Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit knallbunten Farbwelten, einer Gegenbewegung am Rhein und preisgekrönten Künstlern
Die fünf Tipps der Woche:Die Kunst-Höhepunkte der Woche

Das Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt zeigt eine knallbunte Schau. Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger: "Fruchtschale", 2011, Kunststoffschalen, Eimer, Kunstdüngerlösung ca. 65 (h), Durchmesser 30 cm

Ingolstadt: Leuchtendes Beispiel

Erst seit den sechziger Jahren sind diese leuchtenden Farben bekannt. Ob als Warnwesten für Straßenbauer oder Knicklichter auf Technopartys, Neonfarben sollen auffallen.

Lediglich als Party–Deko oder Graffiti in der Kunst verwendet, fristeten die aufdringlichen Farben ein stiefmütterlich behandeltes Dasein. Dass sich durchaus auch zeitgenössische Künstler mit den fluoreszierenden Farben auseinandergesetzt haben, zeigt das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt.

Mit Werken von 38 Künstlern, darunter Manfred Kuttner, Rolf Glasmeier, Katharina Grosse und Tagesleuchtfarben–Pionier Rupprecht Geiger, legt die Ausstellung erstmals einen Fokus auf die Verwendung von Neonfarben in der Kunst. Dabei wird deutlich, dass sich der künstlerische Kontext von Gemälden und Skulpturen bis hin zu Installationen und fotografischen Arbeiten erstreckt. Überdies wird die Ausstellung durch einen Katalog begleitet, in dem neben kunsthistorischen Aspekten auch die chemisch/technische Seite und die Alltagsverwendung von Neonfarben dargestellt werden.

Im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt ist vom 1. Dezember 2013 bis 9. März 2014 "Neon – vom Leuchten der Kunst" zu sehen.

Konstanz: Aufbegehren am Rhein

Ab der Jahrhundertwende galt es in Deutschland ein Ungleichgewicht in der Kunst, ausgehend von Berlin und München, zu egalisieren. Dafür wurden um 1900 "Die Rheinlande", eine Kunstzeitschrift, und vier Jahre später der "Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein" gegründet. Ihr Ziel bestand darin, das kulturelle Zeitgeschehen in den Anliegerstaaten des Rhein zu dokumentieren und aktiv zu fördern. Vom Bodensee und der deutschsprachigen Schweiz bis hin nach Köln, Düsseldorf und Hagen reichte die Verbreitung von Zeitschrift und Verband.

Mit insgesamt 120 Gemälden, Grafiken und Plastiken von mehr als 50 Künstlern zeigt die Städtische Wessenberg-Galerie in Konstanz eine beeindruckende Vielfalt der Kunstlandschaft entlang des Rheines während der ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Vetreten sind unter anderem Cuno Amiet, August Gaul, Giovanni Giacometti, Carlos Grethe, Adolf Hölzel, Bernhard Hoetger, Ludwig von Hofmann, Ida Kerkovius, Wilhelm Lehmbruck, Hans Meid und Walter Ophey.

"Die andere Moderne. Kunst und Künstler in den Ländern am Rhein 1900 bis 1922" ist vom 30. November 2013 bis 23. Februar 2014 in der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz zu sehen.

Kaiserslautern: Raum der Emotionen

Wie fühlt sich ein Raum an, und wie reagiert der Mensch, wenn dieser Raum mit Objekten belegt ist?
Im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern befasst sich Werner Haypeter mit unterschiedlichen Raumvorstellungen und deren emotionaler Wirkung. In seinen 30 überwiegend neuen Arbeiten betrachtet er überdies psychologische und gesellschaftliche Aspekte in Form von Installationen, Wandobjekten und Papierarbeiten. Dabei spielen für ihn Materialien wie Kunststoff eine besondere
Rolle. Als Besonderheit in seinen Werken gilt die Verschlüsselung von Maßeinheiten. Unterschiedliche Maßeinheiten stellen hierbei innerhalb eines Werkes zu errechnende Bezüge her. Parallel zur Ausstellung im Museum Pfalzgalerie wird in der Galerie Wack ebenfalls konkrete Kunst von Haypeter gezeigt.

Die Schau "HAYPETER, raum maß–geblich" im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern ist vom 30. November 2013 bis zum 2. März 2014 zu sehen.

Berlin: Zur Verzückung Brechts

Seit 1996 verleiht das Land Berlin den Hannah-Höch-Preis, zu Ehren der 1978 gestorbenen Dadakünstlerin, für ein hervorragendes künstlerisches Lebenswerk. Diese Jahr wird der Professor von der Hochschule für bildende Künste Andreas Slominski ausgezeichnet. In seinen Werken reflektiert der Bildhauer soziale, historische und ökonomische Zusammenhänge und erkundet gesellschaftliche Verhältnisse und Konventionen. Darüber hinaus erweiterte Andreas Slominski mit seinen Arbeiten "Fallen" den Begriff der Skulptur.

Mit seiner Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein und der Brecht–Weigel-Gedenkstätte thematisiert Andreas Slominski philosophische Aspekte und Freundschaftsbeziehungen als Vertrauensbasis zwischenmenschlicher Kommunikation. Bertholt Brecht, dessen gemeinsame Zeit mit Helene Weigel und die Art und Weise der Repräsentation in der Gedenkstätte greift Slominski auf. Dafür bringt er in Anlehnung an die Automobil-Affinität Brechts auf dem Weg zwischen der Brecht-Weigel-Gedenkstätte und dem Friedhof, auf dem Brecht begraben liegt, Abschleppschilder an. Um obendrein den gesellschaftlichen Rang und die Attribute von Männlichkeit darzustellen, hat Andreas Slominski einen Bergsteiger mit Krawatte die Eiger–Nordwand hochgescheucht.

Die Ausstellung "Über die Freundschaft" findet vom 30. November 2013 bis 26. Januar 2014 im Neuen Berliner Kunstverein und in der Brecht- Weigel-Gedenkstätte statt.

Mannheim: architecture for real

In dem Film "Inception" verdreht Schauspielerin Ellen Page allein mit ihren Gedanken ganze Häuserschluchten und den Zuschauer gleich mit. Susa Templin erzeugt mit ihren architektonischen Rauminstallationen einen ähnlichen Effekt. Bleibt dabei aber so gut es geht real. Ihre imaginären Bildgebäude fertigt die Hamburgerin aus Collagen und Fotografien. Im Dezember erhält sie den Weldekunstpreis für Fotografie und zeigt in diesem Rahmen eine speziell für die Galerie ZEPHYR entwickelte Inszenierung.
Außerdem sind rund 80 Arbeiten, darunter Fotografien, Modelle und Installationen von Susa Templin in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zu betrachten. Es ist die erste umfassende Schau der Künstlerin. In ihren Werken spielt der Raum eine zentrale Rolle. Begonnen hat Templin die thematische Auseinandersetzung in New York, wo sie durch analoge Arbeitsweisen ihre Umwelt collagenhaft veränderte.

Die Ausstellung "Real Estate" ist in den Mannheimer Reiss- Engelhorn-Museen und der Galerie ZEPHYR vom 1. Dezember 2013 bis zum 26. Januar zu sehen.