Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit düsteren Märchen, barbusigen "DDR-Mädchen" und Fremdkörpern einer geschönten Gesellschaft.

Berlin: Märchengefilde

Betrachtet man die großformatigen Fotografien des spanischen Fotokünstlers Eugenio Recuenco in seiner Einzelausstellung in der CWC Gallery in Berlin, beginnt man sogleich, sich in seine Bilder hineinzuträumen.

Figuren aus Märchen und fabelhafte Wesen beheimaten seine Bilder, Romanfiguren und gewandelte Persönlichkeiten der Geschichte. So greifbar nah und bizarr vertraut sie und ihre Geschichten uns erscheinen mögen, bleiben ihre Gefilde doch traumwandlerische Illusionen, Bilder mit Tiefgang, in denen Helden und Antihelden Licht und Düsternis erfahren.

Die Ausstellung "Eugenio Recuenco" ist vom 31. August bis zum 16. November in der CWC Gallery in Berlin zu sehen. Zur Ausstellung erscheint das Fotobuch "Revue" im teNeues Verlag für 98 Euro.

Cottbus: Der Kindheit entwachsen

Es ist nicht leicht, erwachsen zu werden. Schmerzhaft besonders, kein Kind mehr zu sein und noch kein Erwachsener, den Spielen der einen nicht mehr zugehörig und von den anderen als Pubertierender belächelt, nicht als ebenbürtig anerkannt und nicht verstanden. Sich beweisen zu müssen, dass man doch dazu gehört, Erwachsenenrituale nachzuahmen, viel zu riskieren und dabei womöglich sich selbst zu finden oder zu verlieren, darum geht es in der Gruppenausstellung der Fotografen der Ostkreuzschule. Und bereits der Titel klingt dabei bedrohlich: "Ihr könnt euch niemals sicher sein". Ja, wie war es denn damals, ein Gefühl der Unsicherheit – kein Kind mehr und noch kein Erwachsener.

Die Ausstellung "Ihr könnt euch niemals sicher sein. Fotograf/innen der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin" ist vom 31. August bis zum 6. Oktober im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen.

Zürich: Geschönte Gesellschaft

Bereits auf den ersten Blick erwecken Larry Sultans Fotografien Unbehagen. Der Störfaktor lässt sich schnell finden und hat man ihn ausfindig gemacht, möchte man sich fast schämen. Hat eine Putzfrau etwa keine Daseinsberechtigung auf einem Bild, das in herrschaftlichem Ambiente aufgenommen worden ist? Auf alle Fälle stört sie unsere Vorstellung einer perfekten Traumwelt, die die diamantbehängte Dame in smaragdgrüner Abendrobe uns im vornehm ausgestatteter Räumlichkeit mit hoher Decke, erleuchtetem Kronleuchter und glänzendem Kandelaber gegeben hätte. Der schöne Schein ist dahin. Und auch Sultans weitere Fotografien, die in der Gallery Focus21 in Zürich ausgestellt sind, wirken nicht weniger befremdlich, da mit "Fremdkörpern" versehen.

Die Ausstellung "Larry Sultan – SF Society" ist bis zum 6. November in der Gallery Focus21 in Zürich zu sehen.

Leipzig: Wo ist Zuhause?

Mobil sein – die Devise des globalen Marktes ist längst im heimischen Wohnzimmer angekommen. Doch während Mobilität für den einen Reisen bedeutet, kann sie für den anderen in Zusammenhang mit Arbeitsplatzwechsel, Umzug oder gar Abschiebung stehen. Dem Thema entsprechend zieht die Ausstellung "Cultural Clash Nomade" vom 30. August bis zum 14. September in Wohnwagen und Zelten mit einem stattlichen Begleitprogramm bewaffnet als "Karawane" durchs Land. Mit im Gepäck die Arbeiten 19 junger Künstler, die sich mit dem Wandel kultureller Identität auseinandersetzen in einer Welt, in der sich von Kleidung und Rohstoffen über Emails und Fotos bis hin zu Idealen, Ideen und Gedanken und nicht zu letzt auch Menschen alles – ohne Grenzen zu bedürfen, zu kennen oder zu beachten – bewegt.

Die mobile Ausstellung "Cultural Clash Nomade" der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) und der Hâute École d´Art et Design, Genf (HEAD) stationiert am 30. und 31. August in Leipzig im Garten der Galerie für Zeitgenössische Kunst, anschließend in Nordhausen, Frankfurt am Main, Ludwigshafen, Strasbourg und Genf.

Markkleeberg/Leipzig: Akt und Geschichte

Das Faible für FKK-Strände in Ostdeutschland ist weithin bekannt. Die gelassene Freizügigkeit der "Mädchen der DDR", die Günter Rössler 1984 für den Playboy ablichtete, verwundert daher wohl kaum und ließ die westdeutschen Männer den Fall der Mauer herbeisehnen. Ob der Markkleeberger Akt- und Modefotograf, der im letzten Jahr gestorben ist, zu Recht oder zu Unrecht als "Helmut Newton der DDR" galt, davon kann man sich jetzt in einer Sonderausstellung im Deutschen Fotomuseum überzeugen.

Die Dauerausstellung des Museums, das am 27. August in neuem Gebäude wiedergeöffnet wurde, widmet sich derweil der über 170-jährigen Geschichte der Fotografie. Denkt man an die Anfänge der Fotografie zurück, läuft einem sogleich ein stummer Schwarzweißfilm in Zeitlupe durch den Kopf. Unsere Vorstellung der vergangenen Zeit wird maßgeblich bestimmt von den Bildern jener Zeit, für die es einst noch einen kiloschweren Kasten, viel Geduld, Stillhalten und das nötige Talent bedurfte. Mediale Bilderflut und digitale Schnappschusskünste hingegen sind heute.

Die Ausstellung "Günter Rössler" ist bis zum 29. September im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg bei Leipzig zu sehen. Die Dauerausstellung "Fotofaszination" und wechselnde Kabinettausstellungen ergänzen das Angebot.