Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunsthöhepunkte vor. Diesmal geht es um das Sichtbarwerden von Beschleunigung, Leere und Fernweh, isländische Fotografie und die Illustration des Alltags.

Frankfurt: Grenzen anderer Natur/ Ragnar Kjartansson: Endlose Sehnsucht, ewige Wiederkehr

Wo spektakuläre Sinneseindrücke zum Alltag gehören, wird naturgemäß viel fotografiert. Dass das nicht zwangsläufig dröge Landschaftsaufnahmen zur Folge haben muss, wird in "Grenzen anderer Natur", einer Gruppenausstellung isländischer Fotografen im Frankfurter Kunstverein deutlich.

Mal melancholisch, mal ironisch, mal ehrfürchtig, demonstrieren die Bilder vor allem einen emotionalen Zugang der Künstler zu ihrer Heimat. Etablierte Insel-Größen wie Haraldur Jónsson, Hrafnkell Sigurðsson und die Icelandic Love Corporation erscheinen neben Newcomern der Szene. Abseits der Umwelteindrücke widmet sich Ragnar Kjartansson in seinen Bilderserien, Videoarbeiten und Installationen der Verkörperung unterschiedlicher Rollen aus den Bereichen bildende Kunst, Musik und Theater. Dabei setzt sich der Künstler in seinen Performances und Porträts stets dramaturgisch in Szene, hier als Showmaster, da als Kreuzritter. Im Zentrum seiner parallel laufenden Einzelausstellung steht dabei das Ausharren im Moment höchster emotionaler Ergriffenheit. Nicht nur die geografische Herkunft der Arbeiten kann demnach als verbindendes Element der Schauen betrachtet werden.

Die Ausstellungen "Grenzen anderer Natur" und "Ragnar Kjartansson: Endlose Sehnsucht, ewige Wiederkehr" sind vom 19. August bis zum 16. Oktober im Frankfurter Kunstverein zu sehen.

Potsdam: High Speed, Slow Motion

Die Assoziationskette die sich beim Lesen des Ausstellungstitels "High Speed, Slow Motion" ergibt, reicht von HiFi-Anlagen bis zu Splatterfilmen. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine kreative Analyse der täglichen Bilderflut in den Massenmedien, zusammengefasst in einer New-Media-Schau im Kunstraum Potsdam. Zwölf Künstler untersuchen, hauptsächlich audiovisuell, aber auch in Objekten und Bildern den Begriff der Beschleunigung auf mehr oder minder dynamische Weise. Durch Wiederholungen und Zeitlupenaufnahmen in filmischen Installationen sollen gewohnte Wahrnehmungsmechanismen ebenso aufgebrochen werden, wie durch die temporale Steigerung der Bildabfolgen. Neben dem Video-Klassiker "Der Lauf der Dinge" von David Fischli und Peter Weiss tauchen in der von Sonja Claser kuratierten Ausstellung auch Beiträge von Florian Baudrexel und Tatjana Doll auf. Damit erhält die Präsentation eine zusätzliche zeitliche Dimension.

Die Ausstellung "High Speed, Slow Motion" ist vom 21. August bis zum 2. Oktober im Kunstraum Potsdam zu sehen.

Berlin: Sarah Illenberger: Good Weather

Eine gute Illustration prägt sich ein, hält einen fest, lässt vielleicht sogar kurz schmunzeln. Sarah Illenbergers dreidimensionale Darstellungen schaffen das erstaunlich oft. Ob sie Peperoni aus Feuerzeugen sprießen lässt, Kopfhörer aus Muffin-Förmchen bastelt oder, wie bei "Chrystal Pfister", ganze Brotlaibe mit Kristallen bestückt, immer erscheinen ihre Kompositionen unprätentiös und neu. Anlässlich der Veröffentlichung ihrer ersten Monographie im Gestalten Verlag lädt dieser nun zu einer Solo-Ausstellung im hauseigenen Space in den Berliner Sophie-Gipshöfen ein. Illenbergers Bilder erzeugen größtmögliche visuelle Effekte mit scheinbar einfachen Methoden. Fast immer werden Alltagsgegestände entfremdet, ihrer ursprünglichen Funktion enthoben und neu definiert. Ihr Talent zum Rearrangement konnte die Graphic Designerin unter anderem auch schon bei Nike, Vanity Fair und dem "SZ"-Magazin unter Beweis stellen. Auch das zeigt die Schau mit dem Titel "Good Weather".

Die Ausstellung "Good Weather" ist vom 18. August bis zum 11. September im Gestalten Space in den Berliner Sophie-Gips-Höfen zu sehen.

Solothurn: Andre Roiter: Runaway/Kolobok

Nicht nur Satelliten, sondern auch Reisegefährten heißen in Russland "Sputnik". Der aus Moskau stammende Künstler Andre Roiter evoziert mit seinem Austellungstitel "Runaway" im Kunstverein Solothurn Gedanken von Aufbruch und Neuanfang. Objekte, Zeichnungen, Aquarelle und Collagen thematisieren sowohl Zwischenzustände im Sinne der temporären Reiseerfahrung als auch Migration und Nomadentum. Gleichzeitig wird mit den allegorischen Objekte, häufig dem Alltag entliehen, die Rolle des Künstlers als außenstehendes, mitunter fremdartiges Wesen am Rande gesellschaftlicher Strukturen angesprochen. Eine Prise diffusen Fernwehs schwingt auch bei der temporären Außeninstallation "Kolobok" mit, einem kugelförmigen Konstrukt aus Plastikschläuchen und Zellstoff, das sich an der Geschichte eines durch die Strasse rollenden Teigklumpens aus einem russischen Märchen orientiert. Ebenso referenzwürdig wären laut Pressetext anfangs erwähnte Satelliten "Sputnik", die als Kugel geformt ins All geschossen wurden. Räumlich und inhaltlich flankiert wird die von Roswitha Schild kuratierte Schau von der Gruppenausstellung "Science & Fiction. Künstlerische Praxis im Dialog mit den Wissenschaften."

Die Ausstellung Andre Roiter – Runaway (Graphisches Kabinett) und Andre Roiter – Kolobok (Aussenprojekt) ist vom 20. August bis zum 13. November im Kunstverein Solothurn zu sehen.

Berlin: Vera Hofmann: Vakuumresonanz

Vera Hoffmann hat es sich zum Ziel gesetzt, das "Nichts" zu porträtieren. In Ihrer Ausstellung "Vakuumresonanz" in der Berliner Galerie pixelgrain kontrastiert sie die Leere mit Fundstücken aller Art. Es entstehen spärlich bestückte Orte, Sammelstationen des Vakuums, die die Künstlerin fotografisch festhält. Dass die fixierten Arrangements nur von kurzer Dauer sind und gleich nach ihrer Verbildlichung wieder aufgelöst werden, verstärkt das akute Moment und damit die temporäre Komponente des wahrgenommenen "Nichts". Hinzu kommt die Wiederholung bestimmter Materialien und Objekten wie Stühlen. Fast könnte man dann die Aufnahmen der "Vakuumresonanz" als Dokumentation eines zuvor stattgefundenen Happenings betrachten, das durch die Fotografie erneut manifestiert wird. Ob es ihr tatsächlich gelingt, das blanke "Nichts" darzustellen, lässt sich wohl erst nach dem Ausstellungsbesuch klären.

Die Ausstellung "Vera Hoffmann – Vakuumresonanz" ist vom 19. August bis zum 27. September in den Räumen der Berliner Galerie pixelgrain zu sehen. Die Eröffnung findet am 18. August um 19.00 Uhr statt.