Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. Diesmal mit einem Catwalk der Fotografie, einem treibenden Mahnmal, einem Schuhfetisch, Druckgiganten und schwarzem Humor.

Berlin: Catwalk der Fotografie

"Für weniger als 10 000 Dollar stehen wir gar nicht erst auf!", betonte Supermodel Linda Evangelista zu den Hochzeiten ihrer Karriere.

In den achtziger und neunziger Jahren wurden sie zu Weltstars: Fotomodelle wie Cindy Crawford, Linda Evangelista, Christy Turlington, Kate Moss, Naomi Campbell oder Claudia Schiffer verkörperten den neuen Typus des "Supermodels", verdienten horrende Summen, repräsentierten die bekanntesten Modehäuser der Welt und prägten so eine Ära in der Modeindustrie.

Mit über 100 Mode-, Porträt- und Aktfotografien von den renommiertesten Fotografen der Welt widmet sich eine Berliner Ausstellung nun dem Motiv "Supermodel", das sich zu einem international gefragten Genre entwickelte. Wie Musen vermochten die Models der letzten 50 Jahre Künstler zu inspirieren und in der Zusammenarbeit Kunstwerke zu schaffen, deren Ästhetik zu Spiegelbildern ihrer Zeit wurden. Ob Richard Avedons Arbeiten von Twiggy oder Veruschka, mit denen die kulturrevolutionären Jahre der Sechziger und Siebziger assoziiert werden, oder die ikonenhaften Schwarzweißaufnahmen eines Peter Lindberghs oder Michel Comtes der darauffolgenden Jahrzehnte, Fotografien aus über 50 Jahren zeugen vom ungebrochenen Einfluss der Supermodels auf die Kunst. Neben Helmut Newton, Irving Penn, Annie Leibovitz und vielen anderen sind auch die Arbeiten von Ellen Unwerth zu sehen, die maßgeblich zum Aufbau der "Weltmarke" Kate Moss beitrugen, deren "Heroin Chic" sich als eigener Trend der Neunziger durchsetzte.

Die Ausstellung "Supermodels – Then and Now" ist vom 28. Juni bis 6. September in der Berliner CWC Gallery zu sehen

Koblenz: Treibendes Mahnmal

Für Fabrizio Plessi ist das Element Wasser "ein Kulturträger" und damit ein unverzichtbares Medium, das er bereits in den sechziger Jahren als neues Material in die Kunst einführte. Der italienische Künstler, der als Begründer der Video-Installation gilt, kreiert in seinen weltweit bekannten Arbeiten urbane und natürliche Räume, die symbolisch den menschlichen Lebensraum darstellen. Dabei "humanisiert" er die Technik, um mit ihrer Hilfe dem Betrachter die Urelemente der Natur näher zu bringen.

In seiner neuen Installation von zehn mallorquinischen Fischerbooten, die in schillerndes blaues Licht getaucht werden, widmet sich der Künstler seiner Faszination für das Meer und das Element Wasser. Das mit "Llaüt" betitelte Werk untermalt Plessi mit Musik des englischen Komponisten Michael Nyman und schafft damit einen symbolträchtigen Raum. Die Fischerboote spiegeln in dieser Hinsicht die intensive Suche nach einer verloren gehenden Kultur auf der spanischen Insel wieder: Durch große Fangflotten ist der ursprüngliche Beruf des Fischers längst vom Aussterben bedroht. Die Boote werde in diesem Sinne zu einem im Raum treibenden Mahnmal der industrialisierten Welt, in der individuelle und kulturelle Identitäten zunehmend verschwinden.

Die Ausstellung "Fabrizio Plessi – Sul viaggio. Über das Reisen" ist vom 15. Juni bis 17. August im Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz zu sehen

Wien: Schuhfetisch

Ob Louboutin, Manolo Blahnik oder Jimmy Choo – es ist eine neue Sucht nach exklusiven Sandaletten, Ballerinas und Co im Umlauf, der mittlerweile nicht nur Frauen zum Opfer fallen. In einer Zeit, in der dem Zalando-Postboten die Schuhlieferung buchstäblich aus den Händen "geschrien" wird und Unsummen für Fußbekleidung ausgegeben werden, ist der Schuh längst vom beiläufigen Modeprodukt zum künstlerischen Designobjekt avanciert.

Dem Schuh als unserem liebsten Fetischobjekt widmet sich nun eine Ausstellung mit etwa 220 außergewöhnlichen Schuhkreationen von Künstlern, Designern und Architekten. Entstanden sind neben Installationen und Videos eigenständige Kleinskulpturen und experimentelle Fotografien, die dem Schuh mit neuer Optik und Haptik einen Hauch von Zukunftsvision verleihen. Schuhe aus Glas, Keramik und Porzellan bewegen sich hier genauso an der Grenze des Tragbaren wie Sohlen aus Zähnen, Besenporsten oder Kabelgestrüpp. Die konzeptionellen Arbeiten zielen dabei auf das komplexe Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum ab und thematisieren die Facetten des modernen Konsumverhaltens. Und obwohl der Komfort für den Fuß zumeist ausbleibt, bieten die innovativen Schuhentwürfe zumindest einen Genuss fürs Auge.

Die Ausstellung "Shoeting Stars – Der Schuh in Kunst und Design" ist vom 18. Juni bis 5. Oktober im Kunst Haus Wien, Museum Hundertwasser zu sehen

Essen: Druckgiganten

In den sechziger Jahren fand in der Druckgrafik eine mediale Revolution statt: Erstmals wurden Fotografien überarbeitet, neuinterpretiert und schließlich in eine Druckgrafik überführt, wenn auch die Ableitung des Motivs vom fotografischen Original stets präsent blieb. Jene Technik fotobasierter Durckgrafiken der sechziger und siebziger Jahre begeisterte die namhaftesten Künstler, darunter Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Gerhard Richter oder Wolf Vostell.

Mit rund 80 Arbeiten bietet eine Ausstellung im Museum Folkwang nun das erste Mal einen Überblick über den stilistischen und inhaltlichen Facettenreichtum der fotobasierten Durckgrafiken jenes Jahrzehnts. Im Zusammenspiel mit Arbeiten von Robert Rauschenberg, James Rosenquist oder Mel Ramos werden die berühmten Serien "Electric Chairs" (1964) und "Marilyn Monroe" (1971) von Andy Warhol ausgestellt. Weitere Highlights bilden Lichtensteins zehnteilige Folge "Ten Landscapes" sowie Gerhard Richters grafische Blätter aus der Zeit von 1968 bis 1972.

Die Ausstellung "Von Warhol bis Richter – Grafik zwischen Foto und Druck" ist vom 28. Juni bis 28. September im Essener Museum Folkwang zu sehen

München: Schwarzer Humor

Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Ungestraft über das Missgeschick anderer lachen zu können, hat schon etwas herrlich Diabolisches – Humor wirkt schließlich psychisch entlastend. Doch wie weit darf schwarzer Humor gehen, wann werden dabei politische, moralische oder religiöse Grenzen überschritten?

Mithilfe von 15 Arbeiten aus dem Bereich der Film- und Unterhaltungsindustrie werden in einer Ausstellung nun jene Grenzen ausgelotet und zum Teil bewusst überschritten. Das Brechen von Tabus wird an dieser Stelle zur funktionalen Strategie der bildenden Kunst: Slapsticks, eine spezielle Form der Filmkomödie, die durch eine körperbezogenen Situationskomik charakterisiert sind, verleiten den Zuschauer, über Dinge zu lachen, die, sind wir mal ehrlich, das Gegenteil von lustig sind. Die Videoarbeiten von Olaf Breuning ("First") und Nathalie Djurberg ("Hungry Hungry Hippos") demonstrieren an dieser Stelle, dass manche humoristischen Situationen aus Graumsamkeit und Unterdrückung schöpfen. Der Ausstellungstitel "Broken" verweist dabei auf die gleichnamige Videoinstallation von Tony Oursler, die eine männliche Puppe zeigt, die, eingeklemmt zwischen zwei Stühlen, merkwürdige Grimassen schneidet und seltsame Laute von sich gibt. Mächtig makaber, doch gelacht werden darf dennoch!

Die Ausstellung "Broken – Slapstick, Comedy und schwarzer Humor" ist vom 27. Juni bis 18. Januar 2015 in der Münchener Sammlung Goetz im Haus der Kunst zu sehen