Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einem Enfant terrible, einer guten Freundin und einem bunten Jubiläum

Die Anfangsmelodie hat beinahe jeder im Kopf, viele können sie auf Anhieb summen.

Hannover: Cowboy und Indianer

Als Kind haben wir Aufführungen mit galoppierenden Pferden und rauchenden Gewehren gesehen, jetzt freuen sich alle Väter, mit den Kindern noch einmal eine Karl-May-Freilichtbühne besuchen zu können. Winnetou ist allgegenwärtig, genauso sein Kumpane Old Shatterhand und die Geschichte vom Schatz im Silbersee. Mit seinen Romanen und den sogenannten Reiseerzählungen wurde ihr Erfinder Karl May zu einem der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands.

Seit über einem Jahrhundert werden die Abenteuer seiner Helden in Bilder umgesetzt, die jetzt eine Schau im Wilhelm-Busch-Museum für Karikatur und Zeichenkunst ausstellt. "Mit Karl May um die Welt – Geschichte eines Mythos in Bildern" präsentiert eine große Auswahl an Plakaten, Bucheinbänden, Comics, Kinowerbung, Fotografien von Karl May selbst, Kostümentwurfszeichnungen, Filmstills und vielem mehr. Ungewöhnliche Exponate wie lebensgroße Starschnitte aus der "Bravo" hängen neben Malereien von Christian Moser, Zdenek Burian und Michael Sowa. Ein Museumsabenteuer und ein Muss für jeden Indianer- , Cowboy- und natürlich insbesondere Winnetou-Fan.


Die Ausstellung "Mit Karl May um die Welt – Geschichte eines Mythos in Bild und Film" ist bis zum 13. Oktober im Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover zu sehen

Kiel: Die Kombination macht's

Die Radierung fasziniert durch ihre große Wandelbarkeit in Kombination mit anderen Drucktechniken und Kunstgattungen. Durch unterschiedliche Verbindungen entstehen ganz neue Perspektiven, wie zum Beispiel bei der Anwendung des Druckverfahrens auf Fotografien oder verschiedenen Untergründen. Der Kunstverein Haus 8 zeigt diese Vielfalt nun in der Ausstellung "Die Radierung" mit Arbeiten von Ekkehard Thieme, Rosemarie Trockel und Rainer Gröschl.

Gröschl, der gleichzeitig auch Kurator der Schau im Atelierhaus im Anscharpark ist, probiert sich in seinen Arbeiten an eben diesen verschiedenen Techniken. Mit reiner Kaltnadel oder kombinierten Vorgehensweisen entstehen meist ungegenständliche Arbeiten, die höchstens verfremdete Personen, Gegenstände oder Landschaften zeigen. Bei Ekkehard Thieme hingegen entstehen durch klare Linien und Flächen neue Welten, in die der Betrachter eintauchen kann. Rosemarie Trockels Werke basieren auf historischen Fotos der fünfziger Jahre, deren Hintergrund sie umgestaltet. Unnatürliche Farbgebung und schemenhafte Personen auf verschiedenen Formaten lassen ihre Serie wie einen Traum erscheinen.

Die Ausstellung "Die Radierung: Thieme | Trockel | Gröschl" ist vom 17. August bis zum 15. September im Atelierhaus im Anscharpark in Kiel zu sehen

Höxter und Pad Pyrmont: Provokanter Partylöwe

Er war sicher einer Deutschlands aufreibendster und streitbarster Künstler, prominent und weltweit erfolgreich. Professor, aber auch Provokateur und Partylöwe, dessen Beziehungen zum Ende seines Lebens hin immer wieder für Schlagzeilen sorgten. 2007 starb der Maler, Bildhauer, Grafiker und Aktionskünstler Jörg Immendorff mit 61 Jahren an einer unheilbaren Nervenkrankheit. Die Thematisierung der Deutschen Teilung verhalf ihm, der mit seiner Kunst überall anzuecken schien, zum Durchbruch.

Gleich zwei Ausstellungen, im Schlossmuseum Corvey in Höxter und im Museum Bad Pyrmont, widmen sich dem Schaffen des Enfant errible. Das Schlossmuseum zeigt dabei insbesondere einen großen Teil der Serie "Café Deutschland", Immendorffs Beitrag zum geteilten Deutschland. In grellen Farben, surreal und voller Faszination schaffte der Künstler eine fiktive Begegnungsstätte beider Staaten. Das Museum Bad Pyrmont widmet sich vor allem Immendorffs Wappentier, dem Affen. Seiner Tochter schenkte er ein Bilderbuch mit dem Titel "15 Affen für Ida" und auch die Politik ließ er von dem tierischen Motiv unterwandern.

Die Ausstellung "Immendorff in Corvey & Bad Pyrmont. Ungewöhnlicher Künstler in historischen Schlössern" ist vom 17. August bis zum 3. November im Schlossmuseum Corvey in Höxter und im Museum Bad Pyrmont zu sehen

Hamburg: Eine Party für ein Magazin

Eine Gruppe Hamburger Künstlerinnen, ein monothematisches Magazin und gaaaaaanz viel kreative Energie: Das sind die Zutaten der Anthologie SPRING, die jedes Jahr im Sommer einen neuen Band in der Familie der kleinen Heftchen begrüßt. Mit nichtkommerziellen Arbeiten aus den Bereichen Comic, Illustration und freier Zeichnung entstanden bereits Hefte zu Themen wie Wandlungen und Nachstellungen, Special Places, Happy Ending oder Familiensilber. Nun hat das international renommierte Magazin am 16. August Geburtstag, wird zehn Jahre alt.

Das Heft "ABC of Tragedy" schufen mehr als 30 Zeichnerinnen gemeinsam, die zur Veröffentlichung der Jubiläumsausgabe in die Viktoriakaserne einladen. Hier wird nicht nur der Release ordentlich gefeiert und vielleicht auch begossen. Nebenbei kann bis zum 18. August auch eine Ausstellung der Beiträge besucht werden. Bunt wird es da, zuweilen auch verrückt. Vieles ist lustig oder komisch, manches wirklich seltsam, einiges gar traurig. Es gibt Helden, Konflikte, Glück, Hass und Liebe, und über vieles lohnt es sich, länger nachzudenken. Natürlich kann das neuste Heft, übrigens im Dreifarbdruck mit schwarz, pink und ocker, auch direkt vor Ort gekauft werden.

Die Releaseparty des SPRING-Magazins startet am 16. August um 20 Uhr. Die Ausstellung mit Arbeiten aus zehn Jahren läuft am 17. und 18. August jeweils von 14 bis 20 Uhr in der Viktoriakaserne in Hamburg

Kaiserslautern: Lous Männer

Lou Albert-Lasard war charismatisch, herzlich und aufgeschlossen. Mit Kreativität und großem Engagement verfolgte sie ihre drei Berufsfelder: Kunst, Publikationen und Übersetzungen. Die Tochter aus gutem Hause war Jüdin. Im zweiten Weltkrieg war sie für mehrere Monate im Lager Camp des Gurs in Südfrankreich interniert, dessen Opfern der Bezirksverband Pfalz in diesem Jahr gedenkt. Die Ausstellung "Begegnungen. Lou Albert-Lasard (1885-1969) und ihre Künstlerfreunde" zeigt die Expressionistin durch die Augen ihrer Freunde und Bekannten.

In jungen Jahren lebt Albert-Lasard zunächst in München und Paris, dann, wegen ihrer Liebe zu Schriftsteller Rainer Maria Rilke, in Wien. Der schrieb ihr Gedichte, andere Männer, deren Bekanntschaft sie machte, malten sie. Darunter auch Wassily Kandinsky, Paul Klee, Marc Chagall und Ossip Zadkine. Wie sie die Expressionistin sahen, was sie für ihren Bekanntenkreis ausmachte, will die Ausstellung zeigen. Mit den teilweise noch nie gezeigten Stücken aus eigener Sammlung weht ein Hauch vom Flair der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Hallen und Flure der Pfalzgalerie.

Die Ausstellung "Begegnungen. Lou Albert-Lasard (1885-1969) und ihre Künstlerfreunde" ist vom 17. August bis zum 15. September im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern zu sehen