Gib mir fünf! - Tipps

Tipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit kunstvollen Keksdosen, Architektur für einen guten Zweck, Stuttgart als Kunstmetropole, neuer Räumlichkeit und der Kunst mit dem Körper zu denken.

Nürnberg – Think outside the frame

In Museen läuft es meist so ab: Man geht die langen Gänge entlang und schaut sich die Kunstwerke ehrfürchtig an, die fein eingerahmt an den Wänden hängen.

Dabei werden die Gemälde von einem Sensor bewacht, damit man dem Bild ja nicht zu nahe kommt. Aber was passiert, wenn das Bild genug hat, von seinem Rahmen Käfig, sich verselbstständigt und die Ausstellungswand sowie den Boden für sich beschlagnahmt? In einer Gruppenausstellung der Kunsthalle Nürnberg wird gezeigt, wie das aussehen kann. Künstler wie Christine Streuli oder Markus Linnenbrinks schaffen es, die Mauer zwischen 2- und 3D zu spielerisch zu durchbrechen. Es wird sich die Freiheit genommen, die eigene Vision über dem Teller- beziehungsweise Rahmenrand zu vervollständigen. Cornelia Baltes Vogelkrawatte endet dann nicht mehr an der Kante der Leinwand, sondern zwei Meter vor dem Gemälde: auf dem Boden. Und Linnenbrinks Tapetenfarbe wird auf dem Boden einfach fortgesetzt und lässt eine Art Ames-Raum entstehen, der durch die optische Täuschung verzerrt wirkt.

Es ist Kunst, die neugierig macht, zumal sie ein neues Denken propagiert. Die Besucher werden aufgefordert, ihre Kunstgewohnheiten zu hinterfragen und sich auf eine neue Sicht der Dinge einzulassen. Nach einer interaktiven 3-D-Ausstellung im Schloss Lichtenwalde, die einen Besucherrekord mit über 60000 Besuchern erzielte, lockt jetzt die Kunsthalle Nürnberg mit spannenden dreidimensionalen Werken.

Die Ausstellung "Off The Wall – Bildräume und Raumbilder" ist vom 17. Juli bis zum 12. Oktober in der Kunsthalle in Nürnberg zu sehen.

Berlin – Das Auge isst mit

Kunstbegeisterte Naschkatzen ausgepasst! Hier kommt etwas für Augen und Gaumen, denn schmecken Kekse nicht gleich viel besser, wenn auch die Verpackung schmackhaft ist? Das hat sich auf jeden Fall Hermann Bahlsen gedacht, als er vor 125 Jahren sein Keksimperium gründete. Für seine Waffeletten und Butterkekse wurden keine gewöhnlichen Dosen verwendet. Sie wurden in Kunstwerken verpackt. Einer der bekanntesten Künstler für Bahlsen ist Emanuel Josef Margold, der unter anderem mit seinen Jugendstil-Keksdosen bekannt wurde. Egal ob farbige Ornamente, spielerische Tiermotive oder eine elegante Dame mit Hut: Die Verpackungen waren immer aktuell. So kann man in der Ausstellung des Bröhan-Museums in Berlin Charlottenburg sehr gut nachvollziehen, ob eine Dose aus den Zwanzigern oder doch aus den Siebzigern stammt. Die Keksdose also als Dokument der Geschichte. Für die Ausstellung wurden über 250 Kreationen aus dem Firmenbesitz sowie aus Privatsammlungen zusammengetragen. Wer also Heißhunger auf Kunst und Keks-(dosen) bekommen hat, kann sich die Schmuckstücke bis zum 09. November anschauen.

Die Ausstellung "Kunst und Keksdose – 125 Jahre Bahlsen" ist vom 17. Juli bis zum 09. November in dem Berliner Bröhan-Museum zu sehen.

München – Bauen für den Frieden

Die Situation im Nahen-Osten wird immer gefährlicher und brenzliger – vor allem für die Menschen die dort ihr Leben und ihre Häuser haben. Und wenn hierzulande die Nachrichtenmeldungen ein neues Thema fokussieren, kämpfen die Menschen in den Post-Konflikt Gebieten wie Kosovo oder Bosnien-Herzegowina weiter mit Fragen rund um deren zerstörtes Leben und deren Wohnräume.

Da ist es schön, eine Ausstellung zu besuchen, die einen wieder an das Gute glauben lässt. Eine hoffnungsvolle und solidarische Kunstinitiative macht es sich zur Aufgabe, mit ihrer "Architecture of Peace" Menschen aus Krisengebieten neue Hoffnung zu schenken. Aus Ruinen in Afghanistan, Ruanda oder Israel entstehen durch feinfühlige Planung neue Einrichtungen, die es den dort lebenden Menschen ermöglichen, ein neues Leben zu wagen. Die erste Baustelle ist also das Erschaffen von Neuem in einer meist wüsten Nachkriegslandschaft. Die zweite ist die Vereinigung zweier vermeintlich verhasster Landabschnitte, wie Belfast (Irland) oder Nikosia (Zypern). Erreicht werden soll das durch Architektur, die beide Seiten gleichwertig anspricht und die von beiden Seiten genutzt werden kann. Die Münchner Pinakothek thematisiert mit der Ausstellung "The Good Cause: Architecture of Peace – Divided Cities" zwei heikle Themen, die jedoch mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe vorgestellt werden und zeigen, dass es für einen Neuanfang nie zu spät ist.

Die Ausstellung "The Good Cause: Architecture of Peace – Divided Cities" ist vom 17. Juli bis zum 17. Oktober im Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne zu sehen.

Stuttgart – Das Sammeln ist des Königs Lust

Er war einer der mächtigsten Männer Europas seiner Zeit. Nicht nur politisch, sondern auch durch sein Kunstmäzenat. Wilhelm I. von Württemberg gründete Museen, Kunstschulen und hatte selbst eine der bedeutendsten Sammlungen. Nicht umsonst wurde Stuttgart damals als eine der Kunstmetropolen bezeichnet. Die Sammlung des Herrschers repräsentiert neben Macht und Reichtum vor allem sein Feingefühl für Qualität. Er sammelte Canova-Adaptionen von Achille Stocchi bis hin zu meisterhafter Malerei von Alexander Bruckmann oder Anselm Feuerbach.

Die Ausstellung der Stuttgarter Staatsgalerie zeigt sowohl Leihgaben der staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembergs, als auch eigene Bestände, die über Jahrzehnte verstaut waren. Jetzt, nach teilweise aufwendiger Restauration, wird versucht den Werken neues Leben einzuhauchen, indem die sonst getrennten Sammlungsobjekte in einer Ausstellung vereint werden. Zusätzlich wird der geschichtliche Hintergrund erläutert, wie es zu den königlichen Ankäufen kam. Genau das sind meist die Details, die es erlauben, den Wert oder die Geschichte hinter dem Bild zu erfahren. Und das wiederum ermöglicht einen anderen, tiefgründigen Blick auf die gesamte Sammlung.

Die Ausstellung "Königliche Sammellust – Wilhelm I. von Württemberg als Sammler und Förderer der Künste" ist vom 18. Juli bis zum 26. Oktober in der Staatsgalerie in Stuttgart zu sehen.

Salzburg – Denksport

Einige Menschen denken über alles nach. Ein Satz oder ein Gedanke kann da schon mal wie eine Fischgräte auseinandergenommen und analysiert werden. In einigen Situationen hilfreich, doch manchmal eine Blockade für einen selbst. Nicht umsonst gibt es den Spruch: "Tun statt denken". Warum also nicht mit dem Körper statt mit dem Kopf denken. Der Körper als Kommunikationskanal – eine Idee, die schon bei Kandinsky Anklang fand. Eine der bedeutendsten und konsequentesten Künstlerinnen, die diesen Ansatz verfolgt, ist Simone Forti. Die gebürtige Italienerin interessiert dabei "was man durch den Körper über Dinge weiß". Ein Satz, der erst richtig klar wird, wenn man sich die Arbeit „Huddle“ aus dem Jahr 1960 sieht. Eine Menschengruppe bildet aus vielen Körpern einen. Eine reale Skulptur, die verbindet und die Personen intuitiv handeln lässt. Forti nutzt Bewegung und Tanz um Gedanken nachvollziehen zu können, aber auch im Erlebtes zu verarbeiten. Es ist aktive Kunst, die alleine nicht funktioniert. Gruppendynamik als Gruppentherapie? Das Museum der Moderne Mönchsberg in Salzburg zeigt jetzt eine Retrospektive der Arbeiten der italienisch-US-amerikanischen Konzeptkünstlerin und macht Lust, sich selbst der Bewegung hinzugeben.

Die Ausstellung "Simone Forti – Mit dem Körper denken: Eine Retrospektive in Bewegung" ist vom 18. Juli bis zum 09. November im Museum der Moderne Mönchsberg in Salzburg zu sehen.