Stadtraum statt.