Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor. Diesmal geht es um versteckte Botschaften, Produktionsprozesse, Urbanisierung und das Verhältnis von Kunst und Politik.

Oldenburg: Produced@ – 10 Jahre Stipendium für Medienkunst

Ein Kunstwerk als Produkt zu klassifizieren erscheint erstmal abwertend. Dass mit der Reduzierung des Objekts auf seine Herstellung auch durchaus seine Besonderheiten hervorgehoben werden können, zeigt die Ausstellung "Produced@ – Zehn Jahre Stipendium für Medienkunst" im Oldenburger Edith-Ruß-Haus für Medienkunst.

Seit 2001 fördert die Ausstellungsinstitution gemeinsam mit der Stiftung Niedersachsen Gastkünstler durch die Vorfinanzierung technisch aufwändiger Neuproduktionen. 26 Arbeiten aus dem Bereich der medienbezogenen Kunst sind seither entstanden, darunter vor allem Videoarbeiten und ausufernde mechanische Installationen. Das "Paykan Project" von Anahita Razmi zum Beispiel dokumentiert die Überführung eines Autos von Teheran nach Oldenburg in einem elfstündigen Film, die miniaturisierte Atompilz-Simulation nach einer Reaktorkatastrophe des Künstlers HeHe lässt Rückschlüssse auf aktuelles Geschehen zu. Unter Berücksichtigung der räumlichen und zeitlichen Dimensionen der geförderten Kunstwerke erscheint die Referenz zum Produktionsprozess als Würdigung des technischen Aufwands nur angemessen.

Die Ausstellung "Produced@ – 10 Jahre Stipendium für Medienkunst" ist vom 26. August bis zum 6.November im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst in Oldenburg zu sehen. Eröffnung ist am 25. August um 20.00 Uhr.

Langenhagen: Hidden Poems von Natalie Czech

Zwischen den Zeilen finden sich bekanntlich die wahren Inhalte. Ganz wörtlich zu nehmen ist das bei der Ausstellung "Hidden Poems" der Fotografin Natalie Czech. Gezielte Markierungen im Fließtext von illustrierten Zeitungs-, Magazin und Buchtexten offenbaren vormals versteckte Gedichte von E. E. Cummings, Jack Kerouac und Rolf Dieter Brinkmann. Der so entstandene „Text im Text“ unterstreicht zugleich Willkür und Kalkül der durch routinierte Sehgewohnheiten eindimensional rezipierten Letternkombinationen. Auch explizit grafische Elemente kontrastiert Natalie Czech mit verschiedenen Textlayouts. Ihre Serie "A small Bouquet" bot sieben Autoren die Möglichkeit, das blumenförmige Kalligramm des amerikanischen Dichters Frank O’Hara im Rahmen eines eigenen Textes aufzugreifen. Die Berliner Fotografin wurde für die Serie im Jahr 2010 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stipendium ausgezeichnet.

Die Ausstellung "Hidden Poems" ist im Kunstverein Langenhagen vom 25. August bis zum 9. Oktober 2011 zu sehen. Am Sonntag, den 9. Oktober findet ein Künstlergespräch statt.

Köln: Dressing the city und mein Kopf ist ein Hemd

Zurückgelassene Kleidungsstücke im Alltag erscheinen oftmals bizarr. Als leblose Hülle, meist deutlich gezeichnet durch Vorbesitzer oder Witterung, offenbaren sie viel über Geschmack und Beschaffenheit des Vorbesitzers, ohne aber Aufschluss über den Verlust selbst oder den persönlichen Stellenwert zu geben. Die Ausstelllung "Dressing the city und mein Kopf ist ein Hemd" des Performance-Duos Angie Hiesl und Roland Kaiser in der Kölner Innenstadt beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Kleidung und Umwelt, erweitert die Perspektive aber noch um den menschlichen Körper. Zehn Tänzerinnen und Tänzer klettern auf Verkehrsschilder und winden sich akrobatisch um Parkpfosten im innerstädtischen Raum. Es entstehen absurde Gebilde, die sowohl gewohnte Vorstellungen vom menschlichen Körper als auch das alltägliche Straßenbild verzerren und unmittelbar für Ver- oder vielmehr Bewunderung sorgen.

Die Ausstellung "Dressing the city und mein Kopf ist ein Hemd" ist vom 25. August bis zum 10. September in verschiedenen Aktionen in der Kölner Innenstadt zu sehen.

Köln: Chto Delat? Perestroika: Twenty Years After: 2011-1991

"Chto Delat?" bedeutet wörtlich übersetzt "Was ist zu tun?" Ebenso könnte der Name des russischen Künstlerkollektivs für die Frage stehen, ob Kunst wirklich Einfluss auf politisches Geschehen nehmen kann. Der 2003 gegründete Zusammenschluss aus Philosophen, Autoren, Künstlern und Kunstkritikern reflektiert in seinen genreübergreifenden Arbeiten historische Umbruchsprozesse und gesellschaftlichen Wandel im Hinblick auf deren Entstehung und Rückwirkung. So zeigt die Ausstellung "Perestroika. Twenty years after: 2011 – 1991" im Kölnischen Kunstverein antichronologisch angeordnet Videoarbeiten, Texttafeln und Plakate, die sowohl aktuelles Geschehen, wie ein Bauvorhaben des russischen Energiekonzerns Gazprom in St. Petersburg, als auch die Entwicklung der ehemaligen Sowjetunion nach der Umbruch vor 20 Jahren aufgreifen. Ob der politische Status quo auch über die gezeigte Kunst transportiert werden kann, bleibt abzuwarten.

Die Austellung "Perestroika. Twenty Years After: 2011 - 1991" von Chto Delat? Ist vom 27. August bis zum 18. September im Kölnischen Kunstverein zu sehen. Die Eröffnung findet am 26. August um 19 Uhr statt.

Wiesbaden: Stones & Sketches von Hansjörg Göritz

"Urbanscapes" nennt Hansjörg Göritz seine innerstädtischen Bauentwürfe die kaum besser zum Motto des diesjährigen Architektursommers im Rhein-Main Gebiet "Wohnen und Leben in der Stadt" passen könnten. An innerstädtische Strukturen passen sich nicht nur seine, mit dem Wienerberger "Brick Award" ausgezeichneten, Projekte "Hohes Haus" und "Langes Haus" im Liechtensteiner Landtag an. Auch seine anderen Entwürfe, wie etwa "Der Körper aus Glasblöcken", die S-Bahn Station zur EXPO 2000 in Hannover, sprechen eine klare und modern-urbane Sprache. Die gezeigten Skizzen transportieren diesen Ansatz mit zarten Farben und flüchtigem Pinselduktus. Göritz, dessen Stil von puristischer Leichtigkeit und archaischen Strukturen bestimmt ist, lehrt seit 2007 als Professor für Architektur an der University of Tennessee.

Die Ausstellung "Stones&Sketches" von Hansjörg Göritz ist vom 27. August bis zum 3. Oktober im Museum Wiesbaden zu sehen.