Gib mir Fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Diesmal mit Nashörnern, einer RoboCop-Statue und sinnlichen Erfahrungen.

Hamburg – Die Tiere sind los!

Was machen eigentlich Nashörner in Tokio? Seit dem 16. Jahrhundert sind sie immer wieder Sujets in der Kunst.

Ihre wuchtige Gestalt, der massige Körper, das spitze Horn und die Beschaffenheit ihrer Haut beschäftigten schon viele Künstler. Man denke nur an das Nashorn Clara, das Mitte des 18. Jahrhunderts in einer Ausstellung durch Europa tourte und von Künstlern wie Jean-Baptiste Oudry porträtiert wurde. Der Japaner Kazumasa Nagai hingegen befasst sich aus einem anderen Grund mit den Dickhäutern. Seine Plakate, die gar nicht zum Plakatieren gedacht sind, sollen auf die bedrohten Tiere aufmerksam machen. Die Hamburger Ausstellung "Die schönsten Nashörner kommen aus Tokio" zeigt aber auch Werke des Schweizer Claude Kuhn. Seine Plakate zeichnen sich durch schrille Farben und neckische Darstellungen von Tieren aus. Sie werben für Veranstaltungen des Berner Zoos und sind doch weit mehr als nur einfach Werbung.

Die Ausstellung "Die schönsten Nashörner kommen aus Tokio. Tierplakate aus Japan und der Schweiz" findet vom 3. Oktober 2014 bis zum 18. Januar 2015 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg statt.

Bremen – Verkaufe deine Schulden?

Nein, die Ausstellung in der Weserburg bietet dem Besucher nicht das Versprechen ewiger Sorglosigkeit – "Sell your Debt" ist eine Arbeit des Künstlerkollektivs Claire Fontaine, die als Kommentar auf die Finanzwelt zu verstehen ist. Die Sammlung von Kelterborn, die in Bremen erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, führt uns in die Komplexität und Widersprüchlickeit unserer Gegenwart: Richard Mosse gibt mit seiner Arbeit "The Enclave", die bereits in Venedig zu sehen war, beklemmende, magentafarbene Einblicke in den von Warlords geprägten östlichen Kongo; Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse sind mit ihrem Fotoprojekt "Ponte City" über den mittlerweile zum mythologischen Bau gewordenen Bereas Ponte Tower vertreten. Einstmals Luxusturm, ist er im Johannesburger Stadtleben jetzt Problemriese, der wieder in altem Glanze erstrahlen soll.
Die Ausstellung, die neben den genannten Arbeiten auch Werke von Jochen Gerz, Taryn Simon oder Marina Vassileva beinhaltet, entlässt uns nicht aus unseren Schulden, aber sie zeigt die Chancen und Freiräume, die das menschliche Zusammenleben bergen kann.

Die Ausstellung "Komm und sieh – Sammlung von Kelterborn" ist vom 10. Oktober 2014 bis zum 01. Januar 2015 in der Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen zu sehen.

Berlin – Mit allen Sinnen

Die Erfahrung der Kunst, die Erfahrung der Sinne, die Erfahrung der Kunst mit (fast) allen Sinnen. Das verspricht die Ausstellung "Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste" im Berliner Bauhaus-Archiv. Die Ausstellung feiert Moholy-Nagy als Visionär. Er brach mit den Regeln der damals noch jungen Medien Fotografie und Film. Durch ungewöhnliche Blickwinkel und experimentelle Kompositionen manifestiert sich in seinen Werken das sogenannte Neue Sehen. Die Bandbreite der rund 300 Exponate ist groß! Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Filme, Geräusch- und Lichtinstallationen sowie Tasttafeln. Während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus ließ Moholy-Nagy von seinen Studenten solche Tasttafeln fertigen, die als "Skulpturen für Blinde" gedacht waren, aber auch für Sehende ein sinnliches Erlebnis sind. Neben den Werken des Bauhaus-Meisters zeigt die Ausstellung auch zeitgenössische Kunst wie "Aromapoetry" von Eduardo Kac. Ein Buch, geschrieben mit Gerüchen, dessen Gedicht erst beim Riechen entsteht.

Die Ausstellung "Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste" ist vom 8. Oktober 2014 bis zum 12. Januar 2015 im Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin zu sehen.

Linz – Durstlöscher

"Es gibt kein Gefühl, das dem Verlangen nach dem Unendlichen, dem Sehnen, in das Unendliche überzufließen, so homogen wäre, als das Verlangen, sich in einer Wasserfläche zu begraben." Was Hegel in seinen theologischen Jugendschriften beschreibt, könnte ebenso gut eine Einführung in das Oeuvre Bill Violas sein, in dem Wasser oft eine Hauptrolle spielt. Nur diesmal ist Viola mit seiner Leidenschaft nicht alleine: Die Ausstellung "reines Wasser" im Lentos-Kunstmuseum zeigt zahlreiche künstlerische Arbeiten von Fotografie über Malerei bis Video, darunter große Namen wie Joseph Beuys oder Daniel Canogar, die neben Materialität und Ikonologie der Thematik Wasser auch die Umweltaspekte und Ressourcen-Problematiken untersuchen.
Denn ohne Wasser wäre die Erde nicht die Erde, der Mensch nicht der Mensch und Linz nicht Linz – das ja bekanntermaßen am Wasser liegt.

Die Ausstellung "Reines Wasser – Die kostbarste Ressource der Welt" ist vom 03. Oktober 2014 bis zum 15. Februar 2015 im Lentos Kunstmuseum in Linz zu sehen.

München – Scheitern mit Potenzial

Eine monumentale RoboCop Statue in Detroit, eine Teekanne mit Eisenstelzen im Tiergarten, Rocky Balboa auf einem Marmorsockel – gibt es nicht? Gibt es doch! Die Ausstellung "Regenerate Art" zeigt Arbeiten für den öffentlichen Raum – realisierte und nicht realisierte. Die Werke verweigern sich den herkömmlichen Strukturen, die unsere Städte formen, und zeigen, dass manchmal gerade in der Nichtrealisierung eines Projekts das Potenzial liegt, kritische Aussagen zu formulieren.
Denn auch wenn RoboCop (noch) nicht wie sein gleichnamiger Verwandter im Film von Paul Verhoeven den Stadtraum von Detroit beherrscht, ist er seit seiner gedanklichen Geburt 2011 in Detroiter Munde – und damit ein Kommentar zu den Möglichkeiten von Kunst.

Die Ausstellung "Regenerate Art" ist vom 11. Oktober 2014 bis zum 30. November 2014 im Kunstverein München e.V. zu sehen.