Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit Gedanken, die eine Revolution auslösen, urbaner Ästhetik und einem rätselhaften Panorama.

Karlsruhe: Komplexe Grenzüberschreitungen

Ein ausgebranntes Auto in Tunesien, auf dem mit weißer Farbe steht: "Revolution"; eine libysche Frau, die erst im fernen Kanada ihre Traditionen entdeckt; Menschen, die auf allen Vieren durch die Straßen Kairos kriechen, und ein Mann, der glaubte, Algerien niemals verlassen zu müssen – bis der Krieg kam.

In der Ausstellung "Cross-Border" präsentiert das ZKM erstmals Werke zeitgenössischer Künstlerinnen aus dem arabisch geprägten Mittelmeerraum. Mit dem Fokus auf diese Länder wird eine komplexe Kunstszene vorgestellt, die angesichts ihrer rasanten Entwicklung und Lebendigkeit in den letzten Jahren zunehmend internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Zeichnungen, Fotografien, Videoinstallationen und Skulpturen zeugen von der multimedialen Auseinandersetzung der Künstlerinnen mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen aus ihrem Lebensumfeld. Die Ausstellung bietet durch die Werke der Künstlerinnen einen differenzierten Blickwinkel auf die Regionen, der dazu einlädt, Vorurteile zu revidieren und neue Perspektiven zu erschließen.

Die Ausstellung "Cross Border" ist vom 27. April bis 8. September 2013 im ZKM Karlsruhe zu sehen. Die Vernissage findet am 26. April um 19 Uhr statt.

Leipzig: Dichtung, Wahn und Wirklichkeit

Ein rätselhaftes Panorama eröffnet sich dem Beobachter. Ein roter Vorhang legt den Ausschnitt eines hölzernen Gefüges frei. Doch dieser Rahmen ist kein Rahmen, sondern die Umrandung einer Balkontür. Acryl versiegelt eine Fotografie. Eine bizarre, romantische Landschaft ist darauf zu sehen. Auf dem roten Boden liegen weiße Blätter. Die Vögel, die das Bild zeigt, sind tot. Die Künstlerin Anett Stuth erschafft mit ihrer bizarren Montagetechnik sinnliche, schöne und zugleich extreme Bilder. Immer wieder reproduziert sie Zitate aus der Film- und Kunstgeschichte, aus Historie und Malerei, Tier- oder Dokumentarfotografie und entwirft so einen Bogen zur Kulturgeschichte von Gefangenschaft und Freiheit. Sie sieht Kunst als eine Fortführung des Gewesenen, das nicht loslösbar ist mit der Vergangenheit dieser Welt. Ihre Werke sind Bücher, in denen man liest, entdeckt und sich verlieren kann. Ganz selbstverständlich eröffnen die fotografischen Collagen mehrere Räume, unterschiedliche Zeiten und verschiedene Genres. Zum ersten Mal überträgt die Künstlerin diese Arbeitsweise auch auf skulpturale Objekte.

Die Ausstellung "Ist das Leben ein Spiel" ist vom 4. Mai bis 15. Juni 2013 in der Galerie Kleindienst in Leipzig zu sehen.

Bregenz: Konzept und Visualität

Wade Guyton und Kelley Walker sind nicht nur befreundete Künstler, sondern machen auch gemeinsam Kunst als "Guyton Walker". Das Kunsthaus Bregenz treibt jetzt das Verwirrspiel mit den Identitäten auf die Spitze und eröffnet gleichzeitig drei Einzelausstellungen: eine von Wade Guyton, eine von Kelley Walker und eine von Guyton Walker, jeweils auf einem Stockwerk. Es sind fast alles neue Werke, die am Computer entstanden und ausgedruckt wurden, denn Guyton/Walker gehören zu einer neuen Generation von Künstlern, die mit vorgefundenem Material arbeitet und es digital bearbeitet: farbgewaltig und spektakulär.

Die Ausstellung "Guyton /Walker" findet vom 27. April bis 30. Juni 2013 im Kunsthaus Bregenz statt

München: Fünf Tage voller Kunst

Der englische Graffiti-Künstler Fin DAC, der überwiegend mit Schablonen arbeitet, vereint zeitgenössische und urbane Kunst. Seine Werke zeigen oft asiatische Frauen, schwarz, weiß mit krassen Farbakzenten wie Orange oder Violett, die er über die Augenpartie der Gesichter sprüht. Seinen Stil bezeichnet er selbst als "Urban Asthetics", der die akzeptierte Bildsprache von Street Art ignoriert und Farbe sowie Stil perfektioniert. Fin DAC ist derzeit das Aushängeschild der "Stroke Art Fair" München. Sie bietet eine entspannte, weltoffene und lockere Atmosphäre für Kunstinteressierte und setzt durch ihre jugendliche Bewegung neue Akzente. 30 Galerien aus aller Welt präsentieren ihre Street-Art-Künstler. Ob auf Holz, Acryl, auf Leinwänden mit Pinsel oder Dosen: Die Urbane Kunst kennt gestalterisch keine Grenzen. Bei "Vesod" einem in der Szene bekannten Sprayer, trifft Fotorealismus auf grafische, dreidimensionale Düsterheit, die gleichzeitig malerisch ist. Im Atelierhaus der Praterinsel wird es eine Sonderausstellung geben, in der Livekünstler wie zum Beispiel Marina Zumi oder Diamond ihre Werke dem Publikum zeigen.

Die "Stroke Art Fair" ist vom 1. Bis 5. Mai 2013 auf der Praterinsel in München zu sehen

Nürnberg: Geschichten von Raum und Zeit

Der Mond steht still, das Boot hingegen, auf dem zwei Kameras angebracht sind, schaukelt über das unruhige Meer. Sie treffen sich perspektivisch an einem Punkt und die 3D-Inszenierung ist perfekt. Später wird jene Verwandlung an eine Häuserwand in Seoul projiziert. Die Parallaxenverschiebung ist perfekt: Das Meer bestimmt die Bewegungen des Mondes. Die Künstlerin Heike Baranowsky thematisiert Raum, Zeit und Bewegung und nutzt dazu Videoinstallationen und Fotografien als Stilmittel. Wie nur wenigen zeitgenössischen Künstlerinnen gelingt es ihr, Betrachtung und Sinnlichkeit so zu inszenieren, dass unsere Aufmerksamkeit gefesselt wird von den bewegten Bildern, mit denen sie uns in eine andere Zeit und an einen anderen Ort schickt. Die Ausstellung "Time Traps" in der Kunsthalle Nürnberg gibt mit zahlreichen Videoinstallationen aus den letzten 15 Jahren, den bislang umfassendsten Einblick in das komplexe Werk der Künstlerin.

Die Ausstellung Heike Baranowsky "Time Traps" ist vom 24. April bis 16. Juni 2013 im KunstKulturQuartier in Nürnberg zu sehen . Die Vernissage findet am Mittwoch den 24. April um 20 Uhr statt.